Edelmetall

Der Goldpreis stürmt auf neue Rekordwerte zu – acht Antworten auf die drängendsten Fragen

Goldbarren im Tresorraum der Zürcher Kantonalbank.

Goldbarren im Tresorraum der Zürcher Kantonalbank.

Im März stürzte der Goldpreis zusammen mit den Börsen ab – um anschliessend wieder stark zuzulegen. Acht Antworten zu den Hintergründen.

Wie stark ist der Goldpreis gestiegen?

Der Goldpreis steigt und steigt. Die Nachfrage nach einer sicheren Wertanlage ist aufgrund des anhaltenden Coronavirus-Pandemie ungebrochen. Das Edelmetall hat in diesem Jahr um über 17 Prozent zugelegt. Am Dienstagabend lag der Preis für ein Unze Gold (31,1 Gramm) bei 1781 Dollar. Erstmals seit 2012 könnte der Goldpreis wieder über die Marke von 1800 Dollar springen. Auch das Allzeithoch von 1921 Dollar scheint greifbar.

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Was sind die Gründe für den Anstieg?

Grundsätzlich bildet sich der Goldpreis wie bei anderen Gütern aus Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Zuletzt wuchs das Kaufinteresse kräftig, doch Gold ist nicht beliebig vermehrbar, die Bestände wachsen nur langsam. Ein Preisanstieg ist die Folge. Gründe für das hohe Kaufinteresse gibt es aktuell einige. An erster Stelle natürlich die hohen Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie. In unsicheren Zeiten übt das Metall auf Anleger grosse Anziehungskraft aus.

Wieso stieg der Goldpreis schon vor Corona an?

Covid-19 ist nur indirekt verantwortlich für den steigenden Goldpreis. «Hauptgrund ist die expansive Geldpolitik der Zentralbanken und die dadurch fallenden Realzinsen», sagt Giovanni Staunovo, Rohstoffexperte bei der Grossbank UBS. Gold sei dadurch als «sicherer Hafen», als vor Inflation geschützte Anlage gesucht. Die Corona-Pandemie funktioniert als Beschleuniger, da sie weitere Stimulierungsmassnahmen durch die Regierung und die Notenbank erforderlich machen könnte. Die Zentralbanken signalisierten, dass sie ihre expansive Massnahmen beibehalten möchten.

Wer kauft derzeit Gold?

«Haupttreiber sind Goldinvestoren, die börsenkotierte Anlageinstrumente kaufen», erklärt Staunovo. In den ersten fünf Monaten des Jahres gab es gemäss dem World Gold Council Zuflüsse von 623 Tonnen in börsenkotierte Fonds (Gold-ETF). So viel wie nie zuvor. Laut Commerzbank liegen deren Bestände mit 102,8 Millionen Unzen inzwischen auf dem höchsten Niveau seit 2013. Diese dürften weiter ansteigen.

Umgekehrt ging der Bedarf für Schmuck stark zurück. «Die Schmuckindustrie ist preissensitiv, zudem gab es wegen Covid-19 Friktionen im Handel», sagt Staunovo. Die Schweizerische Zollverwaltung weist etwa für den Export nach China und Indien vergleichsweise tiefe Lieferungen aus. Umgekehrt gab es für die USA im April und Mai dieses Jahres Rekordexporte von über 100 Tonnen. «Das ist auf Verwerfungen am Gold-Futures Markt zurückzuführen», erklärt der Rohstoffanalyst. Die Investoren bevorzugen physisches Gold statt Papiergeld.

Was machen die Zentralbanken?

Die Zentralbanken kaufen weniger Gold ein als auch schon. Die chinesische Zentralbank hat 2020 kein Gold gekauft und die russische Zentralbank, zuletzt der grösste Käufer, hat ihre Zukäufe im März gestoppt. Am aktivsten ist die türkische Zentralbank, die 2020 bereits mehr als 100 Tonnen gekauft hat. Auch Indien hat 18 Tonnen gekauft. Verkauft haben Deutschland und Sri Lanka. Die deutsche Bundesbank verkauft grössenteils Gold um Münzen zu prägen. Am meisten Gold besitzen die Zentralbanken der USA (8133,5 Tonnen), vor Deutschland (3363,6 Tonnen) und Italien (2451,8 Tonnen). Die SNB liegt mit 1046 Tonnen Gold an siebter Stelle.

Gibt es überhaupt genug Gold zum Handeln?

Das Coronavirus hat nicht nur zu Turbulenzen an den Finanzmärkten geführt sondern auch am Goldmarkt. Unterbrechungen bei der Lieferkette beeinträchtigen im März die Herstellung von neuen Goldbarren. Aufgrund der angeordneten Schliessungen von Fabrikationsstätten im Tessin können die dortigen Raffinerien keine neuen Goldbarren schmelzen. Vier der weltweit grössten Goldraffinerien befinden sich in der Schweiz, drei davon im Tessin. Von einem Goldmangel könne aber nicht gesprochen werden. Es gebe genügend oberirdische Goldbestände, sagt Staunovo. Der höhere Goldpreis aktiviere diese, die via Altgold wieder auf den Markt kommen.

Dauert die Preishausse an?

Viele Banken haben ihr Kursziel erhöht, auch die UBS. «Wir gehen im Hauptszenario von 1800 Dollar pro Feinunze aus. «Werden die Turbulenzen an den Finanzmärkten länger andauern, sind gemäss unserem Positivszenario durchaus auch 1900 bis 2000 Dollar möglich», sagt Staunovo. Beruhige sich die Pandemie zügiger als erwartet, könnte der Goldpreis laut Negativszenario auf 1500 bis 1400 Dollar einbrechen.

Wie entwickeln sich andere Edelmetalle?

Neben Gold werden vor allem Silber, Platin und Palladium gehandelt. Diese werden viel stärker als Gold in der Industrie eingesetzt, ihr Kurs ist deshalb stärker vom Wirtschaftseinbruch betroffen. «Erholt sich die Wirtschaft, hat Silber Potenzial, aber es ist doppelt so volatil wie Gold», sagt Staunovo. Daneben hat Palladium einen guten Ausblick. «Allerdings», betont der Rohstoffexperte, kann Palladium sehr illiquide sein und ist nur für risikobereite Investoren geeignet.»

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Autor

Roman Schenkel

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