Corona-Virus

Börsen-Experte: «Ich rate derzeit ab, aggressiv Positionen aufzubauen»

Nach einem «roten» Montag ist die Schweizer Börse am Dienstag wieder deutlich freundlicher gestartet.

Nach einem «roten» Montag ist die Schweizer Börse am Dienstag wieder deutlich freundlicher gestartet.

Anlagestratege Cédric Spahr von der Bank Sarasin sagt, dass die Aktienmärkte den Boden noch nicht erreicht haben. Bei einem Einstieg sei Vorsicht geboten. Es gibt aber durchaus auch gute Kaufgelegenheiten.

Wie soll ich mich als Kleinanleger nun verhalten? Alles verkaufen?

Cédric Spahr: Wir haben nun drei Wochen mit fallenden Kursen erlebt. Die Aktien haben sich damit verbilligt. Um Aktien zu verkaufen, ist es nun zu spät. Man muss aber beachten, dass die Bewertung der Aktienmärkte Mitte Februar sehr hoch war und die Aktien auch jetzt noch hoch bewertet sind. Zwar ist alles etwas günstiger, ich rate derzeit aber davon ab, aggressiv Positionen aufzubauen.

Weshalb nicht? Die Börsen erholen sich ja wieder leicht.

Wir gehen davon aus, dass es bis Ende März/Anfang April zusätzliche schlechte Nachrichten geben dürfte, welche die Märkte bewegen werden. Die Situation in Italien ist besorgniserregend, zudem ist es unklar, wie sich die Lage im restlichen Europa und in den USA entwickelt. Die Gesundheitsbehörden haben auch dort relativ spät reagiert. Aufgrund der Unsicherheit sind die Aktienmärkte deshalb sehr volatil. Negative Nachrichten können zu hohen Abschlägen führen.

Was könnte die Märkte beruhigen?

In Asien hat sich die Situation bereits etwas beruhigt. Die Zahl der Neuinfizierten in China ist ja stark zurückgegangen. Diese positive Entwicklung zeigt sich auch an den steigenden Aktienkursen. Wir gehen auch davon aus, dass die im Raum stehenden Massnahmen des US-Präsidenten etwas beruhigen werden. Er will ja mit Steuererleichterungen und vergünstigten Krediten für Kleinunternehmen die Wirtschaft stützen.

Und auch die Notenbanken werden wohl reagieren.

Ja, wir rechnen damit, dass die Notenbanken die Zinsen weiter senken werden und zudem auch mit anderen geldpolitischen Massnahmen die Konjunktur am Laufen zu halten versuchen werden.

Wie ist Ihre kurzfristige Prognose für die Börsen?

Ich denke, dass sich bis Anfang April gute Gelegenheiten ergeben werden, um taktisch zuzukaufen. Wir haben jedoch auch dann noch eine hohe Zahl an Unbekannten. Etwa, wie die Massnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus auf die Wirtschaft durchschlagen. In verschiedenen Weltregionen könnte es zu einer Rezession kommen.

Von welchen Aktien sollte man zwingend die Finger lassen?

Das Umfeld für Einzeltitel bleibt sicherlich schwierig. Die Uhrenindustrie beispielsweise wird die Folgen vom Corona-Virus im Exportgeschäft nach Asien noch mehrere Monate spüren. Auch die Titel der Grossbanken sind meines Erachtens nicht sehr attraktiv.

Und wo gibt es Chancen?

Im Gesundheitssektor gibt es sicherlich interessante Titel. Für Medikamentenhersteller oder auch die Feinchemie wie beispielsweise Lonza ist die Corona-Krise wenig einschneidend. Auch defensive Werte wie Nestlé oder Lindt&Sprüngli sind zwar nach wie vor nicht supergünstig, aber wieder attraktiver geworden. Zentral für den Kauf einer Aktie eines Unternehmens ist, dass das Wachstumsprofil stimmt.

Was ist mit Gold? Ist das eine Alternative?

Eine Alternative sicherlich nicht, aber eine gute Ergänzung. Wir haben aber gesehen, dass Gold auch gleichzeitig mit den Aktienkursen fallen kann. Deshalb ist auch hier Vorsicht geboten. Wenn aber die Notenbanken mit Zinssenkungen einschreiten und zusätzlich Liquidität in die Märkte pumpen, dann dürfte der Goldpreis ansteigen.

Was heisst das für den Schweizer Franken?

Der Euro hat sich zum Franken nicht sehr stark bewegt. Das hängt sicherlich auch mit der Nationalbank zusammen, die ein Auge auf den Kurs hat. Der Euro hat gegenüber Dollar und Pfund in den letzten Wochen stark aufgewertet, was Druck vom Euro-Franken Wechselkurs genommen hat. Wir erwarten im Verlaufe des Jahres aber schon eine Aufwertung des Frankens. Stärker ist die Bewegung vom Dollar zum Franken ausgefallen. Mit der Zinssenkung in den USA wurde der Zinsvorteil auf dem Dollar gegenüber dem Franken ausgehöhlt und der Dollar hat gegenüber unserer Währung an Wert eingebüsst.

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