Wachstum
1500 neue Swatch-Stellen: «Das Problem daran ist, gutes Personal zu finden»

Bei Swatch ist die Krise vorbei. Der Uhrenkonzern kommt mit der Produktion nicht nach. Nun schafft er 1500 neue Stellen. Diese zu besetzen, sei nicht ganz einfach, sagt Nick Hayek.

Roman Schenkel
Drucken
Teilen
Nick Hayek pafft während der Bilanzmedienkonferenz eine dicke Zigarre.

Nick Hayek pafft während der Bilanzmedienkonferenz eine dicke Zigarre.

Ein zwiespältiges Jahr sei es gewesen, das Jahr 2010, so Swatch-Chef Nick Hayek. «Wir haben einerseits die exzellenten Jahresergebnisse des Konzerns, anderseits den überraschenden Tod meines Vaters – Gründer und Schöpfer von Swatch.» Ihm und seinen Visionen verdanke Swatch alles, sagte Hayek gestern an der Bilanzmedienkonferenz in Biel.

Der Geschäftsbericht 2010 ist denn auch Nicolas G. Hayek gewidmet, Poster zum Herausnehmen inklusive. Es zeigt den Swatch-Gründer entspannt beim Telefonieren. Bei dem, «was er am liebsten tat: arbeiten», wie seine Tochter und Verwaltungsratspräsidentin Nayla Hayek im Geleitwort des Geschäftsberichts schreibt.

Die Medienkonferenz fand im etwas heruntergekommenen Logistikcenter im Bieler Industriequartier Mett statt. Nicht zufällig: «Die Logistik wird die grösste Herausforderung für das Jahr 2011», sagte Hayek. Denn alle Konzernbereiche und Märkte, mit Ausnahme Griechenlands und Japans, stünden vor starkem Wachstum.

Nachfrage hat im letzten Quartal angezogen

Die Nachfrage nach Uhren habe im letzten Quartal so stark angezogen, dass Swatch sogar mit Lieferengpässen zu kämpfen habe. «Unsere Lagerbestände sind schwach, zum Teil sind sie leer», so Hayek. In den Swatch-Boutiquen käme es deswegen zu Verzögerungen beim Verkauf von Uhren. Der Grund: «Oft sind nicht alle Produkte vor Ort.»

Nach dem schlechten Jahr 2009 sind die Kapazitätsengpässe eigentlich ein Luxusproblem für den Schweizer Uhrenkonzern. Dies zelebrierte Nick Hayek denn auch. Nachdem Finanzchef Thierry Kenel die Rekordzahlen vom Jahr 2010 präsentiert hatte, zündete er sich mitten in der Pressekonferenz eine dicke Zigarre an und paffte genüsslich, während die anderen Konzernleitungsmitglieder über Produktinnovationen referierten. Swatch tüftelt an einer Weiterentwicklung der Touch-Screen-Technologie und an einer neuartigen Metallmischung für Uhren.

Neues Werk, 1500 neue Stellen

Hayek wäre nicht Hayek, hätte er sich der Probleme nicht längst angenommen. Zur Bewältigung der Kapazitätsengpässe will Swatch eine neue Produktionsstätte in La Chaux-de-Fonds bauen. Weitere Investitionen folgen in Boncourt, Grenchen, Sion und im Tessin. Zudem plant das Unternehmen, bis zu 1500 zusätzliche Mitarbeiter einzustellen. Dies entspricht einer Personalaufstockung von 10 Prozent. «Unser Bedarf ist riesig, das Problem ist jedoch, gutes Personal zu finden», sagte Hayek.

Laut Geschäftsbericht wurde das Swatch-Management für das Rekordjahr 2010 fürstlich entschädigt: Konzernchef Nick Hayek verdiente im vergangenen Jahr etwas mehr als 6 Millionen Franken. Die übrigen Konzernleitungsmitglieder verdienten insgesamt rund 25 Millionen Franken. Der im Juni 2010 verstorbene Verwaltungsratspräsident Nicolas G. Hayek erhielt noch eine Entschädigung von 1,3 Millionen Franken. Seine Nachfolgerin, Nayla Hayek, kommt für die Periode von Juli bis Dezember 2010 auf 3 Millionen Franken.

Aktuelle Nachrichten