Pontonierfahrverein
Weserfahrt des Pontonierfahrvereins Aarau

Hannoversch Münden bis Hameln

Marcel Siegrist
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Die gut gelaunte Pontonierschar tritt die Reise mit der Deutschen Bahn nach Hann. Münden an. Mit einem Kleinbus werden zwei Übersetzboote und das benötigte Material vom Vereinshaus in Aarau zum Vereinshaus des „Mündener Ruderverein E.V." transportiert. Nach dem Zimmerbezug im Hotel „Schmucker Jäger" konnte die Reisegruppe die Kochkünste des Küchenchefs testen. Die Küche übertraf alle Erwartungen, nur die Temperatur des Rotweins musste mit Eiswasser optimiert werden. Er hatte zwar Zimmertemperatur, diese lag jedoch etwa bei 28° C. Dieses Phänomen sollte die ganze Reise eine Begleiterscheinung bleiben.
Während einige die ersten Eindrücke im hoteleigenen Biergarten verarbeiteten, zog es die anderen bereits ein erstes Mal ins deutsche Nachtleben. Nach dem Sieg der Deutschen Nationalelf gegen Argentinien im Viertelfinal der Fussballweltmeisterschaft in Südafrika musste die gute Stimmung im Städtchen ausgenutzt werden. Früher oder später kehrte jedoch in allen Hotelzimmern Ruhe ein.
4. Juli
Hann. Münden - Hann. Münden 10 km (Fulda / 2 Schleusen)
Nach dem Frühstück wurden die Boote ca. 10 Kilometer südlich von Hann. Münden in die Fulda eingewassert. Dieser Tag ist zum Angewöhnen an die kommenden Ruderfahrten bis nach Hameln gedacht. Die beiden Schleusen mit Selbstbedienung waren eine neue Erfahrung. Sie stellten jedoch keine grösseren Hindernisse dar und so waren sie auch nach kurzer Zeit durchfahren. Die kurze Ruderfahrt verlief wie geplant und so konnten die Boote nach zirka zwei Stunden wieder beim Mündener Ruderverein vertäut werden. Die Erhöhung der Bordwand im Bereich der Ruder um 10 cm und die neuen Sitzbänke erhöhen den Komfort für Besatzung und Passagiere gleicher-massen. Auf Grund des hohen Torfgehaltes im Erdreich wirkt das Wasser bräunlich, dies ist für die 18 Teilnehmer noch etwas ungewohnt.
Der programmfreie Nachmittag wurde zur Besichtigung der wunderschönen Altstadt von Hann. Münden genutzt. Die über 700 Fachwerkhäuser bilden eine eindrucksvolle Einheit aus vergangenen Tagen.
5. Juli
Hann. Münden - Bad Karlshafen 45,7 km (Fulda / Weser)
Heute standen über 45 Kilometer auf der Marschtabelle. Voller Erwartungen wurden die Schiffe ausgerüstet und die Sitzbänke bezogen. Die Schiffsbesetzung vom Vortag stellte sich als ausgeglichen heraus und wurde für den Rest der Fahrt beibehalten. Nur gut, dass sich doppelt so viele Vorderfahrer wie Steuermänner an dieser Fahrt beteiligten. Die einen behaupten ja, dass der Vorderfahrer doppelt so viel Kraft aufwenden müsse; die andern wiederum, dass die Steuermänner die bessere Kondition hätten. Dies ist offensichtlich eine Frage des Standpunktes.
Nach kurzer Fahrt wurde die dritte und somit letzte Schleuse dieser Fahrt durchfahren und die Fulda verlassen.

