Kader
Chefs wollen mit Lohnverzicht punkten

Um Solidarität zu demonstrieren, verzichten immer mehr Topmanager kriselnder Firmen auf einen Teil ihres Gehalts – oft aber nur in symbolischer Höhe. Der Sinn der Massnahme ist aber umstritten.

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Niklaus Mäder

Die Chefs von Kuoni wollen ein Zeichen setzen: Wegen der Krise in der Tourismusbranche verzichten die Geschäftsleitung von Kuoni Schweiz und die Konzernleitung der Kuoni-Gruppe dieses Jahr auf einen halben Monatslohn. Das Gleiche gilt für die Mitglieder des Verwaltungsrates. Dies berichtete der «Blick am Sonntag».

Willie Walsh, CEO British Airways Der Chef der Fluggesellschaft British Airways verzichtete auf seinen Juni- Lohn, erntete damit aber vor allem Spott und Hohn: Willie, der pro Jahr 735000 Pfund (knapp 1,3 Millionen Franken) verdient, hatte seine Mitarbeiter aufgefordert, es ihm gleichzutun und einen Monat ohne Gehalt zu arbeiten. Die Fluglinie baut in diesem Jahr 6500 der 41000 Stellen ab.

Willie Walsh, CEO British Airways Der Chef der Fluggesellschaft British Airways verzichtete auf seinen Juni- Lohn, erntete damit aber vor allem Spott und Hohn: Willie, der pro Jahr 735000 Pfund (knapp 1,3 Millionen Franken) verdient, hatte seine Mitarbeiter aufgefordert, es ihm gleichzutun und einen Monat ohne Gehalt zu arbeiten. Die Fluglinie baut in diesem Jahr 6500 der 41000 Stellen ab.

Keystone

Mit ihrer Massnahme steht die Spitze des Reiseveranstalters nicht allein da. Ganz im Gegenteil: In der Wirtschaftskrise erfreut es sich zunehmender Beliebtheit, dass Topmanager von angeschlagenen Unternehmen auf einen Teil des Lohns verzichten. So etwa zu beobachten beim Industriekonzern Georg Fischer oder den Fluggesellschaften Swiss oder British Airways (siehe Bildlegenden).

Hoffen auf Imagegewinn

Auf die Kosten der Unternehmen zeigt die Lohnreduktion aber nur eine bescheidene Wirkung. Dennoch bewertet Norbert Thom, Professor und Leiter des Instituts für Organisation und Personal an der Universität Bern, die Lohnverzichte positiv. «Sie sind ein Zeichen, dass sich die Topmanager für die Rechtfertigung ihrer Spitzenlöhne und für eine gerechte Entlöhnung sensibilisieren.» Die Chefs zeigten sich solidarisch mit dem Unternehmen und den von Sparprogrammen betroffenen Arbeitnehmern. Dies erhöhe die Motivation der Mitarbeiter. Auch dem Image eines Unternehmens würden Lohnverzichte helfen, so Thom.

Harry Hohmeister, CEO von Swiss Die Geschäftsleitung der Swiss verzichtet auf ein halbes Monatssalär. Wegen der geringen Buchungen läuft zurzeit ein Programm für erleichterte unbezahlte Ferien. Zudem wird der Flugplan ausgedünnt. Als Folge stehen zwei Airbus-Maschinen in Kloten still, im September wird ein dritter Jet parkiert. Entlassungen und Kurzarbeit sind aber momentan kein Thema.

Harry Hohmeister, CEO von Swiss Die Geschäftsleitung der Swiss verzichtet auf ein halbes Monatssalär. Wegen der geringen Buchungen läuft zurzeit ein Programm für erleichterte unbezahlte Ferien. Zudem wird der Flugplan ausgedünnt. Als Folge stehen zwei Airbus-Maschinen in Kloten still, im September wird ein dritter Jet parkiert. Entlassungen und Kurzarbeit sind aber momentan kein Thema.

