Energie

Alpiq-Pläne sorgen für Ärger: «Man möchte die Minderheitsaktionäre abfertigen»

Konzernzentrale der Alpiq in Olten: Die Pläne der Grossaktionäre sorgen für Gesprächsstoff.

Konzernzentrale der Alpiq in Olten: Die Pläne der Grossaktionäre sorgen für Gesprächsstoff.

Der Verwaltungsrat des Energiekonzerns hat vier neue Mitglieder. Die Kleinanleger der Alpiq treibt jedoch ein anderes Thema um: Die Pläne der Grossaktionäre.

Es sollte alles ganz rasch über die Bühne gehen. Lediglich zwei Punkte standen auf der Traktandenliste der ausserordentlichen Generalversammlung des Energiekonzerns Alpiq gestern in Olten: Vier Personen sollten in den Verwaltungsrat gewählt werden, eine davon zusätzlich in den Vergütungsausschuss.

Prominentester Anwärter auf ein Mandat: Hans Ulrich Meister, Ex-Chef der Credit Suisse Schweiz und heute Präsident des Baukonzerns Implenia. Doch Jens Alder, Präsident und Chef der Alpiq, sagte es zu Beginn gleich selbst: «Es ist, glaube ich, doch einiges gelaufen in den letzten Monaten.» Sollte es also doch etwas komplizierter werden?

Das grosse Etwas, das Alder meinte, ist eine Verschiebung im Aktionariat. Im April wurde gab der französische Grossaktionär Électricité de France (EDF) bekannt seine 25-Prozent-Beteiligung zu verkaufen. Über Umwege geht das Paket an den Infrastrukturfonds der Credit Suisse namens CSA – für 70 Franken pro Aktie. Hinter CSA stehen 135 Pensionskassen. Doch das ist nicht alles. Es folgt der knifflige Teil.

«Ich habe 700'000 Franken verloren»

Die drei grossen Anteilseigner CSA, Primeo Energie und EOS Holding halten jetzt zusammen rund 88 Prozent. Nun wollen sie die verbliebenen Kleinaktionäre herausdrängen. Letztlich soll der Konzern von der Börse genommen werden. Die Kleinanleger erhielten dann den gleichen Preis je Aktie wie EDF: 70 Franken.

Gegen den Plan regt sich jedoch Widerstand. So ging ein Aktionär Alder scharf an: «Sie vertreten nur das Grosskapital», rief er Alder zu. Und weiter: «Man möchte die Minderheitsaktionäre mit 70 Franken abfertigen.» Jetzt, wo man Licht im Tunnel sehe, «müssen wir aussteigen». Das sei nicht in Ordnung», klagte der Aktionär – und sorgte für ein Raunen im Saal: Als er gekauft habe, hätte die Aktie bei 400 Franken gekostet. Er habe 700 000 Franken verloren. «Jetzt werde ich, auf Deutsch gesagt, enteignet.» Zwar folgte auf das Statement lauter Applaus. Doch es blieb die einzige Wortmeldung.

Am Vortag schien indes noch Bewegung in die Sache zu kommen. Die «Finanz und Wirtschaft» hatte über einen Brief des Investors Knight Vinke an den Alpiq-Verwaltungsrat berichtet. Knight Vinke sorgte in der Schweiz bereits für Aufsehen: Bevor die Firma Ende 2015 ihre UBS-Aktien verkaufte, forderte der Investor vehement die Abspaltung der Investment Bank – ohne Erfolg.

PwC-Bericht "ernsthaft fehlerhaft"

An Alpiq soll Knight Vinke ein Aktienpaket von 1,3 Prozent halten. In dem Brief an den Alpiq-Verwaltungsrat fordert der Investor, das Vorhaben der Dekotierung umgehend aufzugeben und die Kleinaktionäre nicht herauszudrängen. 70 Franken seien viel zu niedrig angesetzt.

Der Investor kritisierte überdies ein Gutachten der Wirtschaftsprüfer von PwC. Dieses hatte den Preis von 70 Franken als fair bewertet. Knight Vinke hält den Bericht für «ernsthaft fehlerhaft» und wirft den Wirtschaftsprüfern zudem Interessenskonflikte vor. Ein fairer Kaufpreis müsse zwischen 105 und 123 Franken je Aktie liegen.

Zum Angebotspreis von 70 Franken meinte Alder: «Wir haben keinen Grund zur Annahme, dass die Zahl falsch ist.» In Sachen Dekotierung sei bis heute kein Traktandum beim Verwaltungsrat eingegangen. Allerdings, räumt er ein, hätten die Aktionäre das angekündigt. «Machen wir uns nichts vor», so Alder, «das Interesse scheint da zu sein, das so zu machen.»

Die neuen Verwaltungsräte Anne Lapierre, Phyllis Scholl, Jørgen Kildahl und Hans Ulrich Meister wurden übrigens allesamt mit einem Ergebnis von knapp 97 Prozent gewählt. Und Konzernchef Alder sprach schliesslich dann doch von einer «widererwartend ausserordentlich kurzen Generalversammlung».

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Autor

Fabian Hock

Fabian Hock

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