Amtsgericht
Schwerverletzter Motorradfahrer ist selbst schuld am Unfall

Fuhr der Lenker des Kleinmotorrades im Mai 2014 in Laupersdorf in das aus einer Ausfahrt kommende Auto oder wurde er von diesem abgeschossen? Darüber hat das Amtsgericht befunden. Der Entscheid: Der Motorradfahrer verschuldete den Unfall.

Erwin von Arb
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Zum Unfall kam es am 13. Mai 2014 im Industriegebiet von Laupersdorf. (Archiv)

Zum Unfall kam es am 13. Mai 2014 im Industriegebiet von Laupersdorf. (Archiv)

Kapo SO

Am 13. Mai 2014 kam es um 17.30 Uhr im Industriegebiet von Laupersdorf zu einer seitlich-frontalen Kollision zwischen einem Auto und einem Kleinmotorrad. Dabei zog sich der Motorradlenker schwere, aber nicht lebensbedrohliche Verletzungen zu. Er wurde mit der Rega in ein Spital geflogen. Der Autofahrer blieb unverletzt.

Diese Woche trafen sich die zwei Beteiligten vor Amtsgericht Thal-Gäu wieder. Beide beteuerten gegenüber Amtsgerichtspräsident Guido Walser ihre Unschuld betreffend der Entstehung des Unfalls.

Der 55-jährige Landwirt erklärte, dass er an diesem Tag mit seinem 50-ccm-Motorrad auf ein in der Nähe befindliches Feld habe fahren wollen. Auf der Unteren Brühlmatt habe er dann bemerkt, dass von rechts ein Fahrzeug in die Strasse einbiegen wollte.

Daher habe er sein Motorrad reflexartig in die Mitte der Strasse gezogen. Unmittelbar danach sei es zur Kollision mit einem auf der anderen Strassenseite aus einer Ausfahrt fahrenden Auto gekommen.

Er sei sich aber sicher, dass er nicht auf der gegenüberliegenden Fahrbahnseite unterwegs gewesen sei. «Der Autofahrer muss also mit der Front seines Fahrzeugs die Strassenmitte überschritten haben», meinte der noch immer an den Unfallfolgen leidende Landwirt zum Unfallhergang.

Nicht mit Schwenker gerechnet

Der am Unfall beteiligte Automobilist betonte hingegen, dass der Motorradfahrer mit seinem Fahrzeug die Mitte der Strasse überschritten habe und deshalb sehr wohl auf seiner Fahrbahn gefahren sei. Wahrgenommen habe er den Zweiradfahrer allerdings einen Moment vorher «normal» auf seiner eigenen Fahrbahnseite fahrend.

Fast gleichzeitig habe er sich mittels Blickkontakt mit dem auf der anderen Strassenseite wartenden Autolenker verständigt, dass er zuerst in die Untere Brühmatt einbiegen werde.

Als er dann losgefahren sei, habe er keine Chance mehr gehabt, die Kollision zu verhindern, so der 30-jährige Mann. Vor dem Anfahren habe er die nötige Vorsicht walten lassen, sei aber vom Schwenker des Motorradfahrers überrascht worden.

Der als Zeuge geladene Autofahrer konnte sich noch an das Unfallgeschehen erinnern. Ob der Motorradfahrer die Mitte der Strasse wirklich überfahren hatte, könne er aber nicht mehr genau sagen, zumal auf der Strasse eine entsprechende Markierung fehle.

Tendenziell sei das Motorrad aber mindestens in der Mitte der Strasse gefahren, sagte der 27-jährige Handwerker dazu aus.

Rechtsanwalt Daniel Bitterli, Olten, verwahrte sich im Namen des in den Unfall involvierten Autofahrers gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft. Diese hatte den 30 Jahre alten Lageristen wegen Mangels an Aufmerksamkeit und wegen ungenügenden Rechtsfahrens schuldig gesprochen.

Den Unfall verschuldet habe vielmehr der Motorradfahrer, der einerseits über die Fahrbahnmitte hinausgefahren sowie andererseits ungebremst in das Auto seines Mandanten gefahren sei. Dieser sei deshalb freizusprechen.

«Unkontrollierter Reflex»

Das Gericht folgte diesem Antrag. Das Urteil erfolge gestützt auf den von der Polizei am Unfallort erstellten Situationsplan sowie unter Einbezug der Aussagen der Beteiligten und des Zeugen, meinte Walser bei der Begründung des Freispruchs.

Das Gericht geht ferner davon aus, dass der Landwirt wegen seines reflexartigen und damit unkontrollierten Schwenkers mit seinem Motorrad über die die Fahrbahnmitte hinaus geraten ist und damit die Kollsion selbst herbeigeführt hat.

Der 55-Jährige wurde wegen einfacher Verletzung der Verkehrsregeln sowie des Führens eines Motorrades mit einem dazu nicht berechtigten Fahrausweis zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 90 Franken verurteilt, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren.

Zudem muss er eine Busse vom 600 Franken bezahlen und Verfahrenskosten in der Höhe von 2750 Franken übernehmen.

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