Analyse

Das Raffen scheint sich zu lohnen

Managerlöhne werden kritisiert

Manager-Boni werden wieder in hoher Summer ausgezahlt.

Managerlöhne werden kritisiert

In seiner Analyse zu neuerlich überrissenen Manager-Boni, die durch Intransparenz begünstigt werden, hält Ökonom Thomas Straubhaar fest: «Die Eigentümer von Firmen sollen durchsetzen, dass ihre Leute anständig sind.»

Erst war es der Abgas-Skandal. Nun sind es Bonuszahlungen an Verwaltungsräte von VW und eine Sonderprämie von bis zu 15 Millionen Euro für dessen Vorsitzenden, weil er seinen gut dotierten Posten vorzeitig geräumt hat. Volkswagen kommt nicht aus den Negativschlagzeilen. Was können oder müssen wir allenfalls daraus lernen?

Selbstverständlich ist es das gute Recht einer Aktiengesellschaft, mit ihrem Geld zu machen, was sie für richtig hält. Wenn Eigentümer ihren Managern hohe Gehälter zugestehen, ist es ihr Geld, das sie verspielen. Wenn sie das nicht wollen, dann müssen sie ihre Kontrollpflicht ernsthafter verfolgen. Managergehälter, Boni, Sonderprämien werden von Vorständen nicht im Alleingang angeordnet. Vielmehr werden sie von paritätisch besetzten Aufsichtsräten beschlossen. Kritischer ist es, wenn Vorstände nahtlos in den Aufsichtsrat wechseln und so kontrollieren, was sie selber beschlossen haben. Wie es bei Volkswagen der Fall ist.

Aber auch hier gilt, dass es Sacheder Aktionäre ist, wen sie in ihre Gremien berufen. Schliesslich könnten hohe Gehälter oder Prämien zulasten von Investitionen gehen. Das Betriebsklima könnte leiden, wenn von den Angestellten, nicht jedoch von Vorständen Zurückhaltung gefordert wird. Genauso mögen treue Kunden misstrauisch werden, ob sie möglicherweise für ihre Autos so viel bezahlen, dass sich Volkswagen trotz der drohenden Straf- und Schadenersatzzahlungen fürstliche Managerlöhne leisten kann.

Letztlich sind Managergehälter und die Bestellung von Verwaltungsräten eine Angelegenheit der Betroffenen, vor allem der Eigentümer, aber auch der Belegschaften. Sie bieten keinen Anlass, staatliches Eingreifen zu fordern. Dennoch: Mit Manipulationen und Vertuschung auf der einen Seite und Bonuszahlungen und Sonderprämien auf der anderen nährt sich der Verdacht, dass die Absichtserklärungen für ehrbares Verhalten, die sogenannten Corporate-Governance-Regeln, das Hochglanzpapier nicht wert sind, auf dem sie geschrieben wurden. Dieses Misstrauen kann die Wirtschaft insgesamt betreffen.

Aufgrund seiner schieren Grösse und Strahlkraft wird Volkswagen als Vorzeigeunternehmen wahrgenommen – lange im Guten, nun im Schlechten. Damit verändert das Handeln der VW-Manager generell das Ansehen Deutschlands. Von Volkswagen geht das Signal aus, dass Manager offenbar doch nicht so ehrbare Kaufleute sind, wie es der Tradition, der Kultur und dem Selbstverständnis entspricht. Wenn die Moral der Führungskräfte verloren geht, verliert ein Land, was seine Wirtschaft im internationalen Vergleich so herausragend macht: den gesellschaftlich breit abgestützten Respekt vor gemeinsam getragenen, als fair und anständig bewerteten Verhaltensregeln – auch jenseits von Recht und Gesetz.

Zu fragen ist, was dazu führt, dass die Prinzipien von Treu und Glauben, Recht und Gesetz in Führungsetagen unter Druck kommen. Globalität, Anonymität und Mobilität mögen eine wesentliche Rolle spielen. Die Globalisierung hat Bilanzsummen, Umsätze und Erträge gewaltig ansteigen lassen. Entsprechend mehr Geld steht auf dem Spiel, und umso höher sind die Gehälter, Boni und Prämien. Das mag beim einen oder anderen Manager die Bereitschaft steigern, auch unmoralisch zu handeln oder gar illegale Handlungen vorzunehmen. Viele Transaktionen finden heute relativ anonym in einem Umfeld statt, das strafrechtliche Verfolgung mit nationalen Aufsichts- und Justizbehörden erschwert. Oft bleibt unklar oder intransparent, welches Rechtssystem zuständig ist. Die Panama Papers seien als Beispiel genannt, selbst wenn die Vorgänge an sich völlig legal gewesen sein sollten.

Verwaltungsräte und Management wechseln immer rascher das Unternehmen. Eine nachhaltige Loyalität gegenüber Eigentümern, Belegschaften und Kunden besteht kaum noch. Wer davon ausgehen kann, dass eine solche Beziehung nicht von langer Dauer sein wird, hat weniger Anreiz, Vertrauen aufzubauen. Im Gegenteil scheint sich eine Raffmentalität zum möglichst grossen eigenen Vorteil auszuzahlen.

Um die negativen Folgen von Globalisierung, Anonymität und Mobilität zu minimieren, sollten die Eigentümer von Unternehmen im eigenen Interesse durchsetzen, dass ihre Führungskräfte nicht nur auf dem Papier, sondern auch im Alltag anständig sind. Es gilt aus betriebswirtschaftlicher Sicht, von allen Beteiligten ein ehrbares Verhalten einzufordern. Dass Vertrauensverlust bei Partnern und Rufschädigung bei Kunden und in der Öffentlichkeit zu einem nachhaltigen Unternehmenserfolg beitragen, ist kaum zu erwarten.

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