AVIATIK-MISERE
Rückschlag für Swiss-Crew: Stiftung will auf Hilferuf der Piloten nicht reagieren

Nach der Kündigung des Gesamtarbeitsvertrags durch die Airline, bangt die Cockpit-Crew um ihre Zukunft. Sie hoffte auf Rückendeckung der Schweizer Luftfahrtstiftung. Doch daraus wird wohl nichts.

Benjamin Weinmann
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Die Mehrheit der Swiss-Flugzeuge steht nach wie vor still.

Die Mehrheit der Swiss-Flugzeuge steht nach wie vor still.

Keystone

Die Cockpit-Crew der Fluggesellschaft Swiss befindet sich in einer schwierigen Situation. Nach monatelangen Verhandlungen hat die Airline ihren Gesamtarbeitsvertrag per 2022 gekündigt. Im Interview mit CH Media kritisierte Kilian Kraus, Präsident des Pilotenverbands Aeropers, kürzlich den Entscheid scharf. Dieser sei «unvernünftig» und komme «zum ungünstigsten Zeitpunkt».

Kilian Kraus, Präsident des Piloten-Verbands Aeropers.

Kilian Kraus, Präsident des Piloten-Verbands Aeropers.

Severin Bigler

Kraus erhofft sich Hilfe von der Schweizer Luftfahrtstiftung. Sie solle der Swiss empfehlen, mit den Piloten nochmals an den Verhandlungstisch zu sitzen. Denn: «Sie wurde schliesslich von der Politik geschaffen, die Einhaltung des Kreditvertrags zu überwachen.» Der Standort Schweiz dürfe vom Lufthansa-Konzern, zu welchem die Swiss gehört, nicht über Gebühr belastet werden. Genau dies bahne sich nun aber an. «Die Forderungen der Swiss sind eine gravierende Ungleichbehandlung», sagt Kraus.

Renommierte Stiftungsmitglieder

Doch die Piloten müssen ihre Hoffnung wohl begraben. Auf Anfrage will sich die Schweizer Luftfahrtstiftung, die nicht einmal über eine Webseite mit Kontaktangaben verfügt, zum Thema nicht äussern. Doch CH Media weiss: Die Verantwortlichen der Stiftung fühlen sich vom Hilferuf der Cockpit-Crew nicht angesprochen. Denn bei der Formulierung des Kreditvertrages pochte der Bund bloss auf sozialverträgliche Lösungen im Falle eines Stellenabbaus – und soweit ist es noch nicht gekommen. Dass der GAV gekündigt wurde, erachtet die Stiftung als internen, unternehmerischen Entscheid.

Die Stiftung, die seit Anfang Jahr existiert, hat den Auftrag des Bundesrates, die Einhaltung der Auflagen zur finanziellen Unterstützung der Swiss und ihrer Schwesterairline Edelweiss zu überwachen. Denn der Staat bürgt für Hilfskredite in der Höhe von 1,3 Milliarden Franken.

Präsidiert wird die schweigsame Stiftung von der ehemaligen Bündner Nationalrätin Brigitta Gadient, die seit Anfang Jahr auch Schweiz Tourismus vorsteht. Weitere Vertreter des Bundes sind Ex-ETH-Zürich-Präsident Lino Guzzella sowie Peter Müller, ehemaliger Direktor des Bundesamtes für Zivilluftfahrt. Ebenfalls im Gremium sitzen Ex-Swiss-Chef Thomas Klühr und der Schweizer Lufthansa-Manager Antonio Schulthess. Die Stiftung tagt vier Mal pro Jahr.