Jahresergebnis 2018: Alpiq erleidet erneut Verluste

Mit dem Verkauf des Industriebereichs erachtet Alpiq seine Krise als überwunden. Die frühere Chefin Jasmin Staiblin hinterlässt mit dem Streit über den Kaufpreis jedoch ein unschönes Erbe.

Andreas Möckli
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Jens Alder (links), Präsident und CEO, und CFO Thomas Bucher am Montag an der Bilanzmedienkonferenz in Olten. (Bild: Alexandra Wey/Keystone)

Jens Alder (links), Präsident und CEO, und CFO Thomas Bucher am Montag an der Bilanzmedienkonferenz in Olten. (Bild: Alexandra Wey/Keystone)

Die Trendwende sei geschafft. So lautet die forsche Kernbotschaft von Alpiq-Chef und -Präsident Jens Alder. Doch bis sich der Turnaround, wie sich dies im Wirtschaftsjargon nennt, auch in den Zahlen niederschlägt, wird es bis 2020 dauern. Denn im abgelaufenen Jahr hat der Energiekonzern einen operativen Verlust von 95 Millionen Franken geschrieben. Das sind unter Ausklammerung von Sondereinflüssen 32 Millionen mehr als im Jahr zuvor. Für das laufende Jahr dürfte sich das Ergebnis gar noch verschlechtern.

Der Hauptgrund für den Verlust ist das defizitäre Schweizer Stromgeschäft. Da sich Alpiq vor grossen Preisschwankungen fürchtet, sichert sich das Unternehmen dagegen ab. Alpiq vereinbart die Preise jeweils zwei bis drei Jahre im Voraus. Als das Unternehmen im Jahr 2016 die Absicherung für den heutigen Zeitraum vornahm, waren die Strompreise auf einem Tief. Im Jahr 2019 ist der durchschnittliche Absicherungskurs damit sogar noch tiefer als 2018. Als Folge davon sind in beiden Jahren die Kosten für die Stromproduktion in der Schweiz höher als die Erträge, die durch die abgesicherten Verkaufspreise zustande kommen.

Juristisches Nachspiel

Die abgesicherten Preise für die Jahre 2020 und 2021 sind dagegen wieder deutlich höher. Deshalb rechnet Finanzchef Thomas Bucher mit einer «viel besseren Ertragskraft». Bis zum eigentlichen Turnaround dauert es also noch. Stolz sind Alder und Bucher auf den Schuldenabbau. So hat Alpiq die Nettoverschuldung von 714 auf 247 Millionen Franken reduziert. Hauptgrund ist der Verkauf der Installations- und Gebäudetechnik an den französischen Konzern Bouygues für knapp 800 Millionen Franken im vergangenen Jahr. Doch wie sich Mitte Februar zeigte, hat das Ganze nun ein Nachspiel. Bouygues verlangt 205 Millionen Franken zurück, also rund einen Viertel des Kaufpreises. Alpiq dagegen ist der Ansicht, man habe von Bouygues knapp 13 Millionen Franken zusätzlich zugut. Die beiden Firmen streiten sich inzwischen vor einem Schweizer Schiedsgericht.

Wie im Vertrag vereinbart, habe Alpiq Mitte Oktober eine Schlussbilanz aufgestellt, sagte Bucher. Seine Firma habe sich dabei «an alle Regeln der Buchhaltungskunst» gehalten. Er sei daher zuversichtlich, was den Ausgang des Verfahrens betreffe. Rückstellungen seien nicht gebildet worden. Wie lange das Verfahren dauere, könne er nicht abschätzen. Die Differenz zwischen Alpiq und Bouygues sei schlicht zu gross gewesen, um sich mittels Vergleich zu einigen, ergänzte Alder. Für viel Aufsehen sorgte der Abgang von Firmenchefin Jasmin Staiblin Ende letzten Jahres. Seither führt Alder die Firma im Doppelmandat, was in der Schweiz seit längerem verpönt ist. Er habe den Job nicht gesucht, sagte Alder auf Nachfrage. Der Verwaltungsrat habe alle möglichen Modelle geprüft und sich dann für das Doppelmandat entschieden. In einer Phase, wo Alpiq mit der Installations- und Gebäudetechnik ein wichtiges Geschäft verkauft habe und damit über 7000 Mitarbeiter die Firma verlassen hätten, sei nun eine Stabilisierung wichtig. Wie lange Alder das Doppelmandat ausführen wird, sagte er nicht. Die Konstellation werde ein Jahr überdauern, aber nicht länger als fünf Jahre anhalten. Der Verwaltungsrat habe nun einen Ausschuss eingerichtet, der ihn überwachen werde. Dieser werde dem gesamten Verwaltungsrat über Alders Arbeit in dessen Abwesenheit berichten. Zudem entscheide der Ausschuss abschliessend über die Agenda der Sitzungen des Gremiums.

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