Strukturwandel
Banken bauen in der Schweiz Stellen ab – und suchen im Ausland neue Mitarbeiter

Die Schweizer Banken bauen im Inland Stellen ab – im ersten Halbjahr strichen von der Bankiervereinigung befragte Geldhäuser in der Schweiz deren 3450. Der Strukturwandel beschleunigt sich.

Roman Seiler
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Banker auf dem Weg zur Arbeit am Zürcher Paradeplatz. Ihre Branche befindet sich im Umbruch.

Banker auf dem Weg zur Arbeit am Zürcher Paradeplatz. Ihre Branche befindet sich im Umbruch.

Keystone/Ennio Leanza

In zwei Wochen übergibt Patrick Odier das Präsidium der Bankiervereinigung an Herbert Scheidt, den Verwaltungsratspräsidenten der Bank Vontobel. Odier ist Teilhaber der Genfer Privatbank Lombard Odier. Deren Gewinn sank im ersten Halbjahr um 13 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. Besser lief es bei Scheidts Geldhaus. Es steigerte den Gewinn. Doch auch bei Vontobel sank die Bruttomarge auf den verwalteten Vermögen.

Jede fünfte Bank gab auf

Der Stabwechsel erfolgt also in einem für die Banken «herausfordernden Umfeld», wie der Branchenverband schreibt. Das ist sehr vorsichtig ausgedrückt, wie die gestern präsentierten Zahlen über den Geschäftsgang der Schweizer Geldhäuser belegen. 2015 erlitten gemäss dem jährlich veröffentlichten «Bankenbarometer» 38 von 266 Finanzinstituten einen Verlust von kumuliert 3,8 Milliarden Franken.

Das ist ein Grund, warum es weniger Geldhäuser gibt. Innert zehn Jahren sind 65 Banken verschwunden. Der Strukturwandel beschleunige sich, sagt Martin Hess, Leiter Wirtschaftspolitik der Bankiervereinigung. Die Stichworte dazu lauten: Steigende Regulierungskosten, sinkende Margen, preissensible Kunden, Tiefzinsphase, Digitalisierung sowie ein «getrübter wirtschaftlicher Ausblick in der EU und in Asien». Das hört sich wie ein perfekter Sturm an. Dessen Auswirkungen sind:

Der Geschäftserfolg erhöhte sich zwar gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent auf 64,6 Milliarden Franken. Gravierend ist aber: Seit 2007 schrumpfen die Erträge ausgerechnet in der Königsdisziplin des Schweizer Bankings, dem Vermögensverwaltungsgeschäft. Der Rückgang des sogenannten Kommissions- und Dienstleistungsgeschäfts summiert sich seither auf 40 Prozent. Besser läuft es – trotz Negativzinsen – im Zinsgeschäft. Dessen Erfolg ist mit 24,8 Milliarden Franken mittlerweile höher als derjenige im Vermögensverwaltungsgeschäft.

Der Personalaufwand erhöhte sich 2015 trotz eines Abbaus von 1000 Stellen um 4,4, der Sachaufwand gar um 20,8 Prozent. Grund dafür sind neben steigenden Regulierungskosten massive Investitionen in die IT, um die Digitalisierung voranzutreiben. Daher nahm der Bruttogewinn ab. Massgeblich beeinflusst hätten dies vor allem die Grossbanken, deren Geschäftsaufwand stark gestiegen sei.

Der Reingewinn aller Banken hatte sich 2015 mehr als verdoppelt und belief sich auf 15,8 Milliarden. Darin inbegriffen seien jedoch «hohe ausserordentliche Erträge aufgrund eines konzerninternen Beteiligungsverkaufs» von 10,7 Milliarden der UBS. Rechnet man diesen Betrag heraus, fällt der kumulierte Reingewinn tiefer aus als im Vorjahr. Hess sagt daher: «In Zukunft muss an der Rentabilität gearbeitet werden.»

Ein Mittel dazu ist die Digitalisierung. Heute führen Banken 70 Prozent aller Arbeitsschritte selbst aus. Wer da stehen bleibe, bekomme Rentabilitätsprobleme, sagt Hess. Innovative IT-Lösungen ermöglichten, einen viel grösseren Anteil der Bankabläufe kostengünstiger extern auszuführen. Das hat zur Folge, dass Banken weniger Personal beschäftigen. Offen sei, so Hess, ob Finanzinstitute in Zukunft neue Jobs anbieten werden, oder ob sie bei anderen, im IT-Bereich tätigen Firmen entstehen, sogenannten Fintech-Anbietern.

3450 Stellen weniger im Inland

Fakt ist: Im ersten Halbjahr bauten von der Bankiervereinigung befragte Geldhäuser in der Schweiz 3450 Stellen ab. Das entspricht einem Rückgang von 4,1 Prozent. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich im Bankensektor um 0,2 Prozent auf 2,7 Prozent. Sie liege damit unter dem gesamtschweizerischen Durchschnitt von 3,1 Prozent, wie die Bankiervereinigung betont.

Aufgrund der Umfrage könne man davon ausgehen, dass der von Banken für dieses Jahr geplante Abbau in Inland weitgehend erfolgt sei. Im Ausland hingegen erhöhte sich die Zahl der Mitarbeitenden der Schweizer Banken um 6700. Das sei ein «Warnsignal» für die Branche, sagt Hess.

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