Export-Industrie
Artemis-Chef Michael Pieper: «Es wird zu einem Blutbad kommen»

Zu Michael Piepers Industrie- und Finanzbeteiligungsgruppe Artemis gehören unter anderem der Küchenhersteller Franke und Industriegruppe Feintool. Der Milliardär spricht über die Auswirkungen des starken Frankens auf die Schweizer Wirtschaft.

Andreas Schaffner
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Milliardär Michael Pieper rechnet mit grossen Einschnitten wegen des starken Frankens.

Milliardär Michael Pieper rechnet mit grossen Einschnitten wegen des starken Frankens.

Keystone

Herr Pieper, die Schweizer Export-Industrie leidet unter dem Frankenkurs. Gestern kündete die Zehnder-Gruppe einen Abbau von 10 Prozent der Stellen ab. Auch in der Schweiz. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Michael Pieper: Wir beschäftigen alleine bei Franke rund 1000 Leute in der Schweiz. Und wir produzieren in der Schweiz. Unsere neuste Kaffeemaschine wird von Hand in der Schweiz gebaut. Unter anderem sind wir auch an Schweizer Unternehmen wie AFG beteiligt, das sehr stark unter dem Franken leidet. In allen Firmen, in welchen wir in der Schweiz produzieren, oder wo die Kosten hoch sind, brechen die Margen ein und unsere Konkurrenten, die im Ausland produzieren, sind massiv im Vorteil.

Das heisst?

Artemis-Gruppe: Erfolgreiches 2014

Zu Michael Piepers Industrie- und Finanzbeteiligungsgruppe Artemis gehören der Küchenhersteller Franke aus Aarburg AG und die Industriegruppe Feintool in Lyss BE. Daneben kontrolliert Pieper, dessen Vermögen auf drei Milliarden Franken geschätzt wird, über Artemis einen grossen Immobilienbesitz sowie die Beteiligungen an Forbo, Arbonia Forster, Autoneum, Adval Tech, Rieter sowie Novelteak. Die Artemis-Gruppe erzielte 2014 einen Umsatz von 2,67 Milliarden Franken. Gegenüber dem Vorjahr ist das eine Steigerung um 3,6 Prozent. Der Betriebsgewinn (Ebit) hat sich sogar um einen Viertel auf 161,9 Millionen Franken erhöht, wie gestern bekannt wurde. Der Gewinn nach Steuern jedoch verringerte sich im Vorjahresvergleich um 4,5 Prozent auf 178 Millionen Franken. Im ersten Quartal 2015 machte der Gruppe jedoch die Frankenaufwertung zu schaffen. Der Umsatz ist um 12,3 Prozent gesunken. (SDA/ASC)

Haben Sie konkrete Abbaupläne in der Schweiz?

Wir haben schon im letzten Jahr die Kosten gesenkt und in der ganzen Artemis-Gruppe 327 – also 2,9 Prozent – Stellen reduziert. Bei Franke haben wir bis jetzt die Arbeitszeit erhöht, einen Einstellungsstopp beschlossen und bezahlen unsere Lieferanten in Euro.

Kommt jetzt der Stellenabbau?

Wir versuchen den ganzen Prozess in erster Linie über die natürliche Fluktuation, Frühpensionierungen, interne Wechsel und nicht über grossflächige Entlassungen zu lösen. Natürlich müssen wir die Effizienz in der Produktion und Administration noch weiter verbessern. Daran arbeiten wir ständig.

Franke wollten Sie im letzten Jahr wieder zurück zu mehr Wachstum führen. Doch nun ist die Marge dahin. Wie geht es weiter?

Tatsächlich findet sich unser wichtigster Kunde, der McDonald’s-Konzern, in einem grossen Umbauprozess. Das bekommen wir vor allem in Amerika und Asien zu spüren. Wir sind insgesamt weiterhin auf Wachstum eingestellt. Ob wir die angepeilten vier Milliarden Umsatz erreichen, ist nicht allein entscheidend. Aufgrund der starken Bilanz können wir auch an Akquisitionen denken.

Keine guten Aussichten für einen der grossen Arbeitgeber in der Nordwestschweiz?

Man muss klar sehen: Es wird eng. Bleibt der Eurokurs so wie jetzt, kommt es in der gesamten Schweizer Exportwirtschaft zu einem Blutbad.

Haben Sie das dem Nationalbankpräsidenten Thomas Jordan gesagt?

ein. Ich kenne Thomas Jordan nicht persönlich.

Wie beschäftigt Sie dies persönlich?

Die Schweiz beschäftigt mich enorm. Neben dem Frankenkurs haben wir ja andere Probleme. Man denke nur an die Banken, die immer mehr Bussen bezahlen müssen, oder jüngst an den Fifa-Skandal.

Sie glauben also, der Fifa-Skandal ist noch nicht ausgestanden?

Nein, überhaupt nicht. Aber auch bei den Banken rechne ich noch mit weiteren negativen Schlagzeilen.

Ein grosses Thema war ihr Einstieg als Grossaktionär bei Arbonia Forster (AFG) im letzten Jahr. Nun haben sie erneut aufgestockt. Haben Sie sich das einfacher vorgestellt?

Nein. Es ist eine ähnliche Situation wie bei Forbo vor 10 Jahren: Auch das eine Firma, mit hervorragenden Produkten und einer guten Marke. Wir sind jetzt daran, die nötigen Massnahmen einzuleiten. Der Prozess ist im vollen Gang.

Wann sind Entscheide zu erwarten?

Spätestens Mitte August wollen wir so weit sein.

Ein Problem ist die Kapitalausstattung aufgrund der Goodwill-Position in der Bilanz. Kommt es zu einer Kapitalerhöhung?

Das Kapital könnte auch ein Thema sein. Ich betone jedoch: Wir sehen mittelfristig ein gutes Potenzial bei der AFG.

Würden Sie bei einer Kapitalerhöhung mitmachen?

Das wäre denkbar.

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