Ständerat
Barbara Schmid-Federer: Die mustergültige Wahlkämpferin

Vor acht Jahren erwies sich Barbara Schmid-Federer als aktive und einfallsreiche Wahlkämpferin.Nun erhält sie voraussichtlich Gelegenheit, ihr Geschick erneut unter Beweis zu stellen

Thomas Schraner
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Nimmt für sich in Anspruch, den Anstoss dafür gegeben zu haben, dass der Bund ersteMassnahmen gegen Cybermobbing aufgegleist hat: Barbara Schmid-Federer.

Nimmt für sich in Anspruch, den Anstoss dafür gegeben zu haben, dass der Bund ersteMassnahmen gegen Cybermobbing aufgegleist hat: Barbara Schmid-Federer.

KEYSTONE

Auch die CVP will bei den Zürcher Ständeratswahlen mitmischen. Am Donnerstag nominieren die Delegierten voraussichtlich Nationalrätin Barbara Schmid-Federer aus Männedorf. Die Chancen der 49-jährigen Politikerin, Romanistin, Haus- und Geschäftsfrau sind zwar minim, aber sie und ihre Partei wollen die Chance nicht verpassen, sich im Ständeratswahlkampf im politischen Schaufenster zusammen mit den Hauptrivalen von SVP, SP, und FDP präsentieren zu können.

Beachtung hat die CVP bitter nötig – trotz ihres jüngsten Erfolges bei den Zürcher Regierungsratswahlen. Bei den Nationalratswahlen 2011 verlor die Zürcher Delegation ihren dritten Sitz. Der Wähleranteil fiel von 7,2 (2007) auf 4,78 Prozent (2011) zurück. Ausgerechnet Nationalrat Urs Hany, der als Ständeratskandidat und Wahlkampfleiter angetreten war, musste über die Klinge springen.

Die verbleibenden zwei CVP-Nationalrätinnen heissen Kathy Riklin und Barbara Schmid-Federer. Da Riklin schon einmal Ständeratskandidatin sein durfte (2007), ist es naheliegend, diesmal Schmid-Federer auf den Schild zu heben – zumal die CVP aktuell ohnehin auf den Frauenbonus setzt. Die aussichtsreichen Ständeratskandidaten sind alle männlich. Einzig die EVP bringt mit Maja Ingold ebenfalls eine Frau.

Grossaufwand 2011

Barbara Schmid-Federer gehört trotz ihres Nationalrats-Mandats nicht zu den sehr bekannten Politikerinnen im Kanton Zürich. Das mag daran liegen, dass sie nie Kantonsrätin war – im Gegensatz zu ihrem Ehemann, dem Apotheker Lorenz Schmid (CVP). Zur Überraschung vieler schaffte sie es 2007 trotzdem in den Nationalrat. Den Grund dafür orteten Beobachter in einem ausgesprochen engagierten und geschickten Wahlkampf. Beschrieben hat dies Marc Balsiger in seinem 2011 erschienenen Buch «Wahlkampf – aber richtig».

Ins Auge stach etwa Schmid-Federers Plakat mit der Aufschrift «Barbara is Bundeshus». Es zeigte unüblicherweise zwei Zeichnungen, eine von Männedorf und eine vom Bundeshaus. Die Gratiszeitung «20 Minuten» fand das Plakat so originell, dass sie es im redaktionellen Teil abdruckte. Schmid-Federer und ihr Mann – das Ehepaar führt eine Apotheke in Zürich – sorgten auch dafür, dass in verschiedenen Apotheken im Kanton Kleinplakate auflagen.

Stillzonen lanciert

Schmid-Federer erwies sich zudem als reaktionsschnell, als es darum ging, ein emotional aufgeladenes Thema auszuschlachten. Wiederum die erwähnte Gratiszeitung brachte eine Geschichte über eine stillende Frau, die aus einem Restaurant gewiesen wurde, was für Empörung sorgte. Flugs lancierte Schmid-Federer sogenannte «Stillzonen» in Apotheken, eine Idee, die erneut in Gratismedien Echo fand.

Schmid-Federer betätigte sich ausserdem als Leserbrief- und Blogschreiberin, nahm an Standaktionen teil, trat an Podien auf und verteilte Propagandamaterial in eigener Sache in die Briefkästen. «Ich war abends oft so fertig, dass ich fast nicht mehr konnte», liess sie sich in Balsigers Buch zitieren.

Heute sagt sie: «Ich musste 2007 als Quereinsteigerin innovativ sein.» Innovativ war damals etwa, dass sich Schmid-Federer ein Facebook-Profil zulegte: «Ich war wohl die erste, die Soziale Medien im Wahlkampf einsetzte.» Fazit: Die Latte für einen erfolgreichen Wahlkampf hat die CVP-Frau vor acht Jahren selbst recht hoch gelegt. Falls die Delegierten sie nun in den Ständeratswahlkampf schicken, erhält sie Gelegenheit, ihr Talent erneut unter Beweis zu stellen. Was sie genau vorhat, will sie noch nicht verraten. «Wir sind schon seit längerem daran, Ideen zu sammeln.»

Alter und Pflege im Fokus

Thematisch will sich die studierte Romanistin, die früher als Mittelschullehrerin arbeitete und heute als Präsidenten des Roten Kreuzes Kanton Zürich amtet, unter anderem auf die Altersvorsorge und -pflege fokussieren. Würdige Pflege im Alter, Pflegeberufe aufwerten und Sicherheit im Alter sind einige Stichworte.

Zu ihren bisherigen thematischen Schwerpunkten im Nationalrat zählt Schmid-Federer den Jugendschutz im Internet. Sie nimmt für sich in Anspruch, den Anstoss dafür gegeben zu haben, dass der Bund zum Beispiel erste Massnahmen gegen Cybermobbing aufgegleist hat. Das Thema interessiert sie auch als Familienfrau. Sie hat zwei Söhne im Alter von 16 und 19 Jahren.

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