Gespannt warten in diesen Tagen mehrere Madiswilerinnen und Madiswiler auf einen Brief des Regierungsstatthalteramtes Oberaargau in Wangen. Darin wird ihnen der Entscheid zum neuesten Baugesuch für eine Mobilfunk-Antenne auf einem Mehrfamilienhaus am Untergässli mitgeteilt. Bisher ist das Linksmähderdorf nämlich noch antennenfrei.

Im Sommer 2011 hatten sich zahlreiche Madiswilerinnen und Madiswiler über den Erfolg ihrer Einsprachen gefreut. Diese hatten den Bauabschlag für die von Orange Communications SA geplante UMTS-Mobilfunkanlage zur Folge. Am Rande des Dorfkerns, auf dem mehrstöckigen Industriegebäude der WSM beim Bahnhof, wollte Orange eine 20 Meter hohe Antenne bauen. Wegen «Beeinträchtigung des Ortsbilds» blitzte das Unternehmen bei den Behörden ab. Die Anlage hätte den Blick auf das Dorf empfindlich gestört.

Swisscom als nächste

Kaum atmete die Bevölkerung auf, klopfte mit der Swisscom der nächste Mobilfunkanbieter im Linksmähderdorf an. Die Swisscom-Antenne ist zwar mit einer Mastenhöhe von 4,5 Metern um einiges kleiner als bei Orange, käme aber auf einem Mehrfamilienhaus am Untergässli und damit mitten im Dorf zu stehen.

In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich die Kindertagesstätte Kita und Alterswohnungen mit betreuter Pflegewohngruppe. Weitere Alterswohnungen und eine Ärzte-Gruppenpraxis werden dort, «Im Zelgli», in naher Zukunft die bestehende Infrastruktur ergänzen. Ansonsten stehen Ein- und Mehrfamilienhäuser im nahen Umkreis des geplanten Antennen-Standorts.

Viele Einsprachen

26 Personen – Anwohner der Standort-Liegenschaft am Untergässli und weitere Einwohner – reichten Einsprachen ein – sie machten Bedenken betreffend Immissionen, Wertverminderung und Ortsbild geltend. «Der negative Einfluss solcher Strahlungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier ist bewiesen», weiss Werner Scheidegger, Präsident der Genossenschaft «Im Zelgli». «Das wird aber leider nicht anerkannt.»

Scheidegger hat Bedenken, dass potenzielle Mieter der Alterswohnungen oder Eltern, die ihr Kind in die Obhut der Kita geben, vor der Nähe der Strahlungsquelle zurückschrecken könnten. Therese Ledermann steht der Kita vor und kann den Standort ebenso wenig akzeptieren. «Ich wehre mich für die Kinder und für die alten Menschen, die sich nicht selber gegen den Bau dieser Mobilfunkanlage einsetzen können. Aber auch für meine Familie und mich.»

Ledermanns wohnen direkt neben dem geplanten Standort. Auch die Mieter des Mehrfamilienhauses, auf dem die Antenne gebaut werden soll, erfuhren erst über Dritte von den Plänen der Swisscom.

Aus Angst vor negativen Auswirkungen

Viele der Betroffenen haben sich mit dem Thema auseinandergesetzt. Alle wissen, dass bald jeder ein Handy benutzt, was solche Funkanlagen voraussetzt. Auf die vorhandenen Dienste der Mobilfunkanbieter und die modernen, leistungsstarken Geräte zu verzichten, um damit den Bau weiterer Antennen zu verhindern, fällt vielen «Usern» schwer. Die meisten sind sich aber bewusst, dass diese Haltung Resignation zur Folge hat und den Anbietern entgegenkommt.

Trotzdem bleibt die Angst vor negativen Auswirkungen. Der Strahlensmog wird immer dichter, und dagegen wollen die Einsprechenden etwas unternehmen – bevor es zu spät ist.

Kundenbedürfnisse befriedigen

Die Swisscom AG begründet den Standort damit, dass Mobilfunk-Basisstationen dort stehen müssten, wo ihre Dienstleistung am meisten verlangt werde. «Das Datenvolumen verdoppelt sich rund alle 12 Monate», erklärt Swisscom-Mediensprecherin Annina Merk. «Damit wir den Bedürfnissen unserer Kunden gerecht werden können, sind wir gezwungen, das Netz auszubauen».

Sprach Merk erst vom Telefonieren, wird klar, dass heute ausschliesslich der Internetzugang fortlaufend eine höhere Leistung erfordert. Zudem verlange dies der Fortschritt der Kommunikationstechnologien. Mit riesigen Investitionen in die Netzinfrastruktur wird die moderne Sprach- und Datenkommunikation sichergestellt.

«Das sind wir unseren Kunden schuldig», so das Statement des Telekom-Unternehmens. Für die Standorte der Mobilfunk-Basisstationen müssen aber immer auch Grundeigentümer gefunden werden, die auf ein «Mietverhältnis» eingehen. Das sei in Madiswil der Fall.

Bedenken bleiben

Noch steht der Entscheid aus, ob die Swisscom-Antenne in Madiswil gebaut werden kann. Diesmal kann gemäss Kantonaler Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder OLK keine Ortsbildbeeinträchtigung geltend gemacht werden.

Trotzdem geben sich die Einsprecher noch nicht geschlagen. Bedenken äussert auch die Madiswiler Gemeindepräsidentin Vreni Flückiger: «Die Gemeinde lehnt den Bau einer Mobilfunkanlage mitten im Dorf ab. Gerade auch, weil sich in den Alterswohnungen und in der Kita die schwächsten unserer Gesellschaft aufhalten – die alten und die ganz jungen Menschen.»

Mit einer Stellungnahme haben sowohl die Gemeindeverwaltung wie rund ein Viertel der Einsprechenden ihrer Haltung mit Argumenten Nachdruck verliehen. Gemäss Barbara Lüscher vom Regierungsstatthalteramt Oberaargau wird der Entscheid des Statthalteramtes den Parteien diese Woche eröffnet. Er kann danach noch an die Bau- Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons weitergezogen werden.