Eröffnungsfest
ZHdK-Campus im kreativen Ausnahmezustand

Hochschulen: Die ehemalige Toni-Molkerei hat sich am Wochenende in eine kleine Stadt in der Stadt verwandelt.

David Torcasso
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Eröffnungsfest ZHdK
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Nach Fest Ende musste die Stadtpolizei eingreifen.

Eröffnungsfest ZHdK

Silvia Brosig

Ein Gebäude wie dieses eröffnet in Zürich nicht alle Tage: die neue Heimat der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) und für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) auf dem Areal der ehemaligen Toni-Molkerei in Zürich West. Deshalb wollte man mit der Veranstaltung Creative City nach der offiziellen Eröffnung und dem Tag der offenen Tür im September noch einmal einen gebührenden Einblick in das neue kreative Herz der Stadt geben.
So wurde das Gebäude, das mit seinen rund 70 000 Quadratmetern eine beachtliche Grösse aufweist, kurzerhand in eine Art Stadt in der Stadt verwandelt und mit einem umfassenden Programm bespielt. Schon nur aufgrund der monumentalen Dimensionen des neuen Hochschulcampus ist es denn auch verständlich, dass die Zürcher am Samstag zu Tausenden zum «Quartierfest» in der Kreativschmiede strömten — laut Veranstaltern waren es über 10 000 Besucher.

Im Foyer des neuen Flaggschiffs des aufstrebenden Quartiers Zürich West wurde man zuerst eher an eine Messe als an eine Hochschule erinnert. War die erste Treppe aber erst mal überwunden, wurden die Besucher bereits von einer der zahlreichen Tanzperformances empfangen: ZHdK-Studenten führten ein Tanzstück der deutschen Choreografin Pina Bausch auf, das von allen Seiten zu betrachten war.

Die breiten Treppen boten den Besuchern dabei ideale Sitzgelegenheiten, um das Spektakel gemütlich zu verfolgen. Die vielen Treppen, Atrien und Gänge — die auffälligsten Merkmale des neuen Gebäudes — kamen aber nicht bei allen Besuchern gleich gut an: «Die Grösse des Gebäudes ist verwirrend, sagte Besucherin Franca Moor. «Anscheinend geht es auch den Studenten so. Sie sollen ihre Räume kaum finden.»
Andere Besucher waren von der Architektur des neuen Hochschulcampus mehr angetan. «Im Vergleich zum alten Konservatorium haben die Studenten hier den wahren Luxus mit der Grösse der Räume», sagte etwa Silvan Konrad, der selbst Musik studierte.

Tanz und Musik im Zentrum

Hatte man schliesslich die Treppen und Gänge hinter sich gelassen, verwandelte sich die ZHdK in eine Entertainment-Fabrik, die alle Sinne ansprach. Tanz und Musik standen im Zentrum von Creative City: So schallten in zahlreichen Soundinstallationen Wort-Loops via Musikboxen durch den Innenhof. Derweil lösten die Vorführungen der jungen Balletttänzerinnen in der zweiten Ebene des Hauses Staunen bei den Besuchern aus, die auch aus zahlreichen Familien mit Kindern bestanden. In den Hörsälen zeigten Studenten Filme über den Neuanfang der ZHdK, während eine «Baustellen-Symphonie» mit Flöte und Cello spielte. Zu späterer Stunde ertönte dann, begleitet von faszinierenden Videoanimationen, elektronische Tanzmusik.

Wie auf einem herkömmlichen Quartierfest durfte in der kreativen Stadt auch ein Jahrmarkt nicht fehlen. Mit Balloninstallationen, Lichtobjekten und Projektionen wurden die Räume des Departements Design in einen Designer-Rummelplatz verwandelt — unter anderem mit dem sogenannten «Ego-Prestige-Design-Quiz» Tombola, Selfie-Maschine, Spiegelkabinett-Dancefloor, Bio-Softeis oder Bierfischen zur Musik von stadtbekannten DJs. «Das Fest soll keine Werkschau sein, sondern Unterhaltung bieten», sagte Boris Stoll, der Visuelle Kommunikation an der ZHdK studiert. Er findet zwar, dass das Fest auch Zugang zu allen Ateliers und Studios bieten sollte. «Ich finde es aber toll, dass dieser Anlass nun definitiv Leben in das Riesengebäude bringt, das noch immer etwas unterkühlt erscheint», sagt Stoll weiter.

Streifzug durch Vielfalt der Künste

Neben einer weiteren Soundinstallation, die Alltagsgeräusche in einer Art Augmented Reality über eine noch erhaltene Rampe der ehemaligen Molkerei jagt, trifft man auf Grafikdesignerin Isabel Seiffert: «Das Ziel, alle Disziplinen unter einem Dach zu vereinen, ist heute auf jeden Fall gelungen. Es ist ein kreativer Streifzug durch die Vielfalt der Künste», sagt sie.

Creative City war nun der letzte Grossanlass zur Eröffnung des neuen ZHdK-Campus. Das soll aber nicht heissen, dass das Toni-Areal seine Türen fortan verschliesst: Kunst und Design sollen an jährlich rund 600 öffentlichen Veranstaltungen erlebbar werden, versprechen die beiden Hochschulen.

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