Wirtschaft

Albtraum an der Börse: Das erste Quartal war das schlechteste seit 1987

Im ersten Quartal verloren zahlreiche Aktienmärkte in den USA und Europa 20 Prozent und mehr.

Im ersten Quartal verloren zahlreiche Aktienmärkte in den USA und Europa 20 Prozent und mehr.

Das amerikanische Börsenbarometer Dow Jones verlor in den ersten drei Monaten des Jahres über 23 Prozent. Der Swiss Market Index kam dagegen glimpflicher davon. Geht es nun bald wieder aufwärts?

Es ist ein Quartal für die Geschichtsbücher. Weltweit verloren die Aktienmärkte in den ersten drei Monaten dieses Jahres massiv an Wert. In den USA brach etwa der Index Dow Jones rund 23 Prozent ein. Das ist der grösste Verlust in einem Quartal seit 1987. Damals verlor das bekannte amerikanische Börsenbarometer gar 25 Prozent. Noch grössere Verluste verzeichnete der Dow Jones einzig in den 1930er-Jahren während der grossen Depression. Interessant ist auch der Vergleich mit der Finanzkrise: Damals verzeichnete der Dow Jones nie einen Absturz von 20 Prozent oder mehr in einem Quartal.

Ein historisches Ausmass nehmen auch die Verluste in Europa an. Der EuroStoxx 50 gab über 25 Prozent nach, zuletzt hatte er nur im dritten Quartal 2002 noch herbere Einbussen von fast 30 Prozent erlitten. Unter den einzelnen Ländern verloren wenig überraschend der italienische und spanische Aktienmarkt am stärksten, dort hat sich das Coronavirus besonders stark ausgebreitet. Deutschland, Grossbritannien und Frankreich kamen etwas glimpflicher davon.

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Deutlich glimpflicher kam der Swiss Market Index (SMI) mit einem Minus von 12 Prozent davon. Das wichtigste Schweizer Börsenbarometer profitiert davon, dass rund die Hälfte der Aktien im Index von Firmen auf sogenannt defensiven Branchen stammen. Dazu gehören vor allem die beiden Basler Pharmakonzerne Novartis und Roche. Die Nachfrage nach Medikamenten bleibt auch in rezessiven Zeiten relativ konstant, weshalb die Anleger damit rechnen, dass die Firmen ihre Gewinne halten können. Die Roche-Titel wurde zudem zeitweise durch einen neuen Coronatest beflügelt, den das Unternehmen auf den Markt brachte. Die Genussscheine von Roche konnten sich denn auch im ersten Quartal halten. Die relative Konjunkturresistenz spielte etwas weniger ausgeprägt auch den Aktien der Firmen wie Swisscom oder Nestlé in die Hände.

Finanztitel leiden besonders

Stark gelitten haben dagegen die Finanztitel. Der Index der Schweizer Bankaktien büsste im ersten Quartal rund 30 Prozent ein und spiegelt die Befürchtungen der Investoren, dass sich die Corona-Krise auch noch zu einer Bankenkrise auswachsen könnte. Besonders hart gingen die Anleger mit den Aktien der Credit Suisse (-39 Prozent) ins Gericht. Die zweitgrösste Schweizer Bank hat ihre Bilanz in den vergangenen vier Jahren zwar kräftig verstärkt. Doch bezüglich Kapitalstärke kommt sie noch nicht an die grössere Rivalin UBS heran, deshalb auch etwas weniger Haare lassen musste (-26 Prozent).

Die Versicherungstitel haben im ersten Quartal etwas weniger gelitten (-25 Prozent). Grund dafür ist, dass diese Aktien in den ersten sechs Wochen des Jahres noch deutliche Kurssteigerungen verzeichnet hatten. In Erwartung guter Dividendenzahlungen waren die Investoren über längere Zeit hinweg bereit, die Kurssteigerungen mitzutragen. Doch nun hat sich das Blatt gewendet.

Die Versicherer sind mit ihren immensen Kapitalanlagen dem Sturm auf den internationalen Finanzmärkten voll ausgesetzt. Im Vordergrund stehen dabei nicht einmal die Verluste auf den relativ kleinen Aktienpositionen, sondern vielmehr die gestiegenen Risiken in den viel grösseren Obligationenbeständen. Viele Schuldner drohen durch die Rezession in Zahlungsschwierigkeiten zu geraten, die Kurse der Schuldpapiere einbrechen lässt. Ein besonderes Problem einiger Versicherer besteht darin, dass sie im Zug der Ultratiefzinspolitik der Notenbanken seit der Finanzkrise ihren Bestand an riskanteren Obligationen mit Schuldnern von minderer Qualität ausgebaut haben, um das Anlageergebnis etwas aufzupolieren. Genau solche Papiere sind nun unter Generalverdacht geraten.

Hohe Kursschwankungen mahnen zur Vorsicht

So wenig, wie die Investoren die Zukunft kennen, so sicher ist, dass die Börsenkurse auch in den nächsten Monaten weiter stark schwanken werden. Die sogenannte Volatilität ist quasi das Nervenpegel des Marktes. Solange dieses hohe Werte anzeigt, ist Vorsicht geboten. Kurzfristige Gegenbewegungen können sich als Bärenfallen erweisen. Der Begriff beschreibt ein verführerisches Kursrally in einem sinkenden Markttrend (Bärenmarkt). Aus der Geschichte weiss man, dass solche Phasen typischerweise viel länger andauern als die bisherige Dauer der Krise.

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