Schorenweiher
Eine Knochenarbeit mit tierischen Gaffern

Bei der alljährlichen Reinigung des Schorenweihers werden 27 Kubikmeter Schlamm entfernt. Dazu mussten die rund die rund 120 Karpfen aus dem Teich gefischt und eine Nacht in blauen Behältern verbringen.

Hans Mathys
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Werkhofmitarbeiter putzen den Schorenweiher. Fotos: hml

Werkhofmitarbeiter putzen den Schorenweiher. Fotos: hml

Solothurner Zeitung

Der Schorenweiher ohne Wasser. Dieses überraschende Bild bot sich in diesen Tagen den Passanten. «Wir haben das Wasser für die alljährliche Reinigung in den zwei mit Gittern versehenen Ausläufen abgelassen», klärte Peter Schnyder neugierige Besucher auf. Er ist seit rund einem Vierteljahrhundert Weiher-Wärter und somit quasi der «Mister Schorenweiher». Hauptakteur dieser Knochenarbeit ist der Werkhof der Stadt Langenthal mit seinen tüchtigen Leuten unter der Leitung von Werkhof-Leiter Hanspeter Zingg.

Zuerst wurden jene Bäume und Gebüsche in unmittelbarer Nähe zum Weiher geschnitten. Peter Schnyder, der wie Werner Ingold (Präsident der Schorenweiherkommission) nur einen Steinwurf vom Weiher entfernt wohnt, fischte mit zwei Netzen unterschiedlicher Grösse bewaffnet die rund 120 Karpfen aus dem Teich. Dies noch knapp, ehe der Teich ganz wasserlos war. Dabei erhielt der Vizepräsident der Schorenweiherkommission Unterstützung von seinem Vorstandsmitglied Beat Leuenberger.

Eine Nacht im blauen Becken

Die Karpfen verbrachten eine Nacht lang in einem blauen Behälter. Ein paar Karpfen holte Fischereiaufseher Samuel Kaderli (Lotzwil), um diesen in der Aare eine neue Heimat zu bieten. «Im Schorenweiher haben wir ausschliesslich Karpfen. Wir haben es auch schon mit Forellen versucht, aber für diese ist im Sommer das Wasser zu warm», verrät der 71-jährige Peter Schnyder, der weiss, dass der Schorenweiher erstmals 1936 schriftlich erwähnt wurde und von der heimischen Brauerei als Eisweiher genutzt wurde.

Aus alten Zeiten gibt es auch noch ein Schwarz-Weiss-Bild und ein Verbot vom 28. August 1944: «Der ornithologische Verein von Langenthal und Umgebung, als Pächter des der Einwohnergemeinde Langenthal gehörenden Areals Schoren-Weiher Parzelle No. 328 lässt hier das ganze Areal unter Androhung einer Strafe von Fr. 1.- bis Fr. 40.- gegen jede Besitzesstörung verbieten. Besonders verboten wird jedes Übersteigen der Umzäumung, ebenso Schlittschuhlaufen auf dem Weiher.» Weiherwärter Peter Schnyder ist froh, dass der Schorenweiher bisher von Vandalenakten verschont geblieben ist. «Einmal fanden wir eine Baustellenlampe im Wasser, einmal ein Velo», nennt er die fast einzigen Vorkommnisse.

Der Lauf der Natur

«Der Schorenweiher wird zu jeder Jahreszeit besucht – vor allem bei schönem Wetter und von Familien mit Kindern, die sich zudem beim nahen Spielplatz aufhalten», so Schnyder. Den Besuchern stellt er ein gutes Zeugnis aus. Wenn, was ab und zu vorkomme, eine tote Ente im Wasser oder ein toter Vogel in der Voliere festgestellt werde, erhalte er von besorgten Leuten einen Telefonanruf. Zu bedauern sei, wenn Wassergeflügel wie im Frühling dem Marder zum Opfer fallen würden oder – wie vor zwei Wochen – sich der Fuchs die fünf Hühner geschnappt habe. Zurzeit betrage die Anzahl an Wassergeflügel zirka 50. Enten würden 20 Jahre alt, Gänse noch älter.

Diese liessen sich nicht von den Arbeitern des Werkhofes beeindrucken, als diese den Grund des Weihers säuberten und der Chauffeur der Firma Landolt AG mit vier Saugwagen-Fahrten rund 27 Kubikmeter Schlamm – vor allem Kot der Tiere – in die Risigrube abführte. Schnyder nutzte die Putzete dazu, auch die Ringleitung und anderes zu kontrollieren und säubern.

Anschliessend konnte die Reinigung abgeschlossen werden und Schnyder das vom Reservoir bezogene Wasser – rund 30000 Kubikmeter – in den Weiher lassen, der kein Betonfundament benötigt. Schnyders Begründung: «Der Schoren-Lehm ist undurchlässig.» Im Jahr 2010 hat er mit dem Springbrunnen 16072 Kubikmeter Wasser zur Erneuerung dem Weiher zugeführt. Könnte man diesen Springbrunnen als Attraktion nicht mal so kräftig aufdrehen wie im Schwimmbad? «Das wäre übertrieben», winkt Schnyder schmunzelnd ab. Er ist froh, dass die diesjährige Weiher-Putzete reibungslos verlief und sich das Wassergeflügel wieder auf und die Karpfen im Wasser tummeln können.

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