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Kritisch äussert sich hingegen Headhunter Guido Schilling: «Die Lohnverzichte sind eine erste Reaktion auf eine ungesunde Entwicklung. Sie können aber nicht die Lösung sein.» Nach seiner Einschätzung gehört die Managemententlöhnung vielmehr grundsätzlich überdacht. «Der variable Lohnanteil muss kleiner werden und die erfolgsabhängige Komponente langfristiger ausgerichtet werden», fordert Schilling. Nur so lasse sich verhindern, dass die Boni langfristig zu immer höheren Fixlöhnen führten.

Mittelfristig würden sich die Topgehälter nach unten bewegen, erwartet der Headhunter. Gegenwärtig spüre er bei der Kadervermittlung davon aber noch nichts. Gesucht würden zurzeit mit Restrukturierungen erfahrene Manager und diese seien rar.

Gerold Bührer, Verwaltungsrat bei Georg Fischer Bei Georg Fischer verzichten der Konzernchef und die Mitglieder des Verwaltungsrates auf 20 Prozent des Fixgehaltes. Zudem nehmen die 250 obersten Kadermitarbeiter eine Kürzung von 10 Prozent in Kauf. Ende Mai hatte der Industriekonzern bekannt gegeben, weltweit 2300 Stellen zu streichen, davon verschwinden 575 Arbeitsplätze in der Schweiz.

Gerold Bührer, Verwaltungsrat bei Georg Fischer Bei Georg Fischer verzichten der Konzernchef und die Mitglieder des Verwaltungsrates auf 20 Prozent des Fixgehaltes. Zudem nehmen die 250 obersten Kadermitarbeiter eine Kürzung von 10 Prozent in Kauf. Ende Mai hatte der Industriekonzern bekannt gegeben, weltweit 2300 Stellen zu streichen, davon verschwinden 575 Arbeitsplätze in der Schweiz.

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ABB: Senkung der Fixlöhne als Option

Längst nicht alle Unternehmen sind auf den Trend der Lohnverzichte aufgesprungen: Der ABB-Konzern etwa setzt zurzeit ein Kostenprogramm über zwei Milliarden Dollar um. Freiwillige Lohnverzichte des Topkaders sind aber nicht vorgesehen, obwohl ABB-Konzernchef Joe Hogan wegen seines letztjährigen Lohnbezugs in die Kritik geriet. Er erhielt für vier Monate Arbeit 6 Millionen Franken, hinzu kam ein Begrüssungsgeld von 13 Millionen Franken.

Henning Boysen, Verwaltungsratspräsident Kuoni Beim Reiseveranstalter verzichtet die Geschäftsleitung von Kuoni Schweiz, die Konzernleitung der Kuoni-Gruppe und der Kuoni-Verwaltungsrat auf einen halben Monatslohn. Den gleichen Schritt sollen 200 Kadermitarbeiter von Kuoni Schweiz machen, so der Wunsch des Unternehmens. Kuoni wird in den nächsten drei Jahren 300 bis 400 Arbeitsplätze streichen.

Henning Boysen, Verwaltungsratspräsident Kuoni Beim Reiseveranstalter verzichtet die Geschäftsleitung von Kuoni Schweiz, die Konzernleitung der Kuoni-Gruppe und der Kuoni-Verwaltungsrat auf einen halben Monatslohn. Den gleichen Schritt sollen 200 Kadermitarbeiter von Kuoni Schweiz machen, so der Wunsch des Unternehmens. Kuoni wird in den nächsten drei Jahren 300 bis 400 Arbeitsplätze streichen.

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ABB habe jedoch die Zielgrössen für die Auszahlung von Boni sehr anspruchsvoll gesetzt, sagt Pressechef Wolfram Eberhardt. Zudem nehme der Konzern keine Entlassungen im grossen Stil vor. Sollte sich die Lage deutlich verschlechtern, bleibe die Kürzung der Fixlöhne der Manager eine Option.

Eine radikale Lösung, um den Lohn der Geschäftsleitung zu senken, wählte demgegenüber der Lysser Autozulieferer Feintool. Nach dem kurzfristigen Abgang von CEO Joachim Kaufmann per 1. April übernahm der Verwaltungsratspräsident Alexander von Witzleben dessen Aufgaben. Als Folge des Sparprogramms will Feintool die Stelle des Geschäftsführers erst neu besetzen, wenn die Geschäfte wieder besser laufen.

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