Finanzplatz

Banken sitzen noch auf 200 Milliarden Franken ausländischem Schwarzgeld

Rund 200 Milliarden Franken Schwarzgeld lagern auf Schweizer Banken. 2008 waren es noch 800 Milliarden.

Rund 200 Milliarden Franken Schwarzgeld lagern auf Schweizer Banken. 2008 waren es noch 800 Milliarden.

Rund ein Viertel der einst hier parkierten unversteuerten Gelder sind noch nicht offengelegt. Ein wesentlicher Teil davon stammt aus Frankreich und Italien. Auch aus den USA dürften noch happige Forderungen an die Schweizer Geldinstitute eintreffen.

Das Bankgeheimnis inklusive Steuerhinterziehung ist Geschichte. Der Steuerstreit mit europäischen Staaten und den USA sowie die Auswirkungen der Finanzkrise führten zu einem Abfluss von verwalteten Vermögen und einer Margenerosion. Damit verbunden sind Verluste von Arbeitsplätzen sowie eine Konsolidierung der Branche. Rund ein Drittel aller Banken verschwinde, prophezeite Zeno Staub, Chef der Zürcher Privatbank Vontobel, vor einem Jahr.

800 Milliarden Schwarzgeld

Das Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PWC) hat untersucht, wie sich Private Banking in der Schweiz seit 2006 effektiv entwickelt hat. Die Summe der aktuell noch unversteuerten Vermögenswerte aus dem Ausland schätzen die Bankenexperten von PWC in einer aktuellen Studie auf 200 Milliarden Franken.

2008 seien es 800 Milliarden gewesen. Drei Viertel dieser Gelder sind also von deren Besitzern entweder bei ihrem Fiskus offengelegt oder aus der Schweiz abgezogen worden.

Thomas Sutter, Sprecher der Bankiervereinigung, kommentiert die Zahlen nicht, bestätigt aber deren Trend: «Das unterstreicht, dass es dem Schweizer Finanzplatz ernst ist, die Weissgeldstrategie auch umzusetzen.» Dafür brauche es aber Länder wie Deutschland, die ihren Bürgern ein «vernünftiges Offenlegungsprogramm» anbieten.

Ein rechter Teil der noch unversteuerten Gelder dürfte aus Frankreich und Italien stammen. Frankreich hat erst vor rund einem Jahr ein Programm zur Regularisierung unversteuerter Gelder in der Schweiz aufgelegt.

Mit Italien verhandelt die Schweiz über ein solches Abkommen. Deutschland räumte seinen Bürgern bereits seit längerem die Möglichkeit ein, eine Selbstanzeige einzureichen.

Seit 2010 dürften dies über 80 000 Deutsche gemacht haben. Allein 22 500 waren es zwischen Januar und Juni in diesem Jahr. Und dennoch geht Autor der PWC-Studie Martin Schilling davon aus, dass noch immer unversteuertes deutsches Geld bei Schweizer Banken parkiert ist.

Nicht ausgestanden ist auch der Steuerstreit mit den USA. Die in der PWC-Studie untersuchten 86 Geldhäuser – die beiden Grossbanken zählen nicht dazu – hätten bisher nur geringe Rückstellungen gebildet für die Bussenzahlung wegen der Betreuung von Steuersündern mit US-Bezug.

Damit liessen sich die zu erwartenden Bussen nicht finanzieren. Das heisst: Die Eigenkapitalien vieler der untersuchten Banken werden schrumpfen. Allerdings werde kein Geldhaus allein wegen dieser Bussenzahlung untergehen, sagt Schilling.

Der Steuerstreit liess die verwalteten Vermögen in der Schweiz schrumpfen. 2008 deponierten ausländische Privatkunden 1200 Milliarden Franken bei hiesigen Banken, davon 100 Milliarden in bar. Seither hätten sie 350 Milliarden abgezogen. 100 Milliarden Franken davon seien für Strafzahlungen und Nachsteuern aufgewendet worden, die Steuersünder berappen mussten.

Diese Abflüsse, sagt Schilling, seien also «deutlich geringer» ausgefallen, als bisher angenommen worden sei.

Jede sechste Bank schreibt Verlust

Die PWC-Studie zeigt zudem: Mit dem Vermögensabfluss einher gingen happige Margenverluste. 2007 erwirtschafteten die untersuchten Finanzinstitute noch eine Bruttomarge von 1,21 Prozent oder 121 Basispunkten. 2013 waren es noch 99 Basispunkte (0,99 Prozent).

Der Margeneinbruch hat zur Folge, dass mittlerweile jedes sechste im Private Banking tätige Geldhaus einen operativen Verlust erleidet. Das gilt laut Schilling mehrheitlich für kleine Banken.

Margen werden wieder steigen

Das traf die Mitarbeiter. Zum einen sanken deren Löhne. Zum anderen bauten Geldhäuser rund 5000 Arbeitsplätze in der Vermögensverwaltung ab. Das entspreche rund fünf Prozent aller Stellen. Der Abbau werde weitergehen, aber nicht mehr im gleichen Umfang, prognostizierte Schilling. Auch wenn, wie er sagt, von den heute existierendenden 150 Banken rund 30 bis 40 verschwinden werden.

Also deutlich weniger als ein Drittel, wie Vontobel-Chef Staub schätzte. Treffen werde es vorwiegend Banken, die weniger als zwei Milliarden Franken verwalteten. Es wird laut Schilling in Zukunft also «weniger, aber dafür stärkere Banken» geben, die hierzulande im Vermögensverwaltungsgeschäft tätig sind. Denn er ist überzeugt, dass die überlebenden Institute mittelfristig jährlich Neugelder in der Höhe von fünf Prozent der verwalteten Vermögen anziehen können.

Obendrein erholten sich die Margen wieder, wenn die Konjunktur anzieht – dank steigender Zinsen und einem erhöhten Risikoappetit der Kundschaft.

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