Corona
Nun springt auch Novartis auf: Der Pharmakonzern hilft in der Impfstoff-Produktion – und das in der Schweiz

Weltweit sind Unmengen an Corona-Vakzinen nötig. Nun wird das Basler Unternehmen in Stein AG den US-Konkurrenten Pfizer bei der Abfüllung unterstützen.

Andreas Möckli
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Hier soll es ab dem zweiten Quartal losgehen: Das Novartis-Werk in Stein im Fricktal.

Hier soll es ab dem zweiten Quartal losgehen: Das Novartis-Werk in Stein im Fricktal.

Georgios Kefalas / KEYSTONE

Das Pharmaland Schweiz hat in der Bekämpfung der Coronakrise nicht nur geglänzt. Zwar trumpft Roche mit der Herstellung von Tests auf und Lonza produziert die Wirksubstanz des Moderna-Impfstoffs. Viel mehr war bislang jedoch nicht. Wie einer Medienmitteilung vom Dienstag zu entnehmen ist, wird nun auch Novartis seinen Beitrag leisten, nachdem der Konzern lange dazu verdammt war, das Geschehen grösstenteils von der Zuschauertribüne zu betrachten.

So hat Novartis mit den Impfstoffherstellern Pfizer und Biontech einen Vertrag unterzeichnet. Das Basler Unternehmen wird den Impfstoff-Wirkstoff der beiden Firmen in Grossbehältern übernehmen und unter aseptischen Bedingungen in Injektionsflaschen abfüllen. Diese gehen dann an die beiden Hersteller zurück und werden anschliessend weltweit verteilt.

Das Ganze wird im Pharmawerk von Novartis in Stein AG vonstatten gehen. Mit dem Begriff «aseptisch» ist hier die sterile Abfüllung des Impf-Wirkstoffs gemeint. Sobald der endgültige Vertrag steht, wird der Pharmakonzern im zweiten Quartal in seiner «hochmodernen Produktionsanlage» in Stein mit der Arbeit beginnen. Erste Lieferungen des Endprodukts sind für das dritte Quartal, also frühstens im Juli, geplant.

Steril muss es sein: In Stein AG stellt Novartis auch Zell- und Gentherapien hier.

Steril muss es sein: In Stein AG stellt Novartis auch Zell- und Gentherapien hier.

ZVG

Novartis befinde sich in fortgeschrittenen Gesprächen mit einer Reihe weiterer Unternehmen. Dabei gehe es etwa um die Produktion von mRNA-Impfstoffen. Sowohl das Vakzin des Duos Pfizer/Biontech als auch jenes von Moderna basieren auf dieser Technologie. Daneben biete Novartis auch die therapeutische Proteinproduktion sowie die Rohstoffherstellung für Corona-Impfstoffe und -Medikamente an. Über die Einzelheiten will das Unternehmen informieren, sobald die Diskussionen abgeschlossen sind. Es ist davon auszugehen, dass Gespräche dazu bereits laufen.

Dabei könnte helfen, dass der Produktionschef von Moderna früher für die weltweite Herstellung von Novartis zuständig war. Es handelt sich dabei um den Spanier Juan Andres, der zwischen 2005 und 2017 für die Basler tätig war.

Auch die Franzosen helfen

Die Produktion derart grosser Mengen an Impfstoff ist eine Herkulesaufgabe. Vor Novartis hat bereits der französische Pharmakonzern Sanofi angekündigt, bei der Herstellung zu helfen. In seinem Werk in Frankfurt wird er ebenfalls Pfizer und Biontech bei der Produktion des Corona-Impfstoffs unterstützen. Bei der Zusammenarbeit geht es um die späte Phase der Produktion von mehr als 125 Millionen Dosen, wie Sanofi diese Woche mitgeteilt hat. Die Franzosen wollen später selber ebenfalls ein Corona-Vakzin auf den Markt bringen, sie dürften aber frühstens in der zweiten Jahreshälfte soweit sein.

Deutlich weiter fortgeschritten ist der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson, der in der Schweiz rund 4400 Mitarbeiter beschäftigt. Heute Freitag stellte das Unternehmen die Ergebnissen der dritten und letzten Phase III seines Impfstoffs vor. Daran haben 44'000 Teilnehmer in zahlreichen Ländern teilgenommen. Über alles gesehen weist das Vakzin laut der Studie eine Wirksamkeit von 66 Prozent auf, in den USA beträgt sich jedoch 72 Prozent. Der Impfstoff hat den Vorteil, das im Gegensatz zu den bestehenden nur eine Dosis nötig ist.

Die Resultate sind besser als zunächst erscheinen mag

Selbst mit 80 Jahren unermüdlich im Einsatz: US-Virologe Anthony Fauci.

Selbst mit 80 Jahren unermüdlich im Einsatz: US-Virologe Anthony Fauci.

Pascal Bitz / World Economic Forum

Im Vergleich zu Moderna und Pfizer/Biontech klingt eine Wirksamkeit von 66 Prozent nach wenig. Diese sind zwischen 94 und 95 Prozent wirksam. Der führende US-Virologe Anthony Fauci relativiert jedoch. Wäre das Resultat in Abwesenheit von Moderna und Pfizer bekannt geworden, hätte man dies als hervorragend bezeichnet, sagte der 80-Jährige an einer Telefonkonferenz.

So konnte der Impfstoff in der Studie die Verhinderung schwerer Erkrankungen zu 85 Prozent verhindern - und das weltweit. Die Wirksamkeit gegen schwere Verläufe nahm mit der Zeit zu, wobei nach 49 Tagen keine Fälle bei geimpften Teilnehmern mehr gemeldet wurden. Diese Zahlen lassen hoffen.

Die Schweiz hat bislang jedoch noch keinen Vertrag mit Johnson & Johnson abgeschlossen. Die Verhandlungen laufen, wie beide Seiten bestätigt haben. Der Bund hat sich bisher mit den Firmen Pfizer/Biontech, Moderna und Astrazeneca insgesamt 17,3 Millionen Dosen gesichert. Alle drei Hersteller mussten inzwischen jedoch Lieferschwierigkeiten einräumen. Johnson & Johnson hat in der Schweiz Anfang Dezember ein Zulassungsgesuch gestellt.