Theater Fauteuil
«Toi toi toi»: Eine Komödie nach allen Regeln des Boulevard

Das Hausensemble bringt mit «Toi, toi, toi» die französische Erfolgskomödie «Thé à la menthe ou t’es citron?» in einer Dialektfassung auf die Bühne.

Tumasch Clalüna
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Chaos vor und hinter der Bühne: «Toi, toi, toi» mit Peter Richner (von links), Rinalda Caduff, Urs Bosshardt und Willy Schraner.

Chaos vor und hinter der Bühne: «Toi, toi, toi» mit Peter Richner (von links), Rinalda Caduff, Urs Bosshardt und Willy Schraner.

zVg/Mimmo Muscio Basel

Zwei Tage vor der Premiere, Charlotte Heinimann und Willi Schraner proben die erste Szene des Stückes und es ist offensichtlich: Das kann nicht gut gehen. Nicht nur, dass die Schauspieler so grottig spielen, dass es nicht zum Aushalten ist (und so mancher Zuschauer dürfte auf den kleinen Trick reingefallen sein, dass nicht von Anfang an klar war, dass es sich um eine Probe handelt).

Schraners Egon ist definitiv kein Schauspieler, ist motorisch völlig unfähig und stellt sich so ungeschickt an, dass Heinimann als Sophie nur mühsam ihre Ruhe bewahren kann. Dazu kommt ein Lob-heischender Diener (Peter Richner), ein blasierter Nebendarsteller (Urs Bosshardt), eine Regisseurin, die nichts im Griff hat (Bernadette Brack), eine Kostümdame, die alles falsch versteht (Rinalda Caduff) und natürlich ein Bühnentechniker (Stefan Uehlinger) der dauernd stört und auch noch seine Meinung zu allem abgibt.

So schaukelt sich das Stück von Fauxpas zu Eitelkeiten und wieder zurück. Probleme werden verschoben, nicht gelöst und als letzte Waffe greift die Regisseurin zu dem Satz «Das ist die erste Regel im Boulevard», meist bei den übelsten Kalauern.

Von der «Probe» zur «Premiere»

Nach der Pause sehen wir dann die Premiere, bei der natürlich nochmals alles schiefgeht, nur anders. Inhaltlich geht das Stück etwa so:

Ein Gentleman-Dieb schleicht sich bei einer reichen Dame ein, um ihren Schmuck zu stehlen. Ihr Mann ist verreist. Der Diener verwechselt den Dieb mit dem Ehemann. Der kommt früher nach Hause, grosse Konfusion, in der der Dieb den Schmuck endlich findet und fliehen will, doch der Diener entpuppt sich auch als Dieb und nimmt ihm die Beute ab.

Reichlich flach also, aber das Stück lebt ja auch nicht von der Handlung, sondern von den doppelten Figurenkonflikten. Charlotte Heinimann meistert das
dauernde hin – und herspringen zwischen gespielter Schauspielerin Sophie und der Figur Maria Schmid souverän.

Das Geheimnis dabei ist es, die Macken nicht vorzuführen, sondern als normal zu behaupten. Das gelingt nicht allen so gut, auch sind viele Scherze im Stück einfach zu penetrant.

Erfolgreiches Original

Das französische Original wurde mit dem «Molière», dem nationalen französischen Theaterpreis ausgezeichnet und läuft seit Jahren mit grossem Erfolg. Dabei fehlt «Toi, toi, toi» jegliche Form von Entwicklung. Eigentlich sieht man zweimal das gleiche Stück, einmal als Probe, einmal als Premiere. Mit deren Ende endet auch der Abend im «Fauteuil». Ein bisschen mehr Rücksicht auf diese Doppelung hätte man sich schon gewünscht, auch etwas genaueren Umgang mit Tempi und Konflikten.

Zu viel auf den Gag gespielt

So suppt das Ganze trotz beachtlicher Leistung der Schauspieler/-innen etwas vor sich hin. Es wird zu viel auf den «Gag» gespielt, wie Bosshard im Stück einen schlechten Scherz nennt. Im Vergleich mit den Dialektkomödien anderer Jahre zieht das «Fauteuil» damit eine schwächere Saison ein. Aber wer weiss, wohin sich das Stück noch entwickelt. Von der Probe bis zu Premiere ist vieles möglich. Dieser Schluss lässt sich nach diesem Abend auf jeden Fall ziehen.

Weiter Informationen: www.fauteuil.ch

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