Sportartikelhersteller

Adidas verlegt Konzern-Bereich in die Innerschweiz – und schafft 100 neue Jobs

Turnschuhe von Adidas.

Turnschuhe von Adidas.

Künftig wird man auch in der Innerschweiz mit Interesse die Geschäfte von Adidas verfolgen. Grund: Die Marke mit den drei Streifen verlegt einen Kernbereich ihres Konzerns nach Luzern.

Ob Umsatz, Gewinn oder Aktienkurs: Der deutsche Sportartikelhersteller Adidas hat in den letzten Jahren Rekord an Rekord gereiht. Wie das jüngste Geschäftsjahr verlaufen ist, wird der Konzern mit Sitz im bayrischen Herzogenaurach am nächsten Mittwoch bekannt geben. Konzernchef Kasper Rorsted hat einen Gewinnanstieg bis 20 Prozent in Aussicht gestellt.

Künftig wird man auch in der Innerschweiz mit Interesse die Geschäfte von Adidas verfolgen. Grund: Die Marke mit den drei Streifen verlegt einen Kernbereich ihres Konzerns nach Luzern. Dazu hat Adidas kürzlich eine Zweigniederlassung gegründet. Dies stehe in Zusammenhang mit Plänen, «bestimmte Aktivitäten unseres globalen Handelsgeschäfts nach Luzern zu verlagern», bestätigt eine Sprecherin von Adidas Recherchen dieser Zeitung.

Dabei geht es um den globalen Handel mit Schuhen, Bekleidung, Accessoires und Ausrüstung. Seit 2008 wickelt dies Adidas vor allem in Amsterdam ab, zum Teil aber auch am Hauptsitz in Herzogenaurach. Die bestehende niederländische Gesellschaft bezieht unter anderem Waren von Vertragsherstellern und verkauft sie an Vertriebsgesellschaften des Konzerns. Über die Handelsgesellschaft wird auch die Marke Reebok gehandelt.

Durch die Verlagerung würden in Luzern bis Mitte 2020 voraussichtlich 100 Stellen entstehen, sagt die Sprecherin. Erste Mitarbeiter sollen bereits im laufenden Jahr den neuen Standort beziehen. Noch unklar ist, wo sich die Niederlassung in Luzern befinden wird. Der Konzern prüft zudem eine Zusammenlegung der Adidas-Niederlassung in Cham am neuen Luzerner Standort. In Cham sind heute rund 40 Personen vor allem in Vertriebsfunktionen beschäftigt.

Warum ausgerechnet Luzern? «Ziel war es, Funktionen an einem Standort zu bündeln. Entscheidend für einen Umzug in die Schweiz und Luzern waren für uns unter anderem die Nähe zur Adidas-Zentrale in Herzogenaurach und zu wichtigen strategischen Partnern sowie die Attraktivität des Standortes für bestehende und zukünftige Mitarbeiter», sagt Lange. Die Steuern hätten selbstverständlich eine Rolle gespielt, doch sei dies nur einer von vielen Faktoren gewesen.

Gab es Steuererleichterungen?

Der Umzug von Adidas nach Luzern sorgt für Kritik. Die Nichtregierungsorganisation Public Eye glaubt, dass Adidas nur aus Steuergründen nach Luzern zieht. «In den Niederlanden sind Lizenzeinnahmen steuerfrei. Wenn Adidas nun von dort wegzieht, kann das nur bedeuten, dass Luzern noch attraktivere Steuerbedingungen anbietet», sagt ein Sprecher.

Er sieht Analogien zum «Fashion Valley» im Tessin. Italien seien die Tessiner Steuerkonstrukte von Luxusmarken wie Gucci schon lange ein Dorn im Auge. Nachdem schon Hugo Boss in Zug präsent sei, könnte laut Public Eye nun ein Zentralschweizer Fashion Valley entstehen. Mit Blick auf die Konzernverantwortungs-Initiative stelle sich zudem die Frage, ob der Luzerner Adidas-Sitz künftig für allfällige Menschenrechtsverletzung in den Produktionsländern zur Rechenschaft gezogen werden könnte.

Die Adidas-Sprecherin sagt dazu, die Firma halte sich unabhängig vom Standort an die geltenden steuerlichen Regeln und Gesetze. Insgesamt liege die effektive Steuerquote von Adidas über dem Durchschnitt der Firmen, die im wichtigsten deutschen Aktienindex DAX zusammengefasst seien.

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