„Wo Werra sich und Fulda küssen
Sie ihre Namen büssen müssen
Und hier entsteht durch diesen Kuss
Deutsch bis zum Meer der Weser Fluss"

Nun konnte die Weserfahrt ab Kilometer Null beginnen. Aus dem bestens verfassten Reiseprogramm wusste die Reisegruppe jederzeit, welche Ortschaft an uns vorbeizog, oder ob hinter der nächsten Biegung wieder eine Fähre zur Überquerung der Weser bereit stand. Die Kapitäne der Fähren waren jeweils hell begeistert von unseren Fernfahrer-Zigarren. Dass jedoch solch träge Boote ohne Motor in der Freizeit bewegt werden sollen, stiess auf wenig Verständnis. Auch die vielen Kanuten unterwegs musterten die „grossen Dinger" eher skeptisch. Was uns jedoch eher erstaunte war, dass nach erblicken der Schweizer Fahne am Heck des einen Bootes uns dauernd „Ricola" zugerufen wurde. Offensichtlich hat diese Werbekampagne in dieser Gegend Eindruck hinterlassen.
Bei Kilometer 24,7 (notabene alle 0,2 km steht eine Tafel am Ufer) legten wir beim Restaurant zur Fähre in Oedelsheim an. Jene, welche trotz Mineralwasser, Rotwein, Speck, Salami, Brot, Zwiebeln und Tomaten von unterwegs bereits wieder Hunger verspürten, wurden auf der schönen Terrasse gut und preiswert verköstigt.
Am Nachmittag überzog sich der Himmel ein wenig und es machte sich ein hartnäckiger Gegenwind bemerkbar. Spätestens jetzt wussten auch unsere Gäste auf der Reise, wieso vorne auf der linken Seite der Boote auch Ruderstricke eingezogen waren. Zu dritt rudernd konnte die Fahrtgeschwindigkeit gut beibehalten werden. Dem Gegenwind getrotzt, legten die Pontoniere zeitlich genau nach Marschtabelle in Bad Karlshafen, dem heutigen Etappenziel, an. Das Wetter hatte sich gut gehalten und so konnte die Gesellschaft das „Hotel am Kurpark" trockenen Fusses beziehen. Konnte dieses Hotel den hohen Standard des vorangegangen halten? - Nicht wirklich, aber für eine Nacht war es allemal recht. Dafür war das angrenzende Solebad eine Wohltat für die beanspruchten Körperteile. Das Becken mit 12%-igem Salzgehalt im Wasser vermittelte einem das Gefühl im Toten Meer zu baden.
Am Abend war der Besuch beim Italiener eine sehr gute Wahl. Das Essen schmeckte vorzüglich, die Bedienung war freundlich und sehr offenherzig. Die Gratisrunde zum Abschluss zeugte von italienischer Gastfreundschaft.
6. Juli
Bad Karlshafen - Höxter 23,3 km (Weser)
Das reichhaltige Frühstücksbuffet überraschte positiv und liess die vergangene Nacht schnell vergessen. In dieser prasselte der Regen kräftig nieder. Rechzeitig zum Sonnenaufgang verzogen sich die Wolken und nur noch die feuchten Strassen und das Wasser in den Booten liessen die nächtlichen Wetterkapriolen erahnen. Frisch gestärkt wurde die Kurzetappe nach Höxter in Angriff genommen. Der Gegenwind freute zwar die vielen Windkraftwerkbesitzer dieser Gegend, nicht aber die Fahrtrupps. So wurde unterwegs in Beverungen eine Verschnauf-pause eingelegt. Die restlichen 10 km waren anschliessend in anderthalb Stunden zurück-gelegt. Am Nachmittag wurde das Kloster Corvey besichtigt.
Das Viersternhotel Niedersachsen verdiente seine Sterne vollkommen. Kurz nach dem Zimmerbezug trafen sich bereits einige Kameraden im hoteleigenen Wellness- und Spa- Bereich wieder. Dabei waren die Anstrengungen der Ruderfahrt schnell vergessen. Das Nachtleben von Höxter wurde genossen, obwohl am kommenden Tag die Abfahrt bereits auf 8:00 Uhr angesetzt war.
7. Juli
Höxter - Bodenwerder 43,2 km (Weser)
