Schweizer Banken

Chef der Bankiervereinigung über Engagement in der Coronakrise: «Diese Aktion liegt in unserem ureigensten Interesse»

Der CEO der Bankiervereinigung: Jörg Gasser.

Der CEO der Bankiervereinigung: Jörg Gasser.

Jörg Gasser, CEO der Bankiervereinigung, über die Rolle der Schweizer Banken im 20 Milliarden Franken schweren Rettungsprogramm.

Firmen kommen innert 30 Minuten zum Geld», so hatte es Finanzminister Ueli Maurer versprochen, als er das 20 Milliarden Franken schwere Liquiditätspaket bekannt gab. Es war eher ein salopper Spruch. Doch, wie Jörg Gasser, CEO der Bankiervereinigung, sagt: «Die meisten Banken haben den Bundesrat beim Wort genommen.»

Diesen Eindruck hatte Gasser zumindest, als er gestern Morgen um 10  Uhr an einer Telefonkonferenz teilnahm mit Banken und Behörden. Zu dieser frühen Tageszeit waren Hunderte von Krediten gesprochen worden. So berichtet es Gasser im Gespräch mit CH Media. Es war also nicht so, dass die Gesuche eingegangen und in Prüfung wären. Die Betriebe hatten ihr Geld. Werden bei so viel Tempo die Kreditbegehren überhaupt sorgfältig geprüft?

Gasser präzisiert: Die 30 Minuten würden nur gelten für Betriebe, die bereits Kunden waren. Diese kennen die Banken bereits gut, bei ihnen müsse man nicht mehr so genau hinschauen. Bei Neukunden wolle man die Kreditgesuche in einem Tag beurteilt haben. Generell gelte: «Das Tempo hat oberste Priorität bei Krediten bis zu 500000 Franken.» Die Betriebe sollen möglichst rasch zu Liquidität kommen.

Es war gestern zu früh, um eine Bilanz des 20-Milliarden-Programms zu ziehen. Gasser sagt darum: es sei angesichts des Andrangs durchaus möglich, dass es da und dort Verzögerungen gegeben habe. Doch hätten die Banken ihr Möglichstes getan. Die Zürcher Kantonalbank etwa stellte 100 Mitarbeiter ab, die UBS sprach von bis zu 300.

Aus einer Hilfsaktion keinen Gewinn schlagen

Verdienen die Banken an der Aktion? Gasser: «Nein, es ist selbstverständlich nicht die Idee, aus einer Hilfsaktion einen Gewinn zu schlagen.» So würden die Banken keine Entschädigung erhalten dafür, dass sie Mitarbeiter und Infrastruktur zur Verfügung stellen. Der Zins für Kredite unter 500000 Franken wurde auf Null gestellt. Die Grossbanken UBS und Credit Suisse haben erklärt, allfällige Gewinne spenden zu wollen. Sollten andere ihrem Beispiel folgen? «Ich bin überzeugt, dass alle Banken die gleiche Grundhaltung haben: Dass man ganz bestimmt kein Geschäft machen will.»

Allerdings handelten die Banken nicht völlig selbstlos, so Gasser. «Die Aktion liegt in ihrem ureigensten Interesse: je solider die reale Wirtschaft, desto solider die Banken.» So gehe es etwa darum, langjährige Beziehungen zu KMU aufrechtzuerhalten. Im Unterschied zu den meisten früheren Krisen geht die Coronavirus-Krise nicht vom Bankensektor aus. Ist Gasser darüber erleichtert? «Wir sind froh, dass wir einen bescheidenen Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten können.» Von Erleichterung wolle er hingegen nicht sprechen. «Wir üben nur eine der Funktionen aus, für die Banken da sind: die Realwirtschaft mit Krediten versorgen.» Und schliesslich stehe man erst am Anfang dieser Krise. Gasser: «Man muss erst sehen, ob weitere Instrumente nötig sein werden, um die KMU zu unterstützen.»

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