Ferienpass
Bei Regen bleiben die Nachtschwärmer zu Hause

Bei Fledermäusen gilt oft: Was für die einen ein Grauen, ist für die anderen Faszination. So auch beim Ferienpass Langenthal.

Marisa Cordeiro
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Eine Zwergfledermaus in Pflege. zvg

Eine Zwergfledermaus in Pflege. zvg

Solothurner Zeitung

Zu Spekulationen gab es keinen Anlass: Die nächtlichen Ausflüge fielen aus – sowohl für die Fledermäuse, als auch für die Besucher des Ferienpasses Langenthal. Am frühen Mittwochabend hatte es bei nicht allzu sommerlichen Temperaturen beträchtlich geregnet, was Bedingungen schuf, welche die «Vampirchen» meiden. «Sie werden ihr Quartier frühestens nachts um ein oder zwei Uhr noch kurz für ein paar Happen verlassen», prognostizierte Fachmann und Kursleiter Christian Boss. Mehr sei nicht zu erwarten.

Diese Aussage löste in der kleinen Runde Enttäuschung aus, bei manchen flossen sogar die Tränen und andere verabschiedeten sich denn auch gleich wieder. Bei Nacht, ausgerüstet mit Taschenlampen, in den Himmel über St.Urban zu schauen und die Schemen der lautlosen Nachtjäger zu beobachten, wäre definitiv ein Höhepunkt gewesen.

Um die Neugier der Unerschütterlichen dennoch zu stillen, berichtete Boss im reformierten Kirchgemeindehaus in Roggwil von seinen Erfahrungen mit den geflügelten Säugetieren. Einmal sei er beispielsweise von einer Frau gerufen worden, die den bemerkenswerten Fund von zehn Fledermäusen in ihrem Heizofen gemacht hatte – dies, nachdem ihre Hauskatze lange Zeit nicht mehr von der Stelle gewichen sei.

Schornsteine sind Fallen

Illustriert mit Dias erklärte Boss, dass Schornsteine und Abluftrohre für Fledermäuse Fallen darstellten, während etwa Firstziegel, Rollladenkästen und Fensterläden gern bewohnte Quartiere seien. Es komme daher nicht selten vor, dass die Fledermäuse vor der Familie in ein neu gebautes Haus einzögen. Diese Information regte da gebliebene Väter zum Denken an, wie einer von ihnen schmunzelnd zugab. Die Feststellung, dass das vor zwei Jahren erbaute Eigenheim mit Rollladenkästen ausgestattet wurde, könnten die Chancen für den Sohnemann gesteigert haben, demnächst doch noch Fledermäuse zu beobachten.

Boss erzählte über die Jagd- und Fressgewohnheiten der gleichsam gefürchteten wie beeindruckenden Tiere; über die Echoortung und die Aufzucht der Jungen in Wochenstuben, während die ebenfalls noch jungen Zuhörer schon fast andächtig auf ihren Stühlen sassen und den Berichten und Dias folgten. Eine Atmosphäre, von der Hochschuldozenten oft nur träumen können.

Laurin (acht Jahre) aus Lotzwil gab schliesslich Auskunft, dass die Schule sein Interesse für die Fledermäuse geweckt habe. Dass die Tiere einen Furcht einflössenden Anblick hätten, verneinte er vehement: «Sie sind interessant und gefallen mir.» Luana (acht Jahre) aus Bützberg derweil gab zu, dass ihr Ponys wesentlich besser gefielen. Den Kurs habe sie dennoch gerne besucht. Ihr kleinerer Bruder finde grossen Gefallen an den Fledermäusen. Sie wisse ihm nun einiges über seine Lieblingstiere zu berichten, sagte Luana.

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