Post
Bissiger Hund wurde Freund

46 Jahre arbeitete Peter Pärli für die Post, davon genau 20 Jahre als Poststellenleiter in Mühledorf. Heute Dienstag ist er das letzte Mal hinter dem Schalter anzutreffen.

Merken
Drucken
Teilen
Peter Pärli

Peter Pärli

Solothurner Zeitung

Agnes Portmann-Leupi

Eines ist sicher. Der Unkenruf «Hundebisse und Uniformen» lastet nicht auf Peter Pärli. In den 46 Jahren bei der Post hat ihn kein einziger Hund gebissen. Bei der Poststellenübernahme in Mühledorf vor genau 20 Jahren habe ihn zwar der Vorgänger auf einen uniformversessenen Hund aufmerksam gemacht. Den Ratschlag, nicht aus dem Auto zu steigen, sondern zu hupen, bis jemand komme, befolgte er jedoch nicht. Er deckte sich mit Hundebiskuits ein und der Hund wurde zu seinem Freund.

Während ungefähr 15 Jahren gehörten zu Peter Pärlis Aufgaben als Posthalter auch die Postzustellung. Gleichzeitig unterlagen ihm die Poststellen Lüterswil und Küttigkofen. Seine Ehefrau Ursula unterstützte ihn bei all den Arbeiten. Mit dem Postneubau in Mühledorf im Jahr 1991 führte Peter Pärli auch die neu integrierte Ablage der Spar- und Leihkasse Lüterswil als Filialleiter. Bis zum eigenen Hausbau lebte die Familie mit den beiden Söhnen im Postgebäude.

Zupacken und zuhören

Der Aufwand in Mühledorf erhöhte sich mit den Schliessungen der umliegenden Poststellen. Als Folge mussten die Aufgaben zweigeteilt werden. Der Poststellenleiter versah fortan sämtliche Arbeiten rund um den Schalterdienst, die Zustellung ging an die Postmail über. Heute wird ein Grossteil des Bucheggbergs von Mühledorf aus bedient.

Keine Post mehr auszutragen, bedeutete für Peter Pärli die einschneidendste Veränderung. «Ich vermisste den Kontakt mit den Leuten sehr», erzählt er. Kontakt hiess für ihn auch zugreifen und zuhören. So hängte er etwa älteren Leuten Vorfenster auf, trug Holz in die Küche oder probierte den eben frisch gebackenen Kuchen. Die Leute erzählten ihm nicht nur vertraute Sachen, sondern gaben ihm auch Geld und Bankbüchlein mit für Einzahlungen. Peter Pärli schildert die anfänglich äusserst aufwändige Arbeit, als er für die Buchhaltung noch handschriftlich ein Hauptbuch zu führen und Ende Monat zur Kontrolle nach Basel zu senden hatte. Eine unheimliche Zeitersparnis sei mit der Elektronisierung eingetreten.

Bodenständige Ausbildung

Peter Pärlis Ausbildung begann im Jahr 1963 als Gehilfenanwärter in Gelterkinden. Später arbeitete er als Gehilfe 1 obD (ohne bestimmten Dienstort) und als Bürogehilfe in Basel. Dabei erinnert er sich mit Freude an die Arbeit am Bahnhof mit dem Elektroschlepper zurück und an die gute Kameradschaft. Nach einem Jahr als Postbote in Oberwil BL wechselte er nach Solothurn. Bürogehilfe, Zustellbeamter, Expressbote und Lastwagenführer gehörten zu seinem Aufgabengebiet. «Als schönste Zeit habe ich die zehn Jahre in Erinnerung, als ich Lastwagen gefahren bin», bemerkt er. Noch heute träfen sich die Ehemaligen jährlich einmal. Diese Zeit, aber auch Musse fürs Wandern und Velofahren, wird sich der 62-Jährige auch in Zukunft nehmen. Seine Nachfolge in Mühledorf ist mit Annemarie Trachsel aus Solothurn gesichert.