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Der «Hauspianist» des Altersheims Scheidegg wird heute 90

Bruno Brunner lebt seit vier Jahren mit seiner Frau, mit der er seit 1948 verheiratet ist, im Altersheim. Seinen Flügel hat er mitgenommen. Denn noch länger als die Liebe zu seiner Frau dauert diejenige zur Musik.

Irmgard Bayard
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Bruno Brunner an seinem Flügel in der «Scheidegg». iba

Bruno Brunner an seinem Flügel in der «Scheidegg». iba

Solothurner Zeitung

Der 90-jährige Bruno Brunner ist vor etwas mehr als vier Jahren dorthin zurückgekehrt, wo er aufgewachsen ist: nach Herzogenbuchsee. Im Alterszentrum Scheidegg bewohnen er und seine Frau je ein Zimmer. Verheiratet sind die beiden seit 1948. Sie lebten viele Jahre in Huttwil, wo er als Jurist tätig war.

Noch länger als die Liebe zu seiner Frau dauert diejenige zur Musik. «Ich war etwa sieben- oder achtjährig, als wir vom Thurgau her nach Herzogenbuchsee umzogen», erzählt er. In der dritten Klasse sei er gewesen, als er mit dem Klavierunterricht begonnen habe, sagt Brunner. «Ich hatte eine sehr gute Lehrerin, die mit uns jeweils einen Musikabend durchführte. Jeder spielte so gut er konnte, von der Tonleiter bis zur Beethoven-Sonate.»

Nach der Sekundarschule wechselte der Bursche ans Gymnasium nach Burgdorf und trat in eine Studentenverbindung ein. «Mein Cerevis, also mein Studentenname war Bunz. Das war denn auch gleich der Name meiner ersten Band: Bunz-Boys.» Die fünf Musiker spielten während der Gymi-Zeit und während des Studiums Tanzmusik. Seine Liebe gehört aber seit jeher der klassischen Musik.

Jeden Freitag wird geprobt

Im Altersheim Scheidegg traf er die Aktivierungstherapeutin Stéphanie Schafer, die «fürs Musikalische und Gesellschaftliche» zuständig ist. «Sie spielt Flöte und war froh, dass endlich jemand da war, der sie musikalisch begleiten konnte», erzählt der rüstige Mann, «und der erst noch einen Flügel mitbringt.» Seitdem sind die beiden ein eingespieltes Team.

«Wir treffen uns jeden Freitag um 8.30 Uhr zum gemeinsamen Proben», sagt Brunner. Diese finden in einem dem Speisesaal angrenzenden Raum, dem Musikzimmer statt. Gemeinsam spielen sie dann bei besonderen Gelegenheiten, etwa an der Weihnachtsfeier, zum Neujahr oder sonstigen Anlässen. «Wenn jemand stirbt, findet bei uns eine Abdankung statt. Dann spiele ich dazu die Begleitmusik», erzählt Brunner. Das habe aber nichts mit der offiziellen Abdankungsfeier der Kirche zu tun, betont er. Wenn der Pfarrer komme, habe dieser meistens eine eigene Organistin dabei.

«Ich habe nie aufgehört zu spielen, deshalb habe ich es auch nicht verlernt», sagt Bruno Brunner, der immer wieder betont, nur Amateur zu sein. Seine Frau Anna, eine Bauerntochter aus der Oschwand, spielte zwar ebenfalls Klarvier, als Hausfrau und Mutter aber nicht mehr regelmässig.

Die Liebe zur Musik vererbt

Die Liebe und das Talent zur Musik haben die beiden weitervererbt. Ihre ältere Tochter, die im Welschland lebt, studierte Musik und ist heute Chefin der Streicher in einer Musikschule, wie Bruno Brunner stolz erklärt. Die zweite Tochter – sie lebt bei Genf – nahm ebenfalls Klavierstunden und spielt Orgel. Die Enkelin, Juristin wie der Grossvater, führt die Musiktradition zu seiner Freude weiter.

Heute nun feiert Bruno Brunner seinen 90. Geburtstag. Zwar ohne seine Töchter, die derzeit im Ausland weilen, dafür mit einem alten Freund aus Kindertagen, den er jetzt in der «Scheidegg» wiedergetroffen hat. «Der Kreis schliesst sich», wie Brunner treffend sagt.

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