Dietikon
Kleine Löcher, grosse Wirkung: Seine Skulpturen bieten Wildbienen ein Heim

Der ehemalige Dietiker Pfarrer Marcel Plüss verbindet Holzkunst mit Tierschutz. Die Methode dahinter ist erstaunlich simpel.

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Limmattaler Zeitung

«Angefangen hat alles vor etwa drei Jahren», sagt Marcel Plüss. Damals hat sich der Künstler und Bildhauer zur Aufgabe gemacht, mit seiner Kunst Wildbienen zu helfen. Diese seien bedroht wie nie, erklärt Plüss, der bis diesen Sommer auch als Pfarrer in der reformierten Kirche Dietikon amtete. Unternehme man nichts gegen das Aussterben, könne dies unabsehbare Folgen für die Natur und die Landwirtschaft haben. Tatsächlich gelten die Wildbienen von allen Bienenarten als die wichtigsten Pflanzenbestäuber. Sie kommen für rund zwei Drittel der gesamten Bestäubungsleistung auf. Anders als die domestizierten Honigbienen, die Völker bilden, leben Wildbienen meist alleine und nicht in Kolonien. Einer der Hauptgründe für die Gefährdung ist das Verschwinden von Lebensräumen und Nistplätzen – hier setzt Plüss’ «Wildbienenkunst» an.

Der Künstler stellt Skulpturen aus Hartholz her und bohrt Dutzende Löcher hinein. Diese sind rund zehn Zentimeter tief und zwei bis zehn Millimeter breit. Damit kein Regenwasser die Löcher füllt, werden sie mit einem leichten Gefälle von unten nach oben gebohrt. Die Wildbienen fliegen diese Löcher an, können darin nisten, Nahrung horten und ihre Eier legen. Schlüpft der Nachwuchs, verweilt er ein bis zwei Jahre im Loch, ehe er sich weiter fortpflanzt – meist vor jenem Loch, aus welchem er geschlüpft war. «Es entsteht also oft eine Art Kreislauf», erklärt Plüss. Auch deshalb würden die Skulpturen so gut funktionieren: «Sie sind effizient. Es braucht nur ein paar Löcher, aber für die Wildbienen bedeutetet das so viel mehr. Und für uns Menschen sehen die Skulpturen ansprechend aus.»

Pro Natura erkennt das Potenzial

Die Holzskulpturen würden sich bestens auf Balkons, Terrassen oder in Gärten aufstellen lassen, so Plüss. Die Kosten belaufen sich dabei auf zwischen 400 und 700 Franken – je nach Grösse und Arbeitsaufwand. Dieser kann mehrere Wochen in Anspruch nehmen, wie Plüss sagt: «Länger als zwei bis drei Stunden am Stück arbeite ich kaum. Ich mache ja alles von Hand. Das kann schon anstrengend sein.» In seinem Atelier in Diessenhofen (TG) hat er mittlerweile schon rund vierzig solcher Skulpturen angefertigt. Eine davon ist besonders speziell: Sie dient als Denkmal eines Grabes und steht auf dem Friedhof Guggenbühl in Dietikon.

 Auf dem Friedhof Guggenbühl steht ebenfalls eine von Plüss' Skulpturen.

Auf dem Friedhof Guggenbühl steht ebenfalls eine von Plüss' Skulpturen.

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Für seine Förderung der Biodiversität hat Plüss dieses Jahr auch eine Auszeichnung von der Naturschutzorganisation Pro Natura erhalten. Ob dies für ihn auch ein Stück Genugtuung war? Schliesslich ist er auch schon kritisiert worden, dass die Skulpturen nur jenen Arten dienen würden, die nicht bedroht seien. Dies sei absurd, hält Plüss fest. Und sowieso: Auch die heute gefährdeten Wesen seien einmal nicht gefährdet gewesen. «Sollte ich deswegen nicht helfen? Lieber handle ich jetzt schon proaktiv, bevor es zu spät ist.»

 Die Arbeit an einer Skulptur könne mehrere Wochen andauern, so Plüss. «Länger als zwei bis drei Stunden am Stück arbeite ich eigentlich nie.»

Die Arbeit an einer Skulptur könne mehrere Wochen andauern, so Plüss. «Länger als zwei bis drei Stunden am Stück arbeite ich eigentlich nie.»

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