Forum der Älteren
Glücksfall Alter?

FORÄRA, das Forum der Älteren – Region Aarau, lud zur ersten Generalversammlung und zum Referat von Peter Gross über sein neustes Buch „Glücksfall Alter“ ein.

Christian Fritschi
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Der vor eineinhalb Jahren gegründete Verein FORÄRA setzt sich für die Anlie-gen der älteren Generation ein. Der dabei angewandte Grundsatz „Ältere für Ältere", erweist sich als sinnvoll und nötig angesichts der Betrachtungen und Forderungen des Altersforschers und emeritierten Ordinarius für Soziologie an der Universität St. Gallen, Prof. Dr. rer. pol. Peter Gross.
Im Restaurant Schützen in Aarau begrüsste Christian Fritschi, der Präsident des FORÄRA, rund siebzig Vereinsmitglieder und Zuhörer, namentlich die Aarauer Ein-wohnerratspräsidentin Angelica Cavegn Leitner sowie Beatrice Feusi, Leiterin der regionalen Informationsstelle Alter, und Markus Fontana, Leiter der Abteilung Alter der Stadt Aarau. Da das Thema Alter heute im Mittelpunkt von Presse, Kommerzan-geboten, Infostellen und Gemeindekonzepten stehe, sei eine kritische und sorgfältige Beobachtung der Situation nötig, wie sie der eingeladene Referent macht.
Peter Gross spannte einen grossen Bogen über Lebensthemen, die mit dem Älter-werden noch an Bedeutung gewinnen: Familie, Liebe, Sexualität, Geld, Krankheit und Tod. Bei jedem Thema wies er auf das Erfreuliche, Tröstliche und Veränderbare hin, ohne dabei die Schattenseiten zu negieren. Noch nie konnten so viele Men-schen so gut alt werden. Gross warnte davor, den häufig vorgebrachten Horrorsze-narien von einem „Silbertsunami" zu glauben. Der Wandel hin zu einer Vier-Generationen-Familie, einer „Hochstammfamilie" mit Urgrosseltern berge neue Mög-lichkeiten. Kinder in der modernen Gesellschaft seien häufig erwünschte Kinder, er-halten viel Zuneigung und würden den älteren Generationen auch wieder etwas zu-rückgeben. Der immer wieder gehörten Meinung, dass Junge für Alte zahlen, müsse
widersprochen werden. Richtig sei, dass Erwerbstätige für Alte und Junge zahlen. Zudem würden viele Pensionierte weiter Steuern zahlen und arbeiten. Peter Gross ärgerte sich darüber, dass viele Produkte und Dienstleistungen von Jungen entwi-ckelt und angeboten werden, ohne die Bedürfnisse der Älteren zu kennen. Darum mehr Mitsprache der Älteren in Produktion, Verkauf und Beratung. Dem Jugend-wahn, der dauernden Leistungsfähigkeit und der lieblosen Sexualisierung in unserer Gesellschaft könne die ältere Generation freundschaftliche Verbundenheit und karita-tive Liebe entgegenhalten. Bekannterweise nimmt die Anzahl der Demenzkranken zu. Doch könne das Vergessen für kranke Menschen auch eine Gnade sein, eine barmherzige Einrichtung der Natur. Das Alter erfordert ein sich Einlassen auf Krank-heiten und Tod. Doch würden viele ältere Menschen mit zunehmendem Alter den Tod - den Gast, der nur einmal kommt - besser annehmen können.
In der nachfolgenden Diskussion blieben die Schattenseiten des Alters nicht uner-wähnt, die Verlassenheit beispielsweise oder die ungenügende Bereitschaft der Wirt-schaft, älteren Arbeitnehmern oder willigen Pensionierten Arbeit zu bieten. Die Dis-kussion wurde mit der ermutigenden Aufforderung abgeschlossen, dass Ältere ent-sprechend der demographischen Vertretung überall in Politik, Belegschaft und Kund-schaft ihren Abdruck hinterlassen sollten.
An der anschliessenden Generalversammlung waren rund fünfzig Mitglieder anwe-send. Die Anzahl der Mitglieder hatte sich seit der Gründung im Oktober 2008 fast verdoppelt auf 133 Mitglieder.
Im ersten Vereinsjahr befasste sich FORÄRA hauptsächlich mit Vernehmlassungen zur Bahnhofplatzgestaltung und zum Bau- und Zonenplan Torfeld Süd sowie mit dem Altersleitbild der Stadt Aarau. Eine Veranstaltung fand zum Thema Finanzen im Alter statt. Eine Bestandesaufnahme der Kosten verschiedener Altersheime ist in Bearbei-tung. Monatlich findet der Treff 50+ im Restaurant Laterne statt, der FORÄRA als Ohr und Radar für Sorgen und Freuden der Älteren dient. Arbeitsgruppen zu den Themen Nachbarschaftshilfe, Wohnen im Alter und Kulturreisen sind aktiv. Die Rechnung 2009 und das Budget 2010 wurden ohne Gegenstimme angenommen. Der Mitgliederbeitrag wurde bei CHF 20.- belassen. Der Kassier Werner Knörr gab der Hoffnung Ausdruck, dass er in Zukunft weiter mit grosszügigen Spenden rechnen könne.
Die erste Generalversammlung schloss mit dem Aufruf des Vorstandes zum Einbrin-gen von Anliegen und zur Mitarbeit, ganz im Sinne des eingeladenen Referenten: „Junge Besen kehren gut, alte wissen, wo der Dreck ist."
21.3.2010/JP