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«Auf dass sich der Nebel lichte»

Massig Unterschriften gabs gestern für Stadtpräsident Kurt Fluri: Für die Sanierung des Stadttheaters waren 1722 Unterschriften gesammelt worden, für die Erneuerung des Lernschwimmbeckens im Schulhaus Hermesbühl 1149. Fluris Sympathien haben beide Anliegen.

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Solothurner Zeitung

Regula Bättig

Am Solothurner Herbstwetter lags für einmal nicht, dass Stadtpräsident Kurt Fluri gestern Mittag im Nebel stand. Viel eher an den Petitionen, die ihm überreicht wurden. Die sind nämlich nicht ganz ohne: 1722 Unterschriften kamen für die Sanierung des Stadttheaters zusammen, 1149 für die Erneuerung des Lernschwimmbeckens im Schulhaus Hermesbühl. Beide Petitionen waren Reaktionen darauf, dass der Gemeinderat die beiden Projekte komplett aus dem Finanzplan 2010 bis 2013 gestrichen hatte.

Breit abgestützte Unterstützung

Allein auf den Effekt der grossen Zahlen setzten die Petitionäre allerdings nicht. Sie marschierten mit Bauhelmen, Flügeli und dichten Nebelschwaden ein: «Auf das sich der Nebel lichte und der Umbau beginne», sagte Beat Wyrsch, Direktor des Theaters Biel Solothurn, ins dichte - maschinell erzeugte - Grau. «Denn wir machen uns grosse Sorgen, das alles beim Alten bleibt.» Und damit sei man nicht allein: Das Solothurner Theater sei vielen ein Anliegen, wie die Zahl der Unterschriften zeige. Namhafte Theaterleute und Politiker hätten sich ebenfalls zu Wort gemeldet, sagte Wyrsch. «Sogar vom Bayerischen Staatstheater München ist ein Brief eingegangen.»

Da man wisse, dass der Stadtpräsident eigentlich ein offenes Ohr für ihr Anliegen habe, wolle man ihn ein wenig unterstützen, sagte Katharina Rupp vom Theater und versorgte Kurt Fluri mit einer Ladung Energieriegel und Energy-Drinks. «Damit Sie genug Kraft haben, die Debatten im Gemeinderat und innerhalb der eigenen Partei durchzustehen.»

Niklaus Stuber, Sprecher der flügeli- und flossenbewehrten «Schwimmbad-Fraktion» blies in ein ähnliches Horn. «Wie das Stadttheater ist auch das Lernschwimmbecken sehr baufällig», stellte er fest. Und es sei Aufgabe der Stadt, dieses zu erhalten. «Zum einen wegen der Kinder, denen man sonst eine Möglichkeit nimmt, Schwimmen zu lernen, aber auch wegen der Vereine.» Welchen Stellenwert das Bassin für die Bevölkerung habe, zeige die Unterschriftensammlung: «Es sind nicht einfach 1149 Unterschriften», sagte er, «sondern 1149 Unterschriften von über 18-jährigen Solothurnern - also von mehr als einem Zehntel der Stimmberechtigten.»

«Mich brauchen Sie nicht zu überzeugen», sagte Kurt Fluri. «Sie wissen, dass sie mit ihren Anliegen bei mir offene Türen einrennen.» Zudem sei er froh über das Echo: «Gäbe es keines, würde es zeigen, dass weder Theater noch Lernschwimmbecken ein Bedürfnis sind.» Obschon der Gemeinderat die beiden Projekte aus dem Finanzplan gekippt habe, sei er überzeugt, dass beides realisiert werde.

Mit Varianten in den Gemeinderat

In beiden Fällen seien nun «abgespeckte» Varianten erarbeitet worden, die dem Gemeinderat im November mit dem Budget vorgelegt würden. So könne man sich beim Theater auf das Hauptgebäude konzentrieren. «Aber in einigen Jahren wird auch der Rest ein Thema werden und dann wirds sicher teurer.»

Im Falle der Turnhallen und des Lernschwimmbeckens Hermesbühl bestehe die Möglichkeit, lediglich die Turnhallen zu bauen. «Das kann man machen», sagte Fluri. Wie dienlich dies sei, sei allerdings fraglich. «Zumal uns die Fachhochschule den Nutzungsvertrag für das Hallenbad gekündet hat und wir künftig mehr bezahlen werden.» So oder so sehe er ohne Lernschwimmbecken schwierige Zeiten für die Vereine kommen: «Die wohl einzige Alternative für die Rheumaliga ist dann das ‹Freubad› in Recherswil - was zwar positive Auswirkungen auf die Zahl der Mitglieder haben könnte, aber dennoch nicht ganz sinnvoll wäre», meinte er leicht schmunzelnd.

Es hänge nun alles von der Weitsicht des Gemeinderats ab: «Entweder wir bauen kurzfristig günstig, dafür langfristig teurer, oder wir gehen die Sache trotz schlechten Zahlen wie geplant an.» So oder so gelte es in beiden Fällen nicht nur im Gemeinderat, sondern auch an der Gemeindeversammlung wie der Urne einen Konsens zu finden.

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