Der Hattrick eines Unbequemen

Der Bergdietiker Jodok Huber tritt kommende Woche in Frauenfeld zu seinem dritten und letzten Eidgenössischen Schwingfest an ür den aus urbaner Herkunft stammenden Jodok Huber war und ist die Schwingerwelt nicht immer schlüssig. Doch der Quereinsteiger hat sich zurechtgefunden und es mit der neuerlichen Qualifikation für das Eidgenössische allen gezeigt.

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Von Raphael Biermayr

Ein Spruch hier, ein Schwatz da. Und ein Lästern dort, vorzugsweise über ein bestimmtes Mitglied der Einteilungskommission. Jodok Huber ist in seinem Element, wenngleich die äusseren Bedingungen nicht stimmen mögen, mit Nebel und Nieselregen. In der Enge des Bachtelschwingets fühlt sich der stämmige Hüne wohl. Im Gegensatz zu anderen Kranzschwingern, die sich nach ihren Gängen zurückziehen, bleibt Huber auf dem Schwingplatz, feuert Vereinskollege Thomas Kammermann an, tauscht sich mit Kollegen aus seinem Teilverband aus, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen.

«Ich sage den Leuten ins Gesicht, was ich von ihnen halte», sagt Huber, der Unbequeme. Er spricht wie einer, der nichts zu verlieren hat. Und das mit Recht.

Nach zweijähriger Pause hat der in der Zürcher Agglomeration aufgewachsene, seit einigen Jahren in Bergdietikon wohnhafte Turnerschwinger ein Comeback hingelegt, das ihm keiner zugetraut hätte. Auch er selbst nicht in dieser Geschwindigkeit. Er gewann untere anderem das Thurgauer Kantonalfest und holte den Kranz am Schaffhauser Kantonalen. Früh war klar: Huber schafft den Hattrick - er ist zum dritten Mal für das Eidgenössische qualifiziert. Sein Ziel: der erstmalige Kranzgewinn und der damit verbundene Titel eines «Eidgenossen».

Der bald 31-Jährige hat wegen seiner Herkunft und dem Verlauf seiner Karriere einen Ausnahmestatus, dem er sich bewusst ist. Er verweist mit Stolz darauf, dass er nichts mit Schwingen am Hut hatte, bevor er im Jahr 2002 als 22-Jähriger vom Krafttraining und Handball herkommend in den Zürcher Schwingklub Glatt- und Limmattal eintrat.

Seither verpasste Huber fast drei ganze Saisons: 2006 wegen eines Beinbruchs, 2008 und 2009, weil er nach einer seiner Ansicht nach unfairen Einteilung nach dem Zürcher Kantonalfest frustriert zurückgetreten war. Und nun nimmt Huber bei seinem Comeback zum dritten Mal an einem Eidgenössischen teil. Wieso er zurückgekommen ist? Nicht des Eidgenössischen wegen, sondern aus Trotz und auch aus Loyalität. «Ich wollte es einigen Leuten von damals zeigen», sagt Huber unverblümt, und ergänzt: «Dani hat mich schliesslich überredet». «Dani», mit Nachnamen Buchli, ist Technischer Leiter im Schwingklub Glatt- und Limmattal.

Wenn sich ein Sturkopf wie Jodok Huber zu einem Comeback überreden lässt, dann nur unter dem Vorbehalt, keine Kompromisse einzugehen. Er engagierte auf eigene Rechnung einen Privattrainer (Kurt Haldemann) und bestreitet diese Saison so intensiv wie keine zuvor, auch und gerade im mentalen Bereich.

Dass Huber in Frauenfeld zum letzten Mal an einem Eidgenössischen teilnimmt, steht für ihn fest. Möglicherweise endet seine aussergewöhnliche Karriere damit ganz.