Umweltschutz

China plant feste Quote für Elektroautos – und bremst damit die deutsche Autoindustrie aus

Die chinesische Regierung plant eine Reihe von Massnahmen, die deutschen Autobauern das Geschäft vermiesen könnten. (Archivbild)

Die chinesische Regierung plant eine Reihe von Massnahmen, die deutschen Autobauern das Geschäft vermiesen könnten. (Archivbild)

Pekings Regierung fördert den Absatz von Fahrzeugen mit Elektromotoren. Ziel der chinesischen Führung: Bis 2020 sollen mindestens fünf Millionen Elektrofahrzeuge auf Chinas Strassen rollen.

Die meisten europäischen Autobauer blicken in China auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Insbesondere deutsche Hersteller rechneten 2016 mit einem Anstieg der Verkaufszahlen von vielleicht gerade mal sechs oder sieben Prozent.

Stattdessen verzeichnete Volkswagen im vergangenen Jahr ein Plus von über 12 Prozent. Auch BMW konnte seinen Absatz deutlich steigern. Am meisten legte Daimler zu. Die Stuttgarter erhöhten ihre Verkaufszahlen um fast 28 Prozent. Der gesamte chinesische Markt wuchs bis Ende November um rund 15 Prozent.

Neue Spielregeln zuhauf

Doch schon 2017 dürften die Verkaufszahlen für die deutschen Autobauer sehr viel schlechter aussehen. Die chinesische Regierung plant eine Reihe von Massnahmen, die ihnen auf dem grössten Automarkt der Welt das Geschäft vermiesen könnten:

  • Steuererleichterungen für besonders kleine Motoren fallen zum Jahresende weg. Sie waren es, die 2016 Jahr den Verkaufsschub ganz erheblich angeheizt hatten.
  • Seit dem 6. Dezember gilt eine neue Sondersteuer von zehn Prozent auf Luxusgefährten, die mehr als umgerechnet 180 000 Euro kosten.
  • Die chinesische Regierung plant zudem eine feste Elektroauto-Quote. Sie versetzt die deutsche Autoindustrie in Alarmstimmung. Sie gilt für Autobauer, die jährlich mindestens 50 000 Autos in China absetzen: Diese Hersteller müssen bis 2018 acht Prozent sogenannter «Fahrzeuge mit neuer Antriebsform» verkaufen.

Deutsche hinken hinterher

Dazu gehören reine Elektroautos, Steckdosen-Hybride und konventionelle Hybridautos, die ihre Batterien über den Benzinmotor laden. Ab 2019 müssen es zehn Prozent sein, ab 2020 gar zwölf Prozent. Erfüllt ein Autobauer diese Quote nicht, soll er dazu verpflichtet werden, anderen Herstellern Punkte abzukaufen. Ziel der chinesischen Führung: Bis 2020 sollen mindestens fünf Millionen Elektrofahrzeuge auf Chinas Strassen rollen.

Die Bestimmungen betreffen zwar alle Hersteller. Doch bei der Elektromobilität sind die deutschen Autobauer ausgerechnet auf ihrem derzeit wichtigsten Absatzmarkt vergleichsweise schlecht aufgestellt. Die japanische Konkurrenz – allen voran Toyota – setzt bereits seit Jahren auf Antriebsformen mit Elektromotoren. Damit verfügt sie bereits über sehr viel Erfahrung.

Auch die chinesischen Autobauer sind sehr viel besser aufgestellt: Der Autobauer BYD – «Build Your Dreams» – ist sogar über die Batterietechnik gross geworden. Volkswagen, Audi, BMW und Daimler hingegen waren in diesem Bereich bislang eher zögerlich. Wozu auch? Ihre Fahrzeuge mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren verkaufen sich in China derzeit ja prächtig.

Nach aussen hin versuchen die Chefs der deutschen Hersteller ihren Ärger über die neue Regelung zu kaschieren. Daimler kurble sein Wachstum in China künftig mit seiner vor Ort produzierten neuen Marke EQ an, kündigte der für China zuständige Hubertus Troska an: «Wir wollen den Mercedes unter den Elektrofahrzeugen entwickeln.» Zugleich muss aber auch er zugeben, dass es noch keinen festen Zeitpunkt gibt, ab wann und mit welchem chinesischen Partner EQ-Modelle — einschliesslich der Batterien für den Elektromotor — gebaut werden.

Nicht besser sieht es bei Volkswagen aus. Von 30 Elektromodellen innerhalb der «nächsten fünf bis zehn Jahre» ist die Rede, neuerdings auch von 400 000 Fahrzeugen mit Elektro- oder Hybridmotoren ab 2020. Derzeit sind es aber nach eigenen Angaben gerade einmal «mehrere Hundert» – und allesamt importiert.

Hinter den Kulissen ist der Ärger über die angekündigte Regelung gross. In den China-Zentralen in Peking beklagen die Manager, die chinesische Verwaltung habe sie nicht ausreichend eingebunden. Immerhin habe die deutsche Autowirtschaft in China Hunderttausende von Arbeitsplätzen geschaffen. Ihr stehe daher ein Mitspracherecht zu.

Die Kritik prallt in China ab. Die Fakten lägen längst auf dem Tisch, sagt der chinesische Autoexperte Zhang Zhiyong. 100 Millionen Menschen litten in China unter der hohen Luftverschmutzung. Ihr habe die chinesische Führung bereits vor fünf Jahren den Kampf angesagt. Die Massnahmen seien nur noch nicht ausreichend umgesetzt. Zugleich produziert China einen Überschuss an alternativer Energie aus Sonne und Wind. Es mangelt jedoch an Abnehmern. Mit Batterien betriebene Autos wären die idealen Kandidaten, um diesen Strom zu verwenden.

Autokennzeichen werden verlost

In Peking etwa, dessen Strassen von mehr als sechs Millionen Autos verstopft sind, werden Kennzeichen für Neuzulassungen nur noch verlost. Die Chancen, eine dieser begehrten Lizenzen zu ergattern, liegen bei unter fünf Prozent. Wer hingegen ein Elektroauto kauft, muss nicht am Losverfahren teilnehmen.

Andere Grossstädte wollen diese Regelung ebenfalls einführen. Auf diese Entwicklung hätten die Deutschen bisher nicht ausreichend reagiert, kritisiert Zhang Zhiyong: «Die Autohersteller ruhen sich stattdessen auf den guten Verkaufszahlen in der chinesischen Provinz aus.»

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