Schlieren
Höchster Schlieremer Sasa Stajic: «Wir brauchen eine Portion Optimismus»

Sasa Stajic von der FDP ist seit Montagabend Präsident des Gemeindeparlaments. Wegen des Coronavirus wurde er einen Monat später gewählt.

Alex Rudolf
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Sasa Stajic (FDP) heisst der neue Gemeinderatspräsident. Er ist für das kommende Jahr der höchste Schlieremer.
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Wegen des Coronavirus' wurden strenge Sicherheitsmassnahmen getroffen.
Genau zwei Meter waren sämtliche Stühle voneinander entfernt. Tische gab es nur für das Büro des Gemeinderates.
Beim Eingang wurde Desinfektionsmittel bereitgestellt. Hier GLP-Gemeinderätin Songül Viridén.
Auch Olivia Boccali (CVP) nutzte das Angebot.
Sasa Stajic bedankte sich in seiner Rede für das gute Wahlergebnis. 27 der 34 Stimmen gingen an den gebürtigen Serben.
Andres Uhl (CVP) sammelte die Stimmzettel ein.
Souverän führte Stajic anschliessend durch die restliche Sitzung. Es wurden unter anderem noch das Präsidium der Kommissionen gewählt.
Marc Folini ist der erste GLP-Politiker, der ins Büro des Gemeinderates einziehen wird. Er wurde zum zweiten Vizepräsidenten gewählt.

Sasa Stajic (FDP) heisst der neue Gemeinderatspräsident. Er ist für das kommende Jahr der höchste Schlieremer.

Sandra Ardizzone

Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen tagte gestern Abend das Schlieremer Parlament und wählte unter Ausschluss von Besuchern seinen neuen Präsidenten. «Meine Freude ist wirklich sehr gross. Der einzige Wermutstropfen ist, dass meine Frau Suna und meine beiden Kinder Stefan und Sanela die Wahl nicht als Zuschauer mitverfolgen konnten. Ohne sie wäre ich nicht so weit gekommen», sagt der neue höchste Schlieremer Sasa Stajic. Der FDP-Gemeinderat erhielt 27 von 31 gültigen Stimmen bei 34 eingereichten Wahlzetteln.

Sie werden in der grössten Krise dieses Jahrhunderts zum höchsten Schlieremer. Was überwiegt: die Sorge um die Zukunft oder die Freude über die Wahl?
Sasa Stajic: Das ist keine einfache Frage. Natürlich freue ich mich sehr auf meine Zeit als Parlamentspräsident. Und natürlich ist die aktuelle Pandemie mit viel Unsicherheit verbunden, aber ich bin zuversichtlich, dass wir die Krise gemeinsam meistern werden.

Wie wird die Stadt nach Corona aussehen?
Einen Teil haben die Schlieremerinnen und Schlieremer selber in der Hand. Besonders was die Entwicklung der Wirtschaft angeht. Wenn die Restaurants fleissig besucht werden, der Quartierbäcker berücksichtigt wird und man generell mehr auf Schweizer Produkte setzt, werden wir die Krise sicherlich bewältigen. Dazu brauchen wir auch eine gesunde Portion Optimismus.

Welche Themen werden das Parlament im kommenden Jahr beschäftigen?
Sicherlich die Massnahmen zur Linderung der Schäden, die von der Pandemie verursacht wurden. Generell werden die Stadtfinanzen in Bedrängnis kommen. Mehrere Firmen und Privatpersonen werden wohl weniger Steuern zahlen. Wir als Gemeinderat müssen uns fragen, ob es der richtige Zeitpunkt ist, gewisse Investitionen zu tätigen. Oder können wir uns dies nicht leisten? Möglicherweise wäre es sinnvoll, bewusst mehr zu investieren, um das Gewerbe zu unterstützen. Dies sind wohl die Fragen, mit denen sich das Parlament befassen wird.

Stajic wurde auch gleich in die Spezialkommission gewählt

Auch ohne das Coronavirus sei die Leitung des Schlieremer Parlaments in den vergangenen Jahren nicht einfacher geworden. Dies sagte der scheidende Parlamentspräsident Walter Jucker (SP) anlässlich seiner Abschiedsrede. Er denke dabei insbesondere an die Budgetdebatte vom vergangenen Dezember. Weil die konstituierende Sitzung von gestern Abend um mehr als einen Monat verschoben werden musste, blieb er nun länger oberster Schlieremer als vorgesehen. Strenge Sicherheitsvorkehrungen waren im Vorfeld zur Sitzung im Schulhaus Reitmen getroffen worden. Die Parlamentarier hatten keine Tische, sondern nur Sitzgelegenheiten. Anstelle von drei Stimmenzähler sammelte nur einer die Stimmzettel der Parlamentarier ein. Geschützt mit einer Maske und Plastikhandschuhen. Nur drei der sieben Stadträte waren zur Sitzung anwesend, da sonst die maximal erlaubten Besucher der Parlamentssitzung überschritten worden wäre.

Mit 27 von 34 abgegebenen Stimmzetteln wurde Sasa Stajic (FDP) zum Gemeinderatspräsidenten gewählt. «Diesen Moment hätte ich mir vor 9007 Tagen, als ich in die Schweiz einreiste, niemals erträumen lassen», sagte er. Der ehemalige zweite Vizepräsident Beat Kilchenmann (SVP) wurde zum ersten Vizepräsidenten gewählt. Er erhielt 27 von 34 eingegangenen Stimmen. Erstmals haben die Grünliberalen Einsitz im Büro des Gemeinderates. Mit 28 zu 34 Stimmen wurde Marc Folini zum zweiten Vizepräsidenten gewählt.

