Die mit technischer Unterstützung kommunizierende Nutzer setzten auf Twitter 200 bis 1000 Nachrichten pro Tag ab, wie Stefan Gürtler, Professor am Institute for Competitiveness and Communication an der Fachhochschule Nordwestschweiz, in einem Interview mit der "Nordwestschweiz" vom Freitag erklärte. Zum Teil hätten die Cyborgs in einer Zehntelsekunde Nachrichten beantwortet oder weiterverbreitet. Kein Mensch könne so schnell tippen.

Die Reichweite der "No Billag"-Kommunikation auf Twitter entsprach laut dem Forscher ungefähr jener einer überregionalen Tageszeitung. Die Hochschule untersuchte knapp 200'000 Wortmeldungen von 26'000 Accounts in den acht Wochen vor der Abstimmung. Bei einem Prozent der Nutzer-Konten stellten die Forscher demnach Manipulationen fest.

Gefahr einer Schweigespirale

Gürtler rechnet wegen Cyborgs mit ernsthaften Auswirkungen auf den politischen Diskurs. Wenn die manipulativen Aktivitäten im Netz zunehmen würden, bestehe die Gefahr einer Schweigespirale. Dies bedeute, dass Leute, deren Meinung von der lautstark und manipulativ geäusserten Meinung abweiche, sich nicht mehr zu Wort melden würden, weil sie glaubten, in der Minderheit zu sein.

In der Schweiz informierten sich die meisten Leute aber aus verschiedenen Quellen, relativierte Gürtler. Sie seien darum nicht so leicht zu manipulieren.

Der Abstimmungskampf um die No-Billag-Volksinitiative zur Abschaffung der Radio- und TV-Gebühren war ungewöhnlich heftig. Die Kampagne dafür rollte bereits sechs Monate vor der Abstimmung an. Die Vorlage wurde schliesslich vom Volk am 4. März mit 71,6 Prozent Nein-Stimmen verworfen.