Andelfingen
Weil Katzen Vögel fressen: Rentner lockte Nachbarskatze in Falle und schoss aus nächster Nähe auf sie

Das Bezirksgericht Andelfingen hat am Mittwoch ein scharfes Urteil gegen einen 75-jährigen Rentner gefällt: Es verhängte wegen mehrfacher Tierquälerei eine bedingte Freiheitsstrafe von 13 Monaten und eine Busse von 3000 Franken. Der Mann hatte auf eine Katze geschossen.

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Ein Rentner schoss im Januar 2019 mehrmals auf die Nachbarskatze «Gini». Dafür musste er sich am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Andelfingen verantworten. Er wurde verhaftet und 17 Tage lang in Untersuchungshaft gesteckt. (Symbolbild)

Ein Rentner schoss im Januar 2019 mehrmals auf die Nachbarskatze «Gini». Dafür musste er sich am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Andelfingen verantworten. Er wurde verhaftet und 17 Tage lang in Untersuchungshaft gesteckt. (Symbolbild)

KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA BELLA

Das Tierschutzgesetz werde mancherorts nicht ganz ernst genommen, sagte der Richter bei der Urteilseröffnung. «Unser Gericht ist aber nicht bereit, sich da einzureihen und Tierquälerei zu verharmlosen.»

13 Monate Freiheitsstrafe bei einer Probezeit von zwei Jahren sind für Schweizer Verhältnisse ein scharfes Urteil. Für gewöhnlich werden Tierquäler nur mit bedingten Geldstrafen belangt. Tierquälerei gilt häufig noch als Bagatell-Delikt.

Auch der Anwalt des 75-jährigen Tschechen hatte eine bedingte Geldstrafe gefordert, konkret 90 Tagessätze zu 90 Franken. Dies sei angemessen. Der Aufwand, den die Staatsanwältin für diesen Fall betrieben habe, sei ja «wie für eine Mordermittlung».

17 Tage in Untersuchungshaft

Das Argument «nur eine Katze» liess die Staatsanwältin ganz offensichtlich nicht gelten: Der Rentner wurde sogar verhaftet und für 17 Tage in Untersuchungshaft gesteckt.

Sein Haus wurde durchsucht, wobei ein ganzes Waffenarsenal ans Licht kam. Der ehemalige Sportschütze besass 15 Waffen, darunter Pistolen, Gewehre, inklusive Schalldämpfer, sowie das Luftgewehr, mit dem er aus nächster Nähe auf die Katze geschossen hatte.

«Katzen liquidieren Vögel»

Als Grund für seine Schüsse auf die Nachbarskatze gab der Rentner vor Gericht an, dass Katzen Vögel fressen würden. «Überall diese Federn. Die Katzen liquidieren alle Vögel.» Früher habe er viele verschiedene Arten an seiner Futterstelle gesehen. Heute müsse er froh sein, wenn mal eine Amsel komme.

Er habe einer Katze nur einen Denkzettel erteilen wollen, einen «Zwick», wie er sagte. Dieser «Zwick» endete aber blutig: Er stellte eine Lebendfalle für Füchse auf und wartete, bis eine Katze auf den Wurstköder hereinfiel und gefangen wurde. Abgesehen hatte er es eigentlich auf eine rothaarige Katze, die ihn besonders nervte.

In der Falle landete dann aber «Gini», was ihn jedoch nicht von seinem Vorhaben abbrachte. Mit einem Luftgewehr feuerte er mehrmals auf das eingesperrte Tier. Danach öffnete er die Falle und überliess das verletzte Tier seinem Schicksal.

Lebenslanger «Denkzettel»

«Gini» schleppte sich nach Hause und wurde sofort zum Tierarzt gebracht. Sie erlitt Verletzungen an Lunge, Magen und Dünndarm und einen Durchschuss des Zwerchfells. Die Katze überlebte zwar, wird aber ihr Leben lang unter dem «Denkzettel» leiden.

Eine Entschuldigung erhielt die Katzenbesitzerin vom Rentner nicht. Er habe auch nicht den Kontakt zu ihr gesucht, sagte er. «Ich habe ihr nichts zu sagen». Die Tierarztkosten in der Höhe von rund 10'000 Franken bezahlte er aber. Seine Waffen hat er mittlerweile verkauft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Rentner kann es noch ans Ober- und ans Bundesgericht weiterziehen.