Bezirk Dietikon
Statthalterwahl: Steffen überlässt Hofmann und Leimgrübler das Feld

Der drittplatzierte Parteilose aus Dietikon tritt nicht zum zweiten Wahlgang an - obwohl er im ersten überraschen viele Stimmen geholt hatte

Bettina Hamilton-Irvine
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Statthalterwahlen Dietikon

Statthalterwahlen Dietikon

Nun ist es klar: Ramon Steffen tritt im zweiten Wahlgang der Statthalterwahlen im Bezirk Dietikon nicht mehr an. Dies gab der parteilose Kandidat aus Dietikon am Mittwoch per Mitteilung bekannt.

Steffen erzielte im ersten Wahlgang am 12. Februar 2017 mit 4046 oder 27,7 Prozent der Stimmen ein erstaunlich gutes Resultat – vor allem, wenn man bedenkt, dass er zuvor kaum bekannt war und weder eine Partei noch ein Unterstützerkomitee im Rücken hatte. Trotzdem will er nun das Feld den beiden anderen Kandidaten überlassen, wie er schreibt: «Obschon dieses Resultat erfreulich ist, schätze ich heute meine Chancen, in einem zweiten Wahlgang gewählt zu werden, als gering ein.» Daher stehe er als Kandidat für das Amt des Statthalters nicht mehr zur Verfügung. «Dieser Entscheid ist endgültig», schreibt Steffen.

«Jetzt muss Sicherheit hin»
Weil er den Wahlkampf nicht mehr beeinflussen wolle, verzichte er zudem auf die Abgabe einer Wahlempfehlung, schreibt der 39-jährige Jurist weiter. Auf Anfrage der Limmattaler Zeitung sagte er am Mittwoch, es sei schwierig abzuschätzen, wie sich die Situation entwickeln werde. Er wolle dazu beitragen, dass mindestens das Kandidatenfeld für den zweiten Wahlgang frühzeitig geklärt sei: «Jetzt muss Sicherheit hin», sagt er. Dass er nicht mehr weitermachen wolle, weil ihm der teilweise chaotische Wahlkampf zu anstrengend geworden wäre, verneint er: «Da bin ich schmerzfrei.»

Im ersten Wahlgang war Steffen gegen den früheren Amtsinhaber Adrian Leimgrübler (FDP) und den offiziellen FDP-Kandidaten Simon Hofmann angetreten. Leimgrübler war im Dezember 2015 fristlos entlassen worden, worauf die FDP einige Monate später den 36-jährigen Jurist Hofmann aufstellte. Er wird von der Interparteilichen Konferenz (IPK) unterstützt, die als Gremium der Bezirksparteien jeweils einen gemeinsamen Kandidaten nominiert. Im ersten Wahlgang vor zehn Tagen holte Leimgrübler mit 5302 oder 36,3 Prozent am meisten Stimmen, scheiterte jedoch deutlich am absoluten Mehr von 7299 Stimmen. Hofmann war ihm mit 5067 oder 34,7 Prozent der Stimmen dicht auf den Fersen.

Lobende Worte
Hofmann rechnet sich nun gute Chancen im zweiten Wahlgang aus. Aus dem Ergebnis des ersten Wahlgangs lese er, dass die Wählerschaft einen Wechsel im Statthalteramt begrüssen würde, sagt er auf Anfrage. Davon will er nun profitieren: «Als integrer Vertreter einer jüngeren Generation und weiterhin gestützt von allen Parteien hoffe ich, das Vertrauen der Wahlberechtigten im zweiten Durchgang zu gewinnen», schreibt er in einer Stellungnahme. Dass er auf dem richtigen Weg sei, würden ihm vor allem «die vielen guten Begegnungen im Bezirk sowie die wachsende Anzahl an Statthaltern in meinem Unterstützungskomitee» zeigen. Für Steffen findet Hofmann lobende Worte: Für dessen Leistung empfinde er «grossen Respekt», sagt er. «Ich wünsche ihm für seinen weiteren Weg alles Gute.»

Leimgrübler ist zuversichtlich
Leimgrübler mass der veränderten Ausgangslage am Mittwoch auf Anfrage keine besondere Bedeutung bei. Die Situation sei nun halt wieder so wie vorher, bevor Steffen seine Kandidatur angemeldet habe. «Jetzt geht es einfach darum, am meisten Stimmen zu holen», so Leimgrübler. Dem zweiten Wahlgang blicke er zuversichtlich entgegen. Denn: Nur wenige Tage vor dem ersten Wahlgang wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft beabsichtigt, das laufende Strafverfahren gegen Leimgrübler einzustellen. Er gehe davon aus, dass einige Personen, die zuvor verunsichert waren, nun für ihn stimmen werden, sagt Leimgrübler.

Die Entscheidung Steffens, nicht mehr anzutreten, basiere auf einer «wahrscheinlich realistischen Einschätzung», sagt Rolf Steiner (SP), Präsident der IPK. Sie sei so tendenziell zu erwarten gewesen. Und sie kläre die Ausgangslage für den zweiten Wahlgang. Steiner glaubt, dass die Personen, die für Steffen gestimmt haben, nun wahrscheinlich eher auf Hofmann umschwenken werden – «wenn sie denn überhaupt noch wählen gehen». Leimgrübler habe sein Potenzial wohl ausgeschöpft.

Neue Kandidaten sind möglich
Der zweite Wahlgang, der am 21. Mai stattfindet, dürfte spannend werden. Denn während beim ersten Wahlgang noch das absolute Mehr entschied, reicht im zweiten Wahlgang das relative Mehr. Das heisst: Der Kandidat mit den meisten Stimmen gewinnt in jedem Fall. Möglich wäre sogar, dass Leimgrübler und Hofmann nochmals Konkurrenz bekommen: Noch bis spätestens 3. März können sich weitere Kandidaten beim Bezirksrat schriftlich melden.