Aufführung

Strapazierte Lachmuskeln im Kofmehl: Ein Festtagsmenu am Kleinkunsttag

Im ausverkauften Kofmehl gaben Musiker und Sängerinnen, Erzähler und Artisten ein Stelldichein.

Die Kleinkunsttage haben im Solothurner Veranstaltungskalender einen festen Platz, den viele nicht missen möchten. Bereits zum 14. Mal gab es in der Kulturfabrik Kofmehl vor ausverkauften Rängen zehn Mal zehn Minuten Unterhaltung vom Feinsten. Das beschwingte Highlight in der Altjahreswoche mit vielen Einzelkünstlern und Gruppen – viele davon aus der Region – sorgte für wahre Begeisterungsstürme und strapazierte die Lachmuskeln. 360 in Windeseile ausverkaufte Plätze: das sprach für die Organisatoren, die das hochkarätige Programm zusammengetragen hatten. Von musikalischen Glanzlichtern über betörende Frauenstimmen, von starken Worten und jugendlichen Artisten reichte die Palette weit über das Erwünschte hinaus.

Wortwitz mit kurzen Monologen von Ernst Burren

Einen unspektakulären Anfang machte der vom Solothurnischen Kuratorium für Kulturförderung ausgezeichneten Schlagzeuger und Komponist Gregor Lisser aus Solothurn, der das Publikum zum herzhaften Mitmachen anregte, gefolgt von den Musikern Marcel Wyss am Sopransaxofon und Basso Salerno am Akkordeon. Beide gaben sich unter dem Namen Stellamar leidenschaftlich und humorvoll der musikalischen Italianità hin. Improvisiert, jazzig, spannungsvoll und manchmal auch ein kleines bisschen verrückt.

Ein Erlebnis waren auch die kurzen Monologe des mehrfach ausgezeichneten Mundartdichters Ernst Burren aus Oberdorf, der mit seinem legendären Wortwitz beharrlich und knochentrocken ausspricht, was andere nur denken. Ein Höhepunkt auch das Sextett des A-cappella-Ensembles Liedschatten, das wie gewohnt mit Sprachwitz und wunderschönen Liedern aus dem aktuellen Programm «Cabaret Sans-Soucis» Allzumenschliches auf die Schippe nahm. Herrlich im Frauenprogramm ebenfalls die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete solothurnische Slam-Poetin und Moderatorin Lisa Christ, die das Publikum mit schneller Zunge und grandioser Wortakrobatik mit alltäglichen Unzumutbarkeiten und Selbsterkenntnissen eindeckte.

«Light Food» gabs dann von der gleichnamigen Grenchner Band, die mit einem Repertoire aus Rock, Oldies, Country und Reggae sowie Eigenkompositionen in Mundart auftrumpfte, gefolgt vom Garagisten und Liedermacher Le Bel Hubert aus dem jurassischen Sonceboz, der das Publikum mit seinen fröhlichen Chansons und welschem Charme bezirzte.

Breakdance, Film und Kontrabass

Ein Genuss anderer Art in zweimal fünf Minuten waren die jungen Ad-hoc-Breakdancer Ill Fusion Crew, die die als Teil der Hip-Hop-Bewegung getanzte Tanzform unter das Publikum brachten. Ihnen folgte die Vorführung des an den letzten Filmtagen preisgekrönten Kurzfilms «All inclusive» von Corina Schwingruber Ilic über den Kreuzfahrt-Massentourismus.

Finaler Höhepunkt zum Abschluss des vergnüglichen Abends war schliesslich die Glanznummer von Philipp Galizia zusammen mit Christian Roffler am Piano. Galizia, als Kleinkunstgrösse bekannt, kann nicht nur Geschichten erzählen, sondern auch die feinen Saiten seines Kontrabasses zum Schwingen bringen, sodass Text und Musik in einen harmonischen und mitreissenden Erzählfluss zusammenfliessen. Auf diese Weise entstanden berührende Worte von Hoffnungen, Wünschen und Sehnsüchten, die den nahen Jahreswechsel vorwegnahmen.

Fast nicht zu toppen war Moderatorin Eva Büchi, die als «Sorella Futurella» den Abend bestritt und die einzelnen Auftritte in Anlehnung an ein Festtagsmenu den Zuschauern und Zuhörern schmackhaft machte. Hervorragende Arbeit hat auch der einheimische Liedermacher Ruedi Stuber geleistet, der für die Organisation zuständig war.

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