Es ist ein unschöner Rekord: 3260 Meldungen zu Vermögensdelikten im Netz erreichten die Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik) im vergangenen Jahr – so viele wie nie zu vor. Es ist das erste Mal in der zehnjährigen Geschichte von Kobik, dass die Zahl der Berichte im Bereich der Wirtschaftskriminalität jene der Pädokriminalität (3083) übertrifft.

Am häufigsten meldeten sich Geschädigte wegen Betrugs, etwa wegen erschlichener Vorschusszahlungen auf Immobilien- und Versteigerungsplattformen. Viele berichteten aber auch von Phishing-Attacken, Hackerangriffen gekoppelt mit Lösegeldforderungen und Datendiebstahl.

Insgesamt verzeichnete Kobik im Jahr 2012 8242 Meldungen, was einer Zunahme von 55 Prozent entspricht.

Minimale Bekämpfung

So gross das Problem der Online-Vermögensdelikte ist, so bescheiden sind die verfügbaren Mittel für Gegenmassnahmen. «Bei der Bekämpfung der Wirtschaftsdelikte müssen wir uns auf das Minimum beschränken», erklärt Thomas Walther, Kommissariatsleiter beim Bundesamt für Polizei.

Der Leitungsausschuss habe die Priorität der Nachforschungen – wie schon in den vergangenen Jahren – auf pädokriminelle Delikte gelegt.

Aktuell muss die Kobik mit einem jährlichen Budget von 1,5 Millionen Franken und rund 16 Mitarbeitern auskommen, zu einem Drittel vom Bund und zu zwei Dritteln von den Kantonen finanziert. Grob geschätzt befassen sich drei bis vier Analysten mit Meldungen im Bereich der Wirtschaftskriminalität.

Mit mehr Ressourcen könnten laut Kommissariatsleiter Walther mehr Fälle bearbeitet und tiefere Vorermittlungen betrieben werden. Für die eigentliche Ermittlungsarbeit sei die Polizei zuständig.

Christoph Neuhaus, Regierungsrat im Kanton Bern und Vorsitzender des Leitungsausschusses, bestätigt, dass die beschränkten Mittel zur Bekämpfung von Vermögensdelikten ein Thema sind: «Das Internet ist ein Wachstumsmarkt für Kriminelle. Wenn man sie gewähren lässt, wirkt das wie eine Einladung.

Kobik kann seine Aktivitäten nicht nur auf Pädokriminelle beschränken.» Eine Erhöhung der Mittel für die Bekämpfung der Vermögensdelikte hält Neuhaus «mittelfristig» für realistisch. Zuerst stelle sich die Frage, ob die Zahl der Meldungen weiterhin im gleichen Ausmass zunehme.

Nationale Strategie

Wie viel Geld Bund und Kantone künftig für die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität bereitstellen, dürfte massgeblich von der Umsetzung der nationalen Strategie zum Schutz vor Cyber-Risiken abhängen. Der Bundesrat hat das Papier letzten Sommer verabschiedet und dabei festgehalten, dass die personellen Ressourcen auf Behördenseite «sogar in der normalen Lage» unzureichend seien.

Das Justizdepartement EJPD muss bis Ende 2016 in einem Konzept darlegen, wie gross der Mittelbedarf ist.