Kommentar

Bakterien im Frischkäse oder unsichere Kletterausrüstung: Unternehmen und Behörden sind gefordert

Gabriela Jordan

Gabriela Jordan

Wertschöpfungsketten sind heute immer komplexer, die Vielfalt der Produkte höher. Hersteller und Verkäufer sind deshalb noch stärker gefordert, ihr Sortiment seriös und effizient zu kontrollieren.

Bakterien im Frischkäse, unsichere Kletterausrüstung oder defekte Airbags in Fahrzeugen: Kaum eine Woche vergeht, ohne dass ein Produkt von seinem Hersteller oder Verkäufer zurückgerufen wird. Das ist grundsätzlich etwas Gutes. Konsumentinnen und Konsumenten werden so auf verschiedenen Kanälen vor den Gefahren gewarnt.

Aufgrund höherer Qualitätsstandards ist die Anzahl Rückrufe in der Schweiz im letzten Jahrzehnt deutlich gestiegen. Das ist die eine Seite. Ein möglicher Grund für die Zunahme ist aber auch, dass Produkte teilweise unsicherer geworden sind. Wegen der Globalisierung sind Wertschöpfungsketten heute immer komplexer, die Vielfalt der Produkte höher und die Zeit bis zur Markteinführung kürzer.

Hersteller und Verkäufer sind deshalb noch stärker gefordert, ihr Sortiment seriös und effizient zu kontrollieren. Von Gesetzes wegen sind sie dazu sowieso verpflichtet. Wie streng die Qualitätskontrollen durchgeführt werden, variiert allerdings von Branche zu Branche und von Unternehmen zu Unternehmen. Idealerweise sollten die Kontrollen zudem schon vor der Markteinführung eines Produkts stattfinden. Dies umso mehr, weil zu viele Rückrufe kontraproduktiv sein können: Je häufiger die Meldungen, desto geringer deren Beachtung.

Gefordert sind aber auch die Behörden. Dass sie den Unternehmen die Freiheit lassen, Produkte in Eigenregie zurückzurufen, ist zwar richtig – so geht keine wertvolle Zeit verloren. Die zuständigen Ämter müssen aber selber schneller reagieren. Bis sie auf ihren Kanälen wie Twitter eine Warnung publizieren, dauert es durchschnittlich drei Tage. Das ist zu lange. Das Joghurt mit Glassplittern ist dann vielleicht schon im Magen.

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Gabriela Jordan

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