850-Millionen-Deal
Alpiq verkauft Grossteil seines Geschäfts – 4500 Mitarbeiter in der Schweiz betroffen

Der Oltner Energiekonzern Alpiq trennt sich von seinem Industriegeschäft und wird damit wieder zum Stromkonzern. Vom Verkauf betroffen sind 7650 Mitarbeitende, davon 4420 Beschäftigte in der Schweiz. Alpiq sieht im Verkauf, der 850 Millionen Franken in die Kasse spült, nur Vorteile.

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Alpiq-CEO Jasmin Staiblin spricht von einer Win-win-Situation für beide Unternehmen. (Archiv)

Alpiq-CEO Jasmin Staiblin spricht von einer Win-win-Situation für beide Unternehmen. (Archiv)

KEYSTONE/ALEXANDRA WEY

Die Transaktion sei für das Unternehmen sehr wichtig, sagte Alpiq-Chefin Jasmin Staiblin am Montag vor den Medien in Olten. Sie schaffe einen Mehrwert. Es gebe auf beiden Seiten eine "sehr wichtige Win-Win-Situation". Das Geschäft biete "neue Zukunftsperspektiven" - auch für Alpiq.

Mit dem Verkauf gebe man den betroffenen Mitarbeitenden eine industrielle Hand als Eigentümerin. Man übergebe dieses Geschäft einer Firma, die aus diesem Geschäft das mache, was der Alpiq leider nicht möglich sei. Was der Verkauf für die Mitarbeitenden konkret bedeutet, ist unklar.

"Alpiq ist nicht mehr in der Lage, dieses Geschäft weiter zu entwickeln. Wir haben die finanziellen Mittel nicht", räumte Staiblin ein. Als Gründe wurden die tiefen Preise für die Schweizer Stromproduktion und die tiefen Grosshandelspreise genannt.

Wachstumschancen

Gemäss Alpiq-Chefin besteht das Risiko, dass die Marktführerschaft verloren gehen könnte. So hätte man potentiell Wert vernichtet. Man habe das Geschäft mit Überzeugung aufgebaut und in ganz vielen Bereichen die Nummer-Eins-Position erreicht.

Das Geschäft biete Wachstumschancen. Es habe verschiedene Interessenten gegeben, hielt Staiblin fest. Einzelheiten nannte sie nicht. Die Investoren hätten eine Mehrheitsbeteiligung und damit die Kontrolle gewollt.

An den französischen Bauriesen Bouygues werden für 850 Millionen Franken die Gebäudetechnik-Tochter Alpiq Intec und die deutsche Kraftanlagen Gruppe verkauft. Vollzogen werden soll der Verkauf in der zweiten Hälfte 2018.

Damit steigt der französische Bauriese laut der "SonntagsZeitung" zur Nummer Eins auf in der Gebäudetechnik in der Schweiz. Verkauft werden die Dienstleistungen in der Gebäudetechnik und im Gebäudemanagement, der Geschäftsbereich "Technology & Design", sowie Teile des Geschäftsbereichs "Industrial Engineering".

Wasserkraftverkauf liegt auf Eis

Die vor zehn Jahren gegründete Alpiq kehrt mit der Abspaltung des Industriegeschäfts wieder zu den eigenen Wurzeln zurück: zum Kerngeschäft mit der Stromproduktion in der Schweiz und zu den internationalen Aktivitäten. Diese umfassen den Kraftwerkspark, die erneuerbaren Energien sowie den Energiehandel.

Damit beendet Alpiq seine Strategie der letzten Jahre, mit der forciert in neue Geschäftsfelder expandiert worden war. Bereits vor zwei Jahren beschäftigte sich der Energiekonzern nach Millionenverlusten damit, einen Teil seines Wasserkraftportfolios zu verkaufen.

Dieser Plan wurde Mitte 2017 jedoch auf Eis gelegt: Der Konzern fand nach eigenen Angaben keine Käufer, die auch die Risiken mittragen wollten. Es fänden derzeit keine Gespräch mit Investoren statt, sagte Staiblin dazu.

Damit setzt Alpiq auf die Hoffnung, dass künftig die Strompreise steigen werden - dies angesichts politischer Initiativen, den Co2-Ausstoss zu verringern, aus der Atomenergie auszusteigen und Kohlekraftwerke abzuschalten sowie der Aussicht, dass künftig Autos vermehrt mit Strom betrieben werden sollen.

2017 unter dem Strich mit Verlust

Im Geschäftsbericht 2017 ist bereits ausgewiesen, was der Verkauf für die Zahlen von Alpiq bedeutet. Die Zahl der Mitarbeitenden schrumpft von 8795 per Ende 2017 auf 1504. Der Nettoumsatz vor Sondereinflüssen geht, gemessen am Geschäftsjahr 2017, um 23 Prozent auf 5,5 Milliarden Franken zurück.

Das Betriebsergebnis auf Stufe EBITDA vor Sondereinflüssen reduziert sich um 19 Prozent auf 245 Millionen Franken. Der Ebit vor Sondereinflüssen schrumpft um 29 Prozent auf noch 81 Millionen Franken. Zudem führe der Verkauf zur Entschuldung: Mit den zufliessenden Mitteln werde die Alpiq Gruppe netto schuldenfrei sein, führte Finanzchef Thomas Bucher aus.

Im Geschäftsjahr 2017 hat Alpiq den Umsatz wegen höherer Transaktionsvolumina im Handels- und Absatzgeschäft von 6,1 Milliarden auf 7,2 Milliarden Franken gesteigert.

Unter dem Strich blieb gemäss Rechnungslegungsstandard IFRS ein Verlust von 84 Millionen Franken, gegenüber einem Gewinn von 294 Millionen Franken im Vorjahr. Ohne Sondereinflüsse betrug der Verlust 33 Millionen Franken (Vorjahr: +115 Millionen Franken).

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