Arbeitsplatz
Die Industrie sträubt sich gegen die Homeoffice-Pflicht und Quarantäneauflagen

Der Bundesrat denkt angesichts steigender Corona-Fallzahlen wieder laut darüber nach, die Heimarbeit als verbindlich zu erklären. Die Wirtschaftsverbände wehren sich.

Florence Vuichard
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Nicht jede Arbeit lässt sich von zuhause aus erledigen.

Nicht jede Arbeit lässt sich von zuhause aus erledigen.

Phynart Studio / E+

Nein, nein und nochmals nein: Martin Hirzel, Präsident vom Industrieverband Swissmem, lehnt die vom Bundesrat wieder ins Spiel gebrachte Homeoffice-Pflicht vehement ab. «Die Homeoffice-Pflicht ist in der Industrie schlicht und einfach nicht praktikabel.»

In industriellen Betrieben müssten auch die Büroangestellten teilweise vor Ort sein, sonst entstünden zu grosse Reibungsverluste an den Schnittstellen zwischen Produktion und Administration. «Und das können sich unsere Firmen schlicht und einfach nicht leisten», sagt Hirzel. Insbesondere jetzt nicht, da die meisten von ihnen mit Lieferengpässen zu kämpfen hätten. Die zur Behebung der Beschaffungsschwierigkeiten geschaffenen Krisenstäbe könnten nicht von zuhause aus arbeiten. «Das ist einfach realitätsfremd.»

Ausweitung der Zertifikatspflicht gefordert

Swissmem-Präsident Martin Hirzel lehnt die Homeoffice-Pflicht ab.

Swissmem-Präsident Martin Hirzel lehnt die Homeoffice-Pflicht ab.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Nichts wissen will Hirzel auch von einer eingeschränkten Homeoffice-Pflicht für Ungeimpfte und Ungenesene, schliesslich könnten viele Mitarbeitende in der Industrie ihre Arbeit nicht vom Wohnzimmer aus erledigen. Hingegen wünscht sich Swissmem eine Ausweitung bei der Zertifikatspflicht am Arbeitsplatz. «Der Bundesrat sollte die rechtlichen Grundlagen schaffen für systematische Einlasskontrollen in den Firmen», sagt Hirzel. «Dann können wir die notwendigen Schutzmassnahmen erweitern.»

An der Homeoffice-Empfehlung hingegen hat Swissmem-Präsident nichts auszusetzen. «Die wird in der Industrie befolgt, wo es möglich ist.» Auch gegenüber anderen Schutzmassnahmen zeigt sich Hirzel offen: Er befürwortet bauliche Massnahmen, wie etwa den Einsatz von CO2-Messgeräten, Trennwänden oder Abstandsvorschriften. «Und auch die Maskenpflicht in Innenräumen ist in Ordnung.»

Kritik an Reisebeschränkungen

Swissmem steht mit seiner Position nicht alleine da. Auch der Arbeitgeberverband sträubt sich gegen eine neue Homeoffice-Pflicht, ebenso wie der Gewerkschaftsbund.

Unzufrieden ist Hirzel zudem mit den neu auferlegten Reisebeschränkungen. «Der Bundesrat muss den Berufsverkehr ausschliessen», sagt der Swissmem-Präsident. Denn verkauft etwa ein Industrieunternehmen eine Maschine ins Ausland, dann schickt sie in der Regel einen Servicemonteur aus der Schweiz hin, der zusammen mit dem lokalen Servicebetrieb vor Ort dem Kunden zur Seite steht. «Ich weiss von einem Unternehmen, bei dem derzeit vier Servicemonteure in Quarantäne festsitzen», sagt Hirzel. «Das sind umgerechnet bis zu 40 Arbeitstage, für die ein Unternehmen ohne Gegenleistung aufkommen muss. Servicemonteure können ja nicht Homeoffice machen.»

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