Langenthal
Um die Langenthaler Kinos Capitol und Scala zu betreiben, fehlt das Geld

Personen aus dem Kulturbereich bedauern den geplanten Verkauf der Kinos Capitol und Scala in Langenthal und zeigen Interesse daran, dass auch in Zukunft noch Filme über die Leinwand flimmern.

Urs Byland und Tobias Granwehr
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Im Scala findet jeweils das Kinderkino der Zauberlaterne statt.om

Im Scala findet jeweils das Kinderkino der Zauberlaterne statt.om

Für die zwei Gebäude mit den Kinos Capitol und Scala, die zum Verkauf stehen, haben sich bereits einige Interessenten gemeldet. Dies sagt Daniel Schneider von der Firma BDO Immobilien, welche die Häuser im Auftrag der Besitzer Elisabeth Künzli und Ulrich Reist verkaufen soll. 680'000 Franken für das Capitol und 725'000 für das Scala sind die ausgeschriebenen Preise.

Zu beiden Liegenschaften gehören je eine grössere Wohnung und zum Capitol noch ein Coiffeursalon und ein Kiosk. Dabei sind keine Kriterien für den Verkauf aufgestellt worden. «Der Verkauf ist völlig offen», so Schneider. «Die bisherigen Besitzer würden es schon gerne sehen, wenn in den Liegenschaften weiterhin ein Kino betrieben wird.» Dies sei jedoch keine Bedingung, sagt der Verkäufer.

Nach Alternativen umsehen

Dieser Zeitung ist mindestens ein Interessent bekannt. Allerdings will die Person die Gebäude nicht kaufen, sondern viel mehr die beiden Kinos weiter betreiben. Weil er noch keinen Kontakt zu den Besitzern habe aufnehmen können, wolle er vorerst anonym bleiben.

Aus Sicht des Interessenten, der in der Deutschschweiz bereits ein Kino betreibt, hat eine Stadt wie Langenthal kinomässig Potenzial. Es gebe schweizweit nicht viele Kinobetriebe mit zwei Leinwänden, die zu erwerben seien. Der Kauf sei für ihn aus finanziellen Gründen nicht möglich. Er könnte sich aber vorstellen, die Kinos technisch auf den neusten Stand zu bringen.

Junge Generation fürs Kino begeistern

Ob es in Langenthal Leute gibt, welche die Kinos allenfalls führen würden, ist unklar. Wer hätte denn ein Interesse, dass Langenthal weiterhin auf der Cinéma-Landkarte steht? Beispielsweise die Zauberlaterne Langenthal. Ein Team um Gabriela Hug organisiert regelmässig Kinovorstellungen für Kinder, die im Kino Scala durchgeführt werden.

«Es wäre natürlich schade, wenn gleich beide Kinos von der Bildfläche verschwinden würden», so Hug. Sie habe die Gelegenheit, einer jungen Generation das Kino näherzubringen. Diese will sie nicht einfach weggeben. «Wir müssen uns sicher nach Alternativen umsehen.» Jetzt sei es aber noch zu früh. «Wir wissen noch nicht, ob nicht doch ein Kinobetreiber gefunden wird», sagt sie.

Nötiges Geld ist das Problem

Filmabende in einer Halle organisiert mit dem Winterkino Michael Schär von der Hector Egger Holzbau AG. «Das mögliche Kinosterben in Langenthal beschäftigt uns sehr», sagt Schär. «Es wäre schade, wenn Langenthal kein Kino mehr hätte.» Für eine Stadt dieser Grösse brauche es unbedingt einen Kinosaal. Er wisse auch, dass das Interesse in der Bevölkerung für das Kino vorhanden sei. «Die Besitzer, mit denen ich ab und zu Kontakt habe, haben mir immer wieder von ausverkauften Vorstellungen erzählt.»

Noch länger als das Winterkino gibt es in der Stadt das Sommerkino in der Marktgasse. Als die beiden Organisatoren Rita Soom und Marcel Marti vom geplanten Verkauf der Kinos hörten, dachten sie: «Das darf doch nicht wahr sein.» Sie seien von einigen Personen angesprochen worden, ob sie sich nicht engagieren wollten.

«Es wäre cool, etwas aus den Kinos zu machen», sagt Soom, die mit Marti das Restaurant La Piazzetta führt. Sie hätten bereits einige Fantasien im Kopf. Die Beiden sind überzeugt, die Langenthaler Kinos liessen sich mit viel Engagement weiterbetreiben. Allerdings gilt auch bei Soom und Marti: Es fehlt das Geld. «Es brauchte einen Investor.» Sie seien jedenfalls noch nicht aktiv geworden, sagt sie.

«Eine Kultur würde aussterben»

Diskutiert wird das mögliche Aus der Kinos auch im Kulturverein Chrämerhuus. «Wir zeigen in den Chrämerhuus Filmnächten eine andere Art von Filmen als die Kinos. Aber es würde klar eine Kultur aussterben», sagt Markus Heiniger, Kulturverantwortlicher des Vereins. An der Hauptversammlung habe man sogar über einen Kauf diskutiert. «Aber der Verein hat kein Vermögen.» Deshalb werde er nichts Konkretes unternehmen.

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