Krankenkassen
Aargauer Krankenversicherten drohen happige Prämien-Erhöhungen

Die Prämienspirale im Gesundheitswesen dreht sich weiter. Im Aargau auch, weil die Kassen ihre mittlerweile zu tiefen Reserven aufstocken müssen.Krankenkassen-Prämienzahler müssen sich auf zusätzliche Belastungen gefasst machen.

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Krankenkassenprämien.jpg

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Mathias Küng

Die schweizerischen Reserven der Krankenkassen lassen sich auf kantonale Ebene hinunterrechnen. Daraus resultieren so genannt «kalkulatorische Reserven». Die sind unterschiedlich hoch, wie unsere Grafik zeigt. Das eidgenössische Parlament verlangt nun, diese Reserven bis 2012 einander anzugleichen. Für den Aargau bringt dies Mehrkosten, weil er klar unter dem Durchschnitt liegt.

Für die Aargauer Nationalrätin, frühere Santésuisse-Regionalleiterin und heutige Beraterin im Gesundheitswesen, Ruth Humbel, war es ein Abwägen. Den Ausschlag für ihr Ja zur Angleichung gab die Überlegung, dass die Kantone mit hohen Reserven indirekt diejenigen mit niedrigen Reserven quersubventionieren, was sie nicht richtig findet. Die Lösung für die Umsetzung der Angleichung sei aber noch nicht auf dem Tisch, sagt Humbel.

Diese hängt auch davon ab, auf welche Reservehöhe man sich einigen wird. Humbel sähe eine praktikable Spannbreite zwischen 10 und 20 Prozent Reserven - abhängig von der Grösse der jeweiligen Kasse. Im Aargau erkennt sie mit Blick auf den Reservenausgleich so oder so einen Prämien-Nachholbedarf von 3-5 Prozent.

Wenn man den bis Ende 2012 schaffen soll, bringt allein dies in den nächsten 2 Jahren eine zusätzliche jährliche Prämiensteigerung von 2-3 Prozent.

Rechnet man die im «Sonntag» dargelegten Befürchtungen des Krankenkassenverbandes Santésuisse aufgrund der ausgewiesenen Defizite der Versicherer für das letzte Jahr (bringt Prämienerhöhung von 3 Prozent) und des Kostenanstiegs 2010 (bringt Prämienerhöhung von rund 4 Prozent) und die Reservenangleichung (Erhöhung 2-3 Prozent) zusammen, nähert sich der Prämienschock im Aargau im Herbst bedrohlich der 10-Prozent-Marke.
Humbel kritisiert mit Blick auf die geschmolzenen Reserven den Kanton. Dieser habe mit seinen Fallpauschalen gerade im Spitalbereich in den letzten Jahren die Kostenentwicklung zu den Versicherern überwälzt.

Unterstützung aus Aarau, aber. . .

Das Departement Gesundheit und Soziales (DGS) hat wenig Verständnis für diese Kritik. Kommunikationschef Balz Bruder: «Diese Aussage erstaunt, weil die Krankenversicherer die Fallpauschalen bisher stets verteidigt haben. Ganz abgesehen davon, dass die Tarife zwischen Versicherern und Leistungserbringern ausgehandelt werden und Festsetzungsverfahren durch den Kanton die Ausnahme sind.»

Das Anliegen der Angleichung von kantonalen Reservequoten sei indessen aus der Sicht des DGS grundsätzlich zu unterstützen. «Allerdings», so Bruder, «stellt sich die Frage, wie die Angleichung umgesetzt werden soll.» Dies vor dem Hintergrund, dass die vom Bund geübte Reservepolitik schon bisher nicht als erfolgreich bezeichnet werden könne.

«Kommt hinzu», so Bruder, «dass die bisherige Berechnung der kantonalen Reservequoten nicht einfach nachzuvollziehen war.» Von Bedeutung sei dies, weil die Angleichung der Quoten an das gesetzliche Minimum direkten Einfluss auf die Prämienentwicklung haben wird, und dies in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum. Trotzdem geht man im DGS laut Bruder davon aus, «dass die Kostenentwicklung in der Krankenversicherung weiterhin den grössten Prämieneffekt haben wird, die Angleichung der Reservequoten sich aber ebenfalls niederschlagen wird».