Jubiläum
Geburtstagskonzert mit Gershwins Jazz-Oper

Das Blasmusikcamp Oberaargau glänzt zum 20-Jahr-Jubiläum in der Linksmähderhalle mit «Porgy and Bess».

Brigitte Meier
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Solothurner Zeitung

Mit unbändiger Leidenschaft, überbordender Vitalität und packender Dramatik offenbart das Werk von George Gershwin die innerste Seele einer afroamerikanischen Siedlung. Heute, 75 Jahre später, ist «Porgy and Bess» zu einem eindrücklichen musikalischen Vermächtnis der amerikanischen Geschichte geworden.

Charleston, im Jahr 1870; in der Catfish Row tanzen Schwarze, Bettler und Kriminelle zu den Klängen eines verstimmten Honky-Tonk-Klaviers. Eine Mutter singt ihrem Kind ein Wiegenlied: Ella Fitzgerald hat es gesungen, Frank Sinatra, Louis Armstrong und natürlich Billie Holiday: «Summertime» ist eine der meist interpretiertesten Melodien der Welt. Zusammen mit der Sopranistin Nicole Eggenberger eröffnete das Blasmusikcamp Oberaargau sein Konzertprogramm.

Inspiriert von Jazz-Berufsmusikern

Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums wollte Dirigent Marco Nussbaumer ein besonderes Projekt umsetzen. «Ein Gesamtwerk, eine Geschichte, die musikalisch erzählt wird. Dazu habe ich die bestehenden Songs mit eigenen arrangiert und auf die rund 50 Mitwirkenden angepasst. Dem Werk entsprechend wurde das Corps mit einem Kontrabass und einer Harfe ergänzt. Das macht alles farbiger und blumiger», erklärte Nussbaumer, der in Mümliswil aufgewachsen ist und dort an der Musikschule als Trompetenlehrer tätig ist. «Um den Teilnehmern die Welt des Jazz näherzubringen, haben wir während des Camps einen Workshop mit zwei ausgebildeten Jazzmusikern durchgeführt», erklärt der Dirigent.

Die Story zweier Aussenseiter

Die Stimme von Radio-32-Redaktionsleiter Marco Jaggi ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass er neben seiner journalistischen Laufbahn Klarinette gespielt hat, unter anderem im Repräsentationsorchester des Schweizer Armeespiels. Einfühlsam führte Jaggi als Sprecher das aufmerksame Publikum durch das dramatische Geschehen und verknüpfte die einzelnen Titel zu einem Ganzen. Erzählt wird die Geschichte des verkrüppelten, gutherzigen Bettlers Porgy und seiner schicksalhaften Liebe zur leichtlebigen Bess.

Porgy nimmt diese bei sich auf, nachdem ihr Mann einen Mord begangen hat und auf der Flucht ist. Doch Bess kommt nicht von ihrem früheren Geliebten los. Als dieser sie gewaltsam entführen will, wird er von Porgy hinterrücks erstochen. Während dieser in Untersuchungshaft kommt, verfällt Bess wieder dem Rauschgift und folgt einem Drogendealer nach New York. Mit seinem Karren, der von einer Ziege gezogen wird, macht sich Porgy auf die 1000 Meilen lange Reise, um die geliebte Frau zu suchen: «I’m on my way».

Dynamisch und ausdrucksvoll

Musikalisch überzeugten Orchester und Solisten durch Spielfreude und eine souveräne Leichtigkeit. Groove und Swing sind so richtig durchgedrungen. In fein akzentuierten Klangfarben wurden die unvergesslichen Melodien, inspiriert von Spirituals, den jazzigen Rhythmen des frühen Swings und ursprünglichen Blues, ausdrucksvoll gespielt. Genauso dynamisch, wie die Musiker die Geschichte instrumental umsetzten, verliehen die Solisten Stephan Greminger und Nicole Eggenberger Porgy und Bess ihre ausdrucksvollen Stimmen. Bezaubernd die Version von «I got plenty of nothing» oder das Liebesduett «Bess you is a woman». Das begeisterte Publikum erklatschte sich zwei Zugaben und wurde von «I got rhythm» aus Gershwins Musical «Girl crazy» nochmals mitgerissen.

Auch der Nachwuchs begeisterte

An beiden Tagen konzertierte auch das Jugendmusikcamp Oberaargau. Bernhard Steiger hat das Camp gegründet und leitete das Konzert der jungen Musikanten bereits zum dritten Mal (wir berichteten). Nach einem professionellen Aufmarsch «entflog» der musikalische Nachwuchs in den Wilden Westen. Dabei wurden die Gäste bestens betreut von Michèle Fischer und Eliane Zumstein. Die beiden Saxofonistinnen führten als Flight Attendant durch das abwechslungsreiche Programm.

Mit anspruchsvollen Nummern wie «Pocahontas Alan» und «Indian Fire» bewiesen die Youngsters, was in ihnen steckt. Rhythmisch und temperamentvoll ertönte «Apache» von Jerry Lordan. Dieser Titel war durch die «Shadows» berühmt geworden. Nach einem Medley von Schweizer Volksliedern, originell arrangiert von Dirigent Steiger, spielte der vielversprechende Nachwuchs mit «Little brown jug» eine schwungvolle Zugabe von Glenn Miller.