Fussball
Alex Frei sieht bei den Senioren Rot: «Ich bin doch kein Masochist!»

Alex Frei fliegt bei den Senioren im Spiel seines FC Biel-Benken gegen den FC Allschwil vom Platz. Da die Gegenspieler ihn bei den Amateuren immer wieder hart attackieren, denkt er jetzt über den Rücktritt nach.

Sebastian Wendel und Etienne Wuillemin
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Alex Frei missfällt die harte Gangart bei den Senioren.

Alex Frei missfällt die harte Gangart bei den Senioren.

Mario Heller

Dienstagvormittag auf dem FCB-Nachwuchscampus: Bei herrlichem Herbstwetter trainiert Alex Frei mit den U14-Junioren. Wie es sich für den Nati-Rekordtorschützen (42 Tore in 84 Spielen) gehört, steht Torschusstraining auf dem Plan. Frei lobt, Frei kritisiert – und Frei kann es nicht lassen, immer wieder selber aufs Tor zu ballern.

Dabei beweist er, dass die Treffsicherheit aus früheren Jahren nicht verloren ist. Frei ist in seinem Element. «Das Training mit den Kids macht mir sehr viel Freude», sagt er und begrüsst uns mit warmen Worten.

Das "Legendenspiel": Marco Streller gegen Alex Frei
10 Bilder
Umziehen im Schulhaus – dann ab über eine frisch geteerte Strasse. Das neue Leben von Fussball-Senior Marco Streller.
Marco Streller und seine neuen Teamkollegen warten in Biel-Benken auf Gegner Alex Frei.
Ausnahmezustand in Biel-Benken: Die Zaungäste sind in Scharen zum Duell der Legenden gekommen.
Marco Streller neu bei YB? Nein, auch Dornach trägt Schwarz-Gelb.
Ein ausgewechselter Biel-Benken-Senior gönnt sich hinter der Ersatzbank erstmal eine Zigi.
Schweinehaufen! Für die Kids am Spielfeldrand ist das Spielgeschehen allerhöchstens sekundär.
Alarm! Alex Frei sprintet im FCB-Trainer mit einer halben Stunde Verspätung aufs Feld ...
... und zieht sich schnurstracks vor aller Augen um.
Alex Frei reisst das Spieldiktat bei Biel-Benken an sich – bleibt aber lange glücklos.

Das "Legendenspiel": Marco Streller gegen Alex Frei

watson.ch

Frei strahlt. Nichts zu spüren von den turbulenten Szenen drei Tage zuvor auf dem Sportlatz «im Brüel» in Allschwil – mit Frei in der Hauptrolle. Rückblende.

Am Samstagnachmittag gastiert Frei mit den Senioren des FC Biel-Benken in Allschwil. Das Spiel läuft wie geschmiert für den ehemaligen Dortmund- und FCB-Star, nach 70 Minuten netzt Frei bereits zum dritten Mal ein – 5:1 für Biel-Benken.

Doch Frei kann sich über seinen Hattrick nicht freuen. Der Grund: Immer wieder steigen die Allschwiler überhart in die Zweikämpfe gegen den früheren Nati-Captain, Frei hat Angst um seine Gesundheit.

In seiner typischen Art ruft er zum Schiedsrichter: «Nimm schon mal die Karte zur Hand!» Im nächsten Duell ist es dann Frei, der zulangt und dem Gegenspieler wehtut. Der Schiedsrichter zögert keine Sekunde und zückt Rot. Fluchend verlässt Frei nach 76 Minuten den Platz und düst ab nach Hause.

Frei lacht über die Rote Karte

Frei lacht erst, als wir ihn auf seinen Platzverweis ansprechen. Doch dann verfinstert sich seine Miene, angesäuert sagt er: «Ich bin doch kein Masochist! Hätte ich diese Veranlagung, würde ich bis an mein Lebensende bei den Senioren weiterspielen.»

Während er beobachtet, wie seine Junioren trotz Trainingsende weiter aufs Tor schiessen, redet sich Frei in Rage: «Ich komme mir vor wie Freiwild. Dabei will ich doch nur Spass haben auf dem Platz.»

Dass der Schiedsrichter ihn am Samstag vom Platz stellte, findet Frei völlig übertrieben: «Der Spruch mit der Karte war witzig gemeint. Leider war der Schiri dann etwas übermotiviert – die gelbe Karte hätte gereicht.»

Der Trainer der Senioren von Biel-Benken heisst Romano Früh. Er bläst ins gleiche Horn wie sein prominenter Stürmer: «Auf dem Platz ist Alex häufig Freiwild. Er wird in gewissen Spielen wieder und wieder gefoult. Irgendwann reicht es ihm eben auch einmal. Darum hat er sich wohl zu diesem Foul hinreissen lassen.»

Allschwil-Trainer Rocco Verrelli plädiert dafür, den Ball flach zu halten. «Ich habe schon einiges gesehen im Fussball, die Geschehnisse am letzten Samstag waren nicht aussergewöhnlich. Einzig der Name des vom Platz Verwiesenen ist vielleicht speziell.»

Ob seine Spieler Frei provoziert hätten und was genau geschah, daran will sich Verrelli nicht erinnern, «wir haben nicht mehr darüber gesprochen». Als er jedoch hört, dass Vertreter von Biel-Benken forderten, die Schiedsrichter sollen Spieler wie Frei mehr schützen, sagt er: «Warum soll man jemanden mehr schützen? Es sollen alle dasselbe Recht geniessen.»

Wie lange quält sich Frei noch?

Seit 2013 spielt Frei für die Senioren und bekommt die rauen Sitten bei den Amateuren zu spüren. Vor einem Jahr brach er sich im Spiel gegen Breitenbach bei einem Zusammenprall das Jochbein und musste sich operieren lassen. Augenzeugen von damals berichten: «Das Vergehen umschreibt man wohl am besten mit ‹nahe an grobfahrlässig›. Es war keine Absicht, aber die Verletzung wurde in Kauf genommen.»

An Alex Frei scheiden sich bis heute die Geister. Die einen huldigen ihm für seine Verdienste für den Schweizer Fussball. Die anderen sehen in ihm den unsympathischen Ehrgeizling. Steigen die Gegenspieler gegen Frei absichtlich hart in die Zweikämpfe? Nach dem Motto: Jetzt sage ich ihm mit den Eisenstollen, was ich von ihm halte.

Frei will niemanden vorverurteilen. Doch etwas falle ihm auf: «Die Attacken gegen mich und das Reklamieren beim Unparteiischen, er würde das Team um Alex Frei bevorzugen, erlebe ich nur gegen schweizerische Mannschaften. Die Vereine mit hohem Ausländeranteil haben viel mehr Respekt, sie reichen nach einem Foul die Hand und entschuldigen sich.» Eine Einschätzung, die Trainer Romano Früh teilt.

Zurück zum Spiel Allschwil gegen Biel-Benken. Der Schiedsrichter der Partie und der Nordwestschweizer Fussballverband wollten sich auf Anfrage nicht äussern.

Heute soll das Strafmass ausgesprochen werden – Frei drohen bis zu vier Spielsperren. Er sagt, in diesem Jahr werde er nicht mehr auflaufen. Im Frühling versuche er es nochmals – gehe die Jagd auf ihn dann weiter, höre er auf. «Ich bin doch kein Masochist!»