Seit Xiaomi vor zwei Jahren mit seinem ersten Smartphone auf den Markt gekommen ist, steht der Hersteller aus der südchinesischen Hightech-Metropole Shenzhen nicht nur dafür, Geräte herzustellen, die es sowohl technisch als auch vom Design her mit Apples iPhone oder Samsungs Galaxy aufnehmen können. Xiaomi-Gründer Lei Jun ist es auch gelungen, einen ähnlichen Kult um seine Geräte zu schaffen wie einst Steve Jobs mit neuen Apple-Produkten. Jeder Präsentation von Xiaomi fiebern Chinesen und inzwischen Fans weltweit ähnlich spannungsgeladen entgegen wie Kinder auf Weihnachten.

Nun plant Xiaomi in Hongkong seinen Börsengang, Gerüchten zufolge sogar schon im Juni. Bis zu zehn Milliarden Dollar will Firmenchef Lei gemäss Insiderkreisen einnehmen. Sollte es tatsächlich dazu kommen, wäre das der grösste Börsengang eines chinesischen Unternehmens seit Alibabas spektakulärem Börsengang von 2014. Der spülte Chinas führendem Technologieunternehmen damals mehr als 25 Milliarden Dollar in die Kasse.

Schick und günstiger als iPhone

Xiaomi-Smartphones punkten nicht nur mit einer ausgefeilten Technologie, die es mit den Spitzenprodukten von Apple und Samsung aufnehmen können, sondern auch mit der edel anmutenden Verarbeitung. «Kein anderes Smartphone hatte bis dato so wenig Rahmen rund um das Display wie das der Chinesen», urteilt die Branchenplattform Aeromobile. Das derzeit aktuellste Modell etwa, der Mi Mix 2S, verfügt über eine garantiert kratzfeste Keramikoberfläche. Zudem sind die Smartphones von Xiaomi sehr viel günstiger als ein iPhone.

Die Preise liegen zwischen 80 und 600 Dollar. In Europa war Xiaomi (Deutsch: «Hirse») bislang nur Smartphone-Enthusiasten ein Begriff. Die schicken Smartphones waren bislang auf den europäischen Märkten denn auch nur über den Online-Handel erhältlich, häufig über Schwarzmärkte. Erst seit einigen Monaten gibt es in Spanien die ersten Xiaomi-Läden, weitere werden derzeit in Mailand, Paris und Wien eröffnet. Zudem hat Xiaomi den ersten europäischen Anbieter für sich gewinnen können. Über die Marke Three bietet der britische Netzbetreiber Hutchinson neuerdings Xiaomi-Geräte in Grossbritannien, Irland, Dänemark, Schweden und Österreich an.

Weltweit ist Xiaomi jedoch die Nummer 4 unter den Smartphone-Verkäufern. Allein im ersten Quartal 2018 hat der chinesische Konzern mehr als 27 Millionen Smartphones ausgeliefert, den grössten Teil in China selbst. Doch auch in den grossen Wachstumsmärkten Indien, Südostasien, Russland und Naher Osten sind die Geräte aus der Volksrepublik äusserst beliebt. In Asien punktet Xiaomi zudem mit dem Verkauf von Staubsaugerrobotern, Luftreinigern, Fitnessarmbändern und Drohnen. Sie sind allesamt mit dem Smartphone steuerbar.

Fast 70 Prozent der Erlöse macht das chinesische Unternehmen weiterhin mit dem Smartphone. Und dabei sind die Margen gering. Während Apple Branchenexperten zufolge rund 60 Prozent Bruttomarge erzielt, sollen es bei Xiaomi nur knapp 10 Prozent sein. Das ganz grosse Geschäft wittert Xiaomi auch gar nicht so sehr in den Endgeräten, sondern in den eigenen Internetdienstleistungen und dem Sammeln von Daten über seine diversen Smartgeräte.