Kirchberg
Schützen können Schiessstand nicht ausbauen

Kirchberg Geplant war ein gemeinsames Schiesssportzentrum für Gewehr, Pistole und Armbrust – daraus wird nun nichts

Andrea Marthaler
Merken
Drucken
Teilen
Die Schiessanlage in Kirchberg hätte in ein Schiesssportzentrum mit zusätzlichem 50-Meter-Graben vergrössert werden sollen. ama

Die Schiessanlage in Kirchberg hätte in ein Schiesssportzentrum mit zusätzlichem 50-Meter-Graben vergrössert werden sollen. ama

Solothurner Zeitung

Es hätte ein Vorzeigemodell werden sollen: Statt den Schiesssport wie bisher an verschiedenen Standorten verzettelt auszuüben, wollten die Kirchberg Schützen und die Stadtschützen Burgdorf ein Schiesssportzentrum realisieren. Wie bisher hätten die Gewehrschützen über die Distanz von 300 Metern in der Anlage Vilbringen in Kirchberg trainiert. Neu wären aber auch die Pistolenschützen integriert worden. Denn während jene von Burgdorf an verschiedenen Orten in der Stadt trainieren, müssen die Pistolenschützen Kirchberg-Lyssach gar nach Koppigen ausweichen. Sogar für Armbrustschützen hätte es im Schiesssportzentrum eine Möglichkeit geben sollen. Denn die Armbrustsektion der Stadtschützen Burgdorf muss bald ihren Stand räumen.

Die Vision wäre ein Graben unter der 300-Meter-Anlage gewesen, erklärt Hans-Ulrich Hirt, Präsident der Kirchberg Schützen. Mit verschiebbaren Zielscheiben wären die unterschiedlichen Kurzdistanzen von 25, 30 bis maximal 50 Meter realisierbar geworden, geschossen aus dem Keller.

Mit Kurzdistanz Alternative bieten

«Wir wollten in die Zukunft investieren», sagt Hirt. Nur mit einem 300-Meter-Schiessstand sei die Schiessanlage längerfristig zu wenig attraktiv. Insbesondere, da derzeit unklar sei, wie es mit dem Obligatorischen Schiessen des Militärs weitergehen soll. Wegen der Armeereform sei ungewiss, ob es dieses in der bisherigen Form künftig noch geben wird. Hirt ist überzeugt, dass die Zukunft eher im Bereich Kleinkaliber liegt. Insbesondere, da hierbei die Munition günstiger sei. «Mit den Kurzdistanzen als Alternative wären wir für die Zukunft gerüstet gewesen», betont Hirt.

Nähe zu Wohngebiet

Durchkreuzt wurden die Pläne jedoch von der Standortgemeinde. Der 50-Meter-Graben müsste überdeckt sein, heisst es vonseiten des Gemeinderats. «Denn mit einer zusätzlichen Anlage entsteht Lärm und Mehrverkehr», begründet dies Gemeinderatspräsident Werner Wyss (SVP). Dafür liege das Schützenhaus jedoch zu nahe an einem Wohngebiet. Auch wenn über die Kurzdistanz verhältnismässig weniger Lärm entsteht, wäre es dennoch eine zusätzliche Belastung. Man habe von Anfang an den Schützen offen kommuniziert, dass solch eine Anlage dort nur überdacht in Frage komme. «Wir sind nicht gegen ein solches Schiesssportzentrum, doch ist es eine Frage des Standortes», so Wyss.

Für einen Erweiterungsbau müsste das Gelände der Schiessanlage sowieso erst umgezont werden. Derzeit liegt es auf Landwirtschaftsgebiet. Das Land müsste aber in eine Zone für Sport und Freizeit eingeteilt werden. Und dies ist wegen der Nähe zum Wohngebiet mit dem derzeitigen Projekt nicht vereinbar.

Projekt überdacht zu teuer

Doch um den 50 Meter langen Graben für die Kurzdistanz zu überdachen, fehlt den Schützenverbänden schlicht das Geld. «Beton, Beleuchtung und Belüftung überschreiten schnell mal die Millionengrenze», sagt Hirt. «Wir sind seit drei Jahren am Planen. Der Entscheid ist für uns ein Rückschlag.» Für ihn persönlich ist das Projekt aber noch nicht ganz gestorben. Derzeit ist eine Sitzung der beiden Schützenverbände geplant. «Wir müssen auch mit den umliegenden Gesellschaften schauen», so Hirt. Infrage käme zudem die Umsetzung eines Schiesssportzentrums an einem anderen Ort.

Auch Martin Kämpfer, Präsident der Pistolenschützen Kirchberg-Lyssach, sieht sich gezwungen, die Zukunft zu überdenken. «Wir trainierten wegen der fehlenden Möglichkeiten noch nie in Kirchberg. Es wäre aber eine tiptope Sache gewesen, im Dorf schiessen zu können.» Insbesondere hätten sie flexiblere Trainingszeiten bekommen und endlich den Nachwuchs angemessen fördern können. «Ich war aber immer skeptisch bezüglich des Schiesssportzentrums. Ein gewisser Gegenwind war von Anfang an zu spüren», sagt Kämpfer. In nächster Zeit bleibe sein Verein sicher noch in Koppigen.