Weiter wurde die Sozialdemokratin Jolanda Lionello in die Rechnungsprüfungskommission gewählt. Sie folgt auf den Grünen Dominik Ritzmann, der aus dem Gremium austritt. Er bleibt aber weiterhin im Gemeinderat. Der bisherige Präsident der Rechnungsprüfungskommission, Boris Steffen (SVP), wurde wiedergewählt.
Walter Jucker und Leila Drobi (beide SP) wurden für den Rest der laufenden Amtsperiode in die Geschäftsprüfungskommission gewählt. Das Präsidium dieses Gremiums übernimmt der bisherige Präsident Daniel Frey (FDP) erneut für die kommenden zwei Jahre.
Roger Seger (parteilos) und Frey gaben ihren Rücktritt aus der Spezialkommission kommunaler Richtplan Siedlung und Landschaft bekannt. An ihrer Stelle wurden Ritzmann und der frisch gewählte Parlamentspräsident Stajic in die Kommission gewählt. (aru)

Das Parlament ist geteilt. Bei der Budgetdebatte zeigte sich, dass der Graben zwischen links und rechts tief ist. Wie sieht die künftige Zusammenarbeit aus?
Das ist schwer abzuschätzen. Ich muss aber betonen: Wie auch die Steuerfusssenkung entstanden alle Parlamentsentscheide demokratisch und sind daher legitim. Im Dezember war die Welt noch eine andere, da die Pandemie noch nicht in Europa angekommen war. Dass sich die politischen Lager nun gegenseitig unterstützen und gemeinsam nach konstruktiven Lösungen suchen müssen, liegt auf der Hand. Und ich werde mich dafür einsetzen, dass dies auch so geschieht.

Sie sind der erste Parlaments­präsident mit Wurzeln im Balkan. Erhalten Sie deswegen ein grosses Feedback?
Von meinem Umfeld, das seine Wurzeln ebenfalls im Balkan hat, erhalte ich viel positives Feedback. Darauf bin ich stolz, denn ich sehe mich als Brückenbauer zwischen den beiden Kulturen.

Haben Sie eine Vorbildfunktion?
Da mein Werdegang zeigt, wie man sich erfolgreich integrieren kann, denke ich schon, dass ich manchen als Vorbild diene. Es kommt hin und wieder vor, dass mich junge Menschen aus dem Balkan als Vorbild bezeichnen. Das freut mich unbeschreiblich.

Das neue Büro des Schlieremer Gemeindeparlaments Zweiter Vize Beat Kilchenmann (SVP), Präsident Sasa Stajic (FDP) und zweiter Vize Marc Folini (GLP)

Das neue Büro des Schlieremer Gemeindeparlaments Zweiter Vize Beat Kilchenmann (SVP), Präsident Sasa Stajic (FDP) und zweiter Vize Marc Folini (GLP)

Sandra Ardizzone

Sie absolvierten zahlreiche Ausbildungen, waren nebenher noch politisch aktiv und sind Familienvater. Welches waren die grössten Hindernisse?
Oft verzichtete ich auf Freizeit und auf Zeit mit meiner Familie. Man muss Kompromisse machen. Meiner Familie bin ich sehr dankbar für die uneingeschränkte Unterstützung.

Zur Person

Sasa Stajic wurde 1973 in Serbien geboren und kam 1995 in die Schweiz, wo er erst als Pizzaiolo und Hilfsarbeiter tätig war. Nach seinem Studium als Betriebsökonom absolvierte er einen Bachelor-Abschluss in Business Administration. Heute leitet er die kaufmännische Abteilung und ist MItglied der Geschäftsleitung der Sortimo Walter Rüegg in Oberhasli. 2011 wurde er in die Bürgerrechtskommission gewählt und trat 2017 ins Parlament ein. Bereits ein Jahr später wurde er mit der Wahl zum zweiten Vizepräsidenten zum Mitglied des Gemeinderatsbüros. Ausserdem sitzt er seit vergangenem Jahr im Vorstand der Schlieremer Wirtschaftskammer. In seiner Freizeit spielt der 46-Jährige gern Tennis und fährt Ski. Stajic ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern.

Erlebten Sie Vorurteile?
Leider kommt das ab und zu vor. Bei einer Stelle, auf die ich mich beworben hatte, wurde mir gesagt, dass meine Qualifikationen stimmen würden, nur meine Herkunft problematisch sei. Solche Rückmeldungen sind zum Glück selten. Mir ist es sehr wichtig, dass wir gut integrierten Ausländern grossen Respekt und Wertschätzung gegenüberbringen.

Auch 2011, als Sie erst im zweiten Wahlgang in die Bürgerrechtskommission gewählt wurden, führten Sie sie dies auf Ihren «-ic»-Namen zurück.
Genau. Dies war eine intensive Zeit und ich bin der Schlieremer FDP und ihrer Präsidentin Barbara Angelsberger noch heute dankbar dafür, wie sie damals agierte. Ich überlegte mir nämlich einen Rückzug, da ich die Wahlchance als gering betrachtete. Aber Angelsberger und die Partei standen geschlossen hinter mir und stellten mich allen anderen Parteien vor, was schliesslich in meiner Wahl mündete.

Haben Sie für Ihre Zeit nach dem Präsidium noch höhere Ziele in der Politik?
Nun will ich erst das Jahr als Parlamentspräsident absolvieren und danach schaue ich weiter. Der erste Bundesrat mit einem «-ic»-Namen werde ich aber sicherlich nicht.

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