Aargauer Wahlen

Wahlumfrage: CVP und SVP sind die grossen Verlierer

Buhlen um die Wählergunst: Plakatwald im Aarauer Schachen. Christoph Voellmy

Buhlen um die Wählergunst: Plakatwald im Aarauer Schachen. Christoph Voellmy

Würde heute gewählt, blieben einige Aargauer Parteien klar unter ihren Erwartungen. Die repräsentative Umfrage der Aargauer Zeitung zeigt: SVP und CVP sind die Verlierer bei den Wählern. SP, Freisinnige und junge Parteien sind auf dem Vormarsch.

Wenn die Grossratswahlen am letzten Sonntag gewesen wären, dann wäre bei der grössten Aargauer Partei der Katzenjammer ausgebrochen: Eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Aargauer Zeitung prognostiziert der SVP einen Wähleranteil von 28,4 Prozent, das sind 3,5 Prozent weniger als vor vier Jahren.

Dass man nicht mehr gross zulegen kann, damit hat man in der SVP gerechnet: Ergebnis halten, lautet die Devise. Gemäss Demoscope-Umfrage hat die Partei aber zu gewärtigen, dass ihr jeder zehnte Wähler den Rücken kehrt, sie wäre die grosse Wahl-Verliererin. «Das würde uns natürlich sehr weh tun», sagt Parteipräsident Thomas Burgherr mit dem Ergebnis konfrontiert. Und er gibt sich sofort wieder kämpferisch: «So weit wollen wir es natürlich nicht kommen lassen.» Es sei ihm gar nicht so unrecht, wenn die Prognosen nicht zu günstig ausfallen. So wiege man sich nicht in Sicherheit und wisse, dass man noch einen Zacken zulegen müsse.

Wähleranteile der Parteien

Wähleranteile der Parteien

GLP und BDP auf dem Vormarsch

Wahlsieger wären gemäss der az-Umfrage die SP, die Freisinnigen und vor allem die jungen Parteien, die im Aargau 2009 zum ersten Mal zu den Grossratswahlen antraten: die Grünliberalen und die BDP. Die SP steigert ihren Wähleranteil wieder um 1,3 auf 17 Prozent. Die FDP kann den Abwärtstrend ebenfalls stoppen und wieder um ein halbes auf 14,8 Prozent zulegen. Die Grünliberalen legen um gut 3 auf 6,6 Prozent, die BDP um gut 2 auf 5,4 Prozent zu, sie können ihre Stärke also glattweg verdoppeln. Die hochgesteckten Ziele – drei bis fünf Sitzgewinne bei der GLP, vier bei der BDP – scheinen damit in greifbare Nähe zu rücken.

Für die CVP sieht es düster aus

Die Grünen müssen gemäss Umfrage einen Verlust hinnehmen, sie kommen auf einen Wähleranteil von 8,2 gegenüber 8,9 Prozent 2009. Wirklich bitter sieht die Prognose aber für die CVP aus. Bei den letzten Wahlen sackte ihr Wähleranteil von 17,6 auf 15 Prozent zusammen und die Partei verlor fünf Sitze. Die grosse Erosion zu stoppen, hat sich deshalb der neue Parteipräsident Markus Zemp als Ziel gesteckt. Das könnte er unter Umständen deutlich verfehlen: In der Umfrage sackt die CVP noch einmal um 2 auf 13 Prozent zusammen. Das würde bedeuten, dass die Partei 14 Prozent ihres Wählersubstrats verliert. «Das trage ich mit Fassung», sagt Präsident Markus Zemp trotz der düsteren Prognose. Natürlich zeige ihm das Umfrageergebnis, dass sich die Partei noch mehr anstrengen müsse. Es beunruhige ihn aber deshalb trotzdem nicht sonderlich, weil es noch ein ganzes Weilchen bis zu den Wahlen gehe und der Wahlkampf in den Bezirken erst jetzt in die heisse Phase komme.

FDP: «Auf dem richtigen Weg»

Frohlockend kann FDP-Präsident Thierry Burkart die Umfrage zur Kenntnis nehmen. Das Ergebnis bestätige, dass die Partei auf dem richtigen Weg ist und es ihr gelungen sei, den Abwärtstrend zu stoppen. «DieTrendwende ist geschafft», zeigt sich Burkart überzeugt. Er hat sich zum Ziel gesteckt, bei den Grossratswahlen am 21. Oktober wieder um 1 bis 2 Prozent zuzulegen. Aufgrund der Unschärfe bei Meinungsumfragen sei er nun zuversichtlich, dieses Ziel auch tatsächlich erreichen zu können. Zusätzlichen Optimismus schöpft er daraus, dass die Prognose für die FDP schon bei den Nationalratswahlen deutlich unter dem tatsächlichen Ergebnis lag.

SP: «Ein Motivationsschub»

Der FDP-Präsident sieht sich zumindest auf die aktuellen Umfragewerte bezogen als der eigentliche Wahlsieger. Dies, weil die Prognose von den grossen Parteien für die FDP am günstigsten ausfalle: Wohl legt die SP in der Umfrage stärker zu, sie bleibt aber deutlicher unter den eigenen Erwartungen. 2009 erlebten die Genossen ein wahres Fiasko: Aus dem dramatischen Rückgang des Wähleranteils von knapp 20 auf unter 16 Prozent resultierte ein Verlust von acht Sitzen. Diesen will die Partei im Oktober auf einen Schlag wieder wettmachen, was ihr nach eigener Einschätzung mit etwas mehr Proporzglück gelingen kann, wenn sie den Wähleranteil der Nationalratswahlen von 18 Prozent noch leicht steigert. «Entschieden wird am Wahltag, Umfrageergebnissen stehe ich grundsätzlich skeptisch gegenüber», kommentiert SP-Präsident Marco Hardmeier das (vorderhand) verpasste Ziel. Der Umfragetrend stimme ihn aber zuversichtlich und sei wenn schon ein Motivationsschub, im Wahlkampf noch offensiver auf die Wähler zuzugehen.

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