Der zweite Tag mit einer Strecke von über 40 Kilometern lag vor uns. Petrus hatte auch heute beste Laune und bescherte uns allerbestes Reisewetter mit 32° C. Dick mit Sonnencrème eingeschmiert und mit Hüten und Schwimmwesten bestückt, wurden die Boote bestiegen. An der Abtei Corvey und der Stadt Holzminden vorbei steuerten die Bootsführer zur Mittagsrast in Polle das Restaurant Weserterrasse an. Geräucherte Forellen und geräucherter Aal fanden grossen Anklang. Nach der Rast wurden bereits wieder die Ruder ergriffen und die Weserfahrt fortgesetzt.
Die Route führte uns entlang von Feldern, bewaldeten Hügeln, Windkraftwerken und zahlreichen alten Gebäuden nach Bodenwerder. Nach dem Zimmerbezug wurde das nächste Altstädtchen durchstreift und Ausschau für ein gemütliches Plätzchen zum Dinieren gehalten. Zum Halbfinal Deutschland gegen Spanien musste natürlich eine Grossleinwand im Lokal vorhanden sein. An der Uferpromenade wurde man schnell fündig. Nach der Niederlage der Deutschen Nationalelf waren wir Schweizer ziemlich schnell alleine in der Gartenwirtschaft. Dies hat jedoch die Stimmung unter den Eidgenossen nicht sonderlich getrübt.
8. Juli
Bodenwerder - Hameln 22,5 km (Weser)
Um 9:00 Uhr war das Gepäck im Begleitbus verstaut und unterwegs zum Zielort Hameln. In Boden-werder war noch eine Stadtführung mit Museumsbesuch organisiert. Die Heimatstadt von Hieronymus Karl Friedrich Freiherr von Münchhausen, besser bekannt unter dem Namen „Baron von Münchhausen", ist reichlich geschmückt mit Skulpturen welche den Baron in Aktion darstellen. Die vorgetragenen Geschichten des Barons liessen die Pontoniere einige Male schmunzeln. Nach dem kulturellen Teil des Tages widmete man sich wieder dem sportlichen Teil zu. Und zum letzten Mal auf dieser Reise wurden die Schiffe bereitgestellt und die Fahrt aufgenommen. Bei der Mittagsrast im Restaurant „Bei der Fähre" in Grohnde wurden die hauseigenen Braukünste ausgiebig konsumiert. Die Rast war zeitlich ausgiebig bemessen. Die Teilnehmer philosophierten bereits von kommenden Fernfahrten. Dass diese wiederum ohne Motor stattfinden soll ist bereits jetzt allen Beteiligten klar.
Nach dem Mittagessen wurden die letzten 11 km in Angriff genommen. In Hameln angekommen wurden die Boote auf den Anhänger verladen und zum Rücktransport bereitgestellt. Mit dem Kleinbus verschob sich die Reisegruppe zum letzten Hotel dieser Reise, dem Hotel zur Post. Hameln ist die grösste Stadt welche auf dieser Reise besucht wurde. Und die Rattenfängersage ist allgegenwärtig.
9. Juli
Hameln
Der Freitag wurde seines Namens gerecht. Ausschlafen und eine Stadtführung standen am Vormittag auf dem Programm. Die Hostess zeigte uns einige besonders schön restaurierte und geschichtsträchtige Bauwerke und konnte es nicht verkneifen sich über die Bau-sünden der Siebziger-jahre auszulassen. Danebst waren die schönen Riegelbauten und Kirchen wirklich sehenswert und die vielen Strassencafes luden zu gemütlichen Pausen ein. Am Nachmittag konnten alle individuell durch die Stadt flanieren und sich mit Souvenirs eindecken. Für das gemeinsame Nachtessen wurde der idyllische Hinterhof vom Pfannkuchenhaus ausgesucht.

10. Juli
Hameln - Aarau 700 km
Während der Begleitbus um 6:00 Uhr bereits abfuhr um den Schiffsanhänger abzuholen und die Heimreise anzutreten, konnten die restlichen Reiseteilnehmer noch das Frühstück im Hotel geniessen. Die noch 15-köpfige Reisegruppe bestieg den Zug um 9:50 Uhr in Hameln um via Hannover, Mannheim, Karlsruhe und Basel nach Aarau zu gelangen. Kurz vor 18:00 Uhr konnte die Reisegruppe in Aarau die Zugsreise beenden. (rsc)

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