Grossbanken
Credit Suisse lüftet Schleier über Greensill-Fonds – und nennt erstmals den Betrag, den ihr der Stahlmagnat Gupta schuldet

Die Fonds-Kunden der Schweizer Grossbank müssen um Forderungen dubioser Firmen von 2,3 Milliarden Dollar zittern.

Daniel Zulauf
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Sanjeev Gupta einer der grössten Schuldner von Greensill. Credit-Suisse-Fondskunden zitteren wegen ihm um 1,2 Milliarden Dollar .

Sanjeev Gupta einer der grössten Schuldner von Greensill. Credit-Suisse-Fondskunden zitteren wegen ihm um 1,2 Milliarden Dollar .

Zvg / Aargauer Zeitung

Der insolvente britisch-australische Lieferketten-Finanzierer Greensill hat allzu oft ein Auge zugedrückt, wenn es um die Vergabe potenziell lukrativer Kredite ging. Die Quittung für diese unverantwortliche Geschäftspolitik erhalten nun die Gläubiger – allen voran die Kunden der Credit Suisse. Diese hatten insgesamt 10 Milliarden Dollar in vier von der Grossbank aufgesetzte Lieferketten-Fonds gesteckt, damit diese die Geschäfte von Greensill finanzieren konnte.

Seit der Insolvenz von Greensill Anfang März ist die Rückzahlung eines bedeutenden Teils dieser Gelder in der Schwebe. In den vergangenen sechs Wochen hat die Bank 4,8 Milliarden Dollar an die Fonds-Investoren zurückgezahlt. Dazu gehört auch die letzte Rückzahlungstranche über 1,7 Milliarden Dollar, über die Credit Suisse am Dienstag informiert hat. Insgesamt seien die Problemfonds inzwischen zu 54 Prozent (5,4 Milliarden Dollar) liquidiert.

Die weiteren Liquidationen dürften schwieriger werden. Erstmals nannte Credit Suisse am Dienstag die Summe der offenen Forderungen bei den schwierigsten Zahlern. Im Vordergrund steht der britische Stahlindustrielle Sanjeev Gupta, der Greensill respektive den Fondskunden von Credit Suisse noch 1,2 Milliarden Dollar schuldet. Gupta hat in den vergangenen fünf Jahren in Grossbritannien und Nordfrankreich ein Stahl- und Aluminiumkonglomerat namens Liberty Steel zusammengekauft und sich dabei im grossen Stil von Greensill finanzieren lassen. Gupta beschäftigt in Grossbritannien und in der Normandie mehr als 3000 Menschen.

Britischer Minister: Finanzhilfe für Gupta wäre sehr unverantwortlich

Offenbar fehlt es ihm an liquiden Mitteln. Er hat unlängst die britische Regierung um einen Kredit gebeten. Doch diese lehnte ab. Es bestehe «immer eine Gefahr», dass Firmen in der Liberty-Steel-Gruppe Konkurs gehen könnten, erklärte der zuständige britische Minister Kwasi Kwarteng am Dienstag dem Parlament. Man könne Liberty Steel nicht wirklich von den übrigen Aktivitäten Guptas in dessen GFG-Alliance-Konglomerat trennen, weshalb ein Kredit mit Steuergeldern sehr unverantwortlich wäre, sagte der Minister.

Das sind keine guten Aussichten für die Credit-Suisse-Kunden. Derweil soll die Bank versuchen, Firmen aus dem Gupta-Imperium in die Insolvenz zu treiben, damit sich diese verkaufen lassen. Das Vorgehen ist politisch heikel, weil es Arbeitsplätze in Randregionen kosten könnte. Die Credit Suisse nimmt keine Stellung zu ihrem Ansatz.

Weitere 690 Millionen Dollar haben die Fondskunden der Credit Suisse vom kleinen US-Kohleförderer Bluestone Resources zugut. Die Rückzahlung des Geldes ist mutmasslich schon seit zwei Jahren fällig. Bluestone im Eigentum des republikanischen Gouverneurs Jim Justice aus West Virginia gilt als notorisch säumige Zahlerin und als schlimme Umweltsünderin.

Schliesslich sind noch 440 Millionen Dollar vom amerikanischen Generalbauunternehmen Katerra offen. Katerra ging 2015 mit dem Anspruch an den Start, das Baugeschäft mit technologischen Kniffen zu revolutionieren. Das entpuppte sich als leeres Versprechen. Das japanische Beteiligungs- und Finanzkonglomerat Softbank hielt Katerra Ende 2020 mit einem Notkredit am Leben.

Die Fondsinvestoren der Credit Suisse haben bei den Greensill-Kunden insgesamt noch Forderungen über 4,6 Milliarden Dollar offen. Wie viel von dem Geld noch zurückbezahlt werden wird, ist offen. Verschiedene Fondsinvestoren haben bereits angekündigt, dass sie im Fall eines Verlustes die Bank haftbar machen wollen.

Glass Lewis verlangt Nicht-Wiederwahl von CS-VR Andreas Gottschling

Das Greensill-Debakel ist wohl ein wichtiger Grund, dass der amerikanische Stimmrechtsberater Glass Lewis seinen Kunden am Dienstag die Nicht-Wiederwahl von Andreas Gottschling in den Verwaltungsrat der Grossbank empfohlen hat. Gottschling ist Präsident des Risikoausschusses der Credit Suisse. Die Generalversammlung findet am 30. April statt.