Dietikon/Schlieren
Vorlesen gegen Lesefaulheit: Gutenacht-Geschichten habens in sich

Der Verein «Die Buchpaten» ermutigt Eltern zum Vorlesen von Büchern als Familienritual.

Flurina Dünki
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Buchpaten
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Die Buchpaten verbinden Vorlesungen mit Action.
Die Buchpaten verbinden Vorlesungen mit Action.
Die Buchpaten verbinden Vorlesungen mit Action.
Die Buchpaten verbinden Vorlesungen mit Action.

Buchpaten

Flurina Dünki

Darüber, wie beim lesefaulen Nachwuchs das Interesse an Literatur geweckt werden kann, haben sich schon manche Eltern den Kopf zerbrochen. Dabei scheint das Rezept, das der Verein «Buchpaten» letzte Woche in zwei Limmattaler Schulen vorstellte, denkbar einfach: Lesen Sie Ihrem Kind im Kindergartenalter öfter mal etwas vor. «Wenn Eltern den Kindern vorlesen, ist das immer ein schönes Erlebnis für beide», sagt Vereinsgründerin Kristina Lemke. Nicht nur werde das Kind durch das Vorlesen unterhalten, auch könne es sich dabei gemütlich an den Vater oder die Mutter schmiegen, was förderlich für die Eltern-Kind-Beziehung sei.

Die Buchpaten

Das Ziel der Organisation «Buchpaten» ist es, sprachlich geforderten und sozial benachteiligten Kindern den Zugang zu Büchern zu ermöglichen. Mittels aktiv gestalteter Bilderbuch-Lesungen, zu denen auch Eltern eingeladen sind, vermitteln geschulte Vorleserinnen, wie die Geschichte eines Bilderbuchs dem Kind auf spannende Weise vermittelt wird.
Der Verein arbeitet in erster Linie mit den Schulen zusammen, die ins Förderprogramm «Qualität in multikulturellen Schulen» (QUIMS) des kantonalen Volksschulamts eingebunden sind.
In Dietikon und Schlieren fanden bereits die ersten Bilderbuch-Lesungen für Kindergärtler statt. Das Schulhaus Hofacker wird nächste Woche noch zwei weitere Lesungen durchführen. Die Einbindung weiterer Limmattaler Schulen ist geplant. (FDU)

Der seit 2014 aktive Verein bezweckt mit seinen Lesungen durch geschulte Freiwillige, Familien die Freude am Vorlesen zu vermitteln. So würde auch das Leseinteresse beim Kind geweckt. Während des Vorlesens solle zwischen dem Kind und den Figuren und Handlungen im Buch eine Beziehung hergestellt werden, erklärt Lemke die Umsetzung des sogenannten dialogischen Lesens. So sollte die Vorleserin regelmässig Bezug auf den jungen Zuhörer nehmen und ihm Fragen stellen wie: «Hast du das auch schon erlebt?»

Die Eltern spielen eine Schlüsselrolle im Konzept der «Buchpaten», denn die Lektion im dialogischen Lesen soll sie zur Nachahmung anregen. Deshalb wird ihnen mittels Einladungen in neun möglichen Sprachen der besondere Nutzen der Veranstaltung erklärt. Das Vorlesen eines Bilderbuches soll für ein Kind ein Erlebnis sein, sagt die 43-jährige Philosophin Lemke, die selber einen siebenjährigen Sohn hat. Es solle dabei in die Bilderwelt eintauchen, staunen und lachen können.

Erfolg bei Limmattaler Premiere

Die positiven Reaktionen auf die ersten Lesungen der «Buchpaten» im Limmattal scheinen das Vorlese-Konzept zu bestätigen. Kinder, Eltern und Lehrerschaft seien gleichermassen begeistert gewesen, sagt Sabrina Schuler, Leiterin des Unterrichtsteams des Schulhauses Zentral. «Da wir überwiegend fremdsprachige Kinder in unseren Kindergärten haben, ist es für die Eltern von grossem Nutzen, an einer professionellen Vorlesestunde teilzunehmen», so Schuler. Sie schätze daher den Nutzen des Projekts für Kinder und Eltern. «Die Kinder waren überrascht, als sie alle ein Bilderbuch geschenkt bekamen», sagt Verena Kocher, Schulleiterin des Schlieremer Schulhauses Hofacker. Zum ersten Mal lasen die «Buchpaten» am vergangenen Donnerstag den dortigen Kindergärtlern Geschichten vor. Die Kinder hätten sehr positiv auf die lebendige Erzählweise reagiert. Auch im Hofacker sieht man den Einbezug der Eltern als Chance: «Die Eltern haben gleich mitgemacht, was sehr wichtig ist beim Konzept dieser Lesungen.» Sprachförderung werde in ihrer Schule grossgeschrieben und die Einführung ins Bücherlesen durch die Eltern sei entscheidend, so Kocher.

Als nächste Limmattaler Gemeinde soll Oberengstringen in den Genuss der Vorleseaktionen kommen. Aufgrund des positiven Echos wird das Angebot laufend ausgebaut, vielleicht dereinst über die Kantonsgrenzen hinaus. Leute, die sich für die «Buchpaten» als Vorleser engagieren wollen, sind jederzeit willkommen.

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