Aarwangen
Einmal Eisenbahner, immer (Modell-)Eisenbahner

Hans Scholl ist begeisterter Eisenbähnler. In seinem Keller in Aarwangen tut sich dem Besucher eine ganz andere Welt auf. Mit viel Liebe zum Detail hat sich Scholl einen «Muniberg» gebaut.

Jürg Rettenmund
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Hans Scholl freut sich über die vielen feinen Details seiner «Munibergbahn»

Hans Scholl freut sich über die vielen feinen Details seiner «Munibergbahn»

Hanspeter Bärtschi

Es gab Zeiten, da hoffte der Oberaargau auf den Munibergtunnel: Er sollte die Neubaustrecke der SBB neben den geschützten Wässermatten zwischen Langenthal und Roggwil hindurchführen. Nun: die schnellen Züge brausen heute quer durch die Matten, wie es Bund und SBB wollten. Dass der Muniberg bei Aarwangen unter Bahnfreunden trotzdem einen Namen hat, dafür sorgt Hans Scholl. «Munibergbahn» nennt er seine Modelleisenbahn-Anlage.

Es ist eine Anlage, bei der selbst Chefredaktoren von Modelleisenbahn-Fachzeitschriften ins Staunen geraten. «Wir sitzen hier ausserhalb der Fassaden unter dem Garten», erklärt Hans Scholl nach dem Gang in den Keller seines Einfamilienhauses im Aarwanger Quartier Mumenthal. Als er vor neun Jahren ein Haus plante, liess er den Keller nach seinen Vorstellungen für die künftige Modelleisenbahn bauen.

Mitstreiter gefunden

Noch vor dem Spatenstich hatte er den Bauplan dafür entworfen. 13 auf acht Meter misst der Kellerraum. «Am Freitagabend und am Sonntag ist hier Bautag», erklärt er. Dann sind neben Hans Scholl auch Urs Widmer aus Kleindietwil und Gaspard Schwarz aus Busswil bei Lyss im Keller anzutreffen.

Die beiden fand er vor fünf Jahren durch ein Inserat im Anzeiger und einen Bericht über seine Pläne im az Langenthaler Tagblatt. Widmer ist der Fachmann für die Landschaft und die «kleinen Dinge». Schwarz in Scholls Worten «ein fantastischer Bauer von Weichenstrassen und Fahrleitungen».

Der Stolz des Erbauers

In den vergangenen fünf Jahren hat vieles konkrete Gestalt angenommen, das damals erst auf dem Bauplan stand oder noch auf rohen Spanplatten lief. Mit bübischem Stolz weist Scholl immer wieder auf kleinste Details hin, bevor er die Züge in Bewegung setzt: Hier das gepflanzte Gemüse in einem Schrebergarten, dort das Lager unter dem Dach eines Schuppens, daneben ein Plakat für die nächste Muemetu-Chilbi.

Es sind aber vor allem die technischen Details, auf die Scholl sichtlich stolz ist: Die Zwergsignale entlang der Geleise sind fast massstabgetreu und sie leuchten, wie auch die grossen Signale, mit der genau gleichen Verzögerung wie ihre grossen Vorbilder. «Meine langjährige Erfahrung aus dem Berufsleben ist dabei von unschätzbarem Wert», erklärt er.

Die Munigbergbahn in Zahlen

Fläche des Kellers: 13 x 8 Meter
Normalspur-Geleise: 1000 Meter
Schmalspur-Geleise: 600 Meter
Schattenbahnhof: 110 Meter
Draht: 45 000 Meter
Platinen: 300 Stück
Weichen: 160 Stück
Signale: 100 Stück
Zwergsignale: 120 Stück
Transformatoren: 13 Stück
Kapazität: 30-40 Züge

Bereits als Knabe spielte Hans Scholl mit Modelleisenbahnen. Dann wurde aus dem kleinen ein grosser Eisenbahner. 41 Jahre stand er im Dienst der SBB, in den verschiedensten Funktionen im Betrieb und danach in der Generaldirektion.

Unter anderem war er Fahrdienstleiter im Bahnhof Bern, und seine letzte Aufgabe vor dem Ruhestand führte ihn 2005/2006 an die Neubaustrecke: Während der dreimonatigen Testphase regelte er Nacht für Nacht als «menschliches Stellwerk» den Verkehr zwischen Rothrist und Solothurn. Er sorgte dafür, dass vor Ort Weichen gestellt und Barrieren geschlossen wurden, damit die Testzüge das tun können, was sie heute vollautomatisch tun: Mit 200 Stundenkilometer durch den Oberaargau und das Wasseramt brausen.

Im Hinblick auf seine Pensionierung verlegte er sich dann wieder auf die Modelleisenbahn. «Die erste Zeit war die härteste», blickt er zurück. Da gab es viel Arbeit ohne dass ein einziger Zug rollte. Um eine der 300 Platinen zu löten, brauche man vier Stunden, verdeutlicht er.

Wie von Geisterhand

Doch heute genügt ein Druck auf die Leertaste des Computers, und wie von Geisterhand beginnen Züge zu rollen. «Im Moment geht es lediglich hin-und-her, weil der Schattenbahnhof noch nicht fertig ist», erklärt Scholl. Das ist jener Teil der Anlage unter der Oberfläche, in dem die Züge bereitgehalten und losgeschickt werden können.

Auch auf der Oberfläche der Anlage gibt es noch viel zu tun: Neben der Berglandschaft fehlen Güterbahnhof und Stadt, und auch der Zirkus Knie soll ein 1,5 mal 1,5 Meter grosses Areal erhalten. Im Endausbau werden die Züge zudem durch alle vier Jahreszeiten fahren. Abrunden wird das ganze ein Hintergrund an den Wänden. «Da gibt es heute ganz fantastische Sachen», schwärmt der «Munibergbahn-Direktor»: Tapeten, die sich von Tag auf Nacht umstellen lassen.

Bereits heute aber zeigt Hans Scholl seine Anlage gerne auf Voranmeldung. Ein Ausflugsziel für alle, die bereits als Knaben mit der Modelleisenbahn spielten, aber nicht die Gelegenheit hatten, ihre Kenntnisse während des Berufslebens so zu verfeinern wie er. Wie schrieb doch der Chefredaktor der Modellbahn-Zeitschrift «Loki»: «Wer hier nicht staunt, tickt irgendwie falsch!»

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