Bleienbach

Fünf Turmfalken erhalten einen Ring von der Vogelwarte Sempach

Martin Leuenberger hält den jungen Falken sicher in den Händen. kit

Martin Leuenberger hält den jungen Falken sicher in den Händen. kit

Martin Leuenberger zieht im Auftrag der Vogelwarte Sempach von Ort zu Ort. Er beringt Vögel. Die fünf, etwa zwei Wochen alten Turmfalken schauen mit ihren grossen Augen erstaunt aus der Kartonschachtel.

Der Frechste der Jungbrut kräht die umstehenden Kinder und Erwachsenen lauthals an und breitet fast schon beschützend seine Flügel über seinen Geschwistern aus. «Jö, sind die süss!», ruft eines der Mädchen, das zur Kindergruppe des Vereins Vogel- und Naturschutz Rütschelen, Bleienbach und Lotzwil gehört.

Behutsam nimmt Martin Leuenberger aus Wasen im Emmental den vorwitzigen kleinen Kerl in seine Hand. Sofort krallt sich der junge Greifvogel in seinen Fingern fest. Für Leuenberger kein Grund laut aufzuschreien. Er ist sich den Umgang mit Vögeln gewohnt. Im Auftrag der Vogelwarte Sempach zieht er von Gemeinde zu Gemeinde und bringt dem Vogelnachwuchs Erkennungsringe an den Beinen an.

Keine Beeinträchtigung der Vögel

«Tut das den Vögeln nicht weh?», fragt ein Junge. Martin Leuenberger verneint: «Ich muss ganz vorsichtig sein und den Ring korrekt anbringen. Dann beeinträchtigt er den Vogel überhaupt nicht. Und da das Beinchen des Jungvogels praktisch schon seine Enddicke erreicht hat, wird der Ring ihn das ganze Leben lang nie stören.»

Neugierig schaut das vorwiegend junge Publikum zu, wie der Fachmann den Ring zusammendrückt. Der Turmfalke lässt die Prozedur ohne viel Gegenwehr über sich ergehen. Nur den Schnabel reisst er schimpfend auf. Als der Ring angebracht ist, dürfen die Kinder den Vogel streicheln.

Noch etwas zurückhaltend aber mit einer grossen Portion Neugierde berühren die Mädchen und Knaben das Federkleid. Dann kann der Vogel zurück zu seinen Geschwistern.

«Die Angaben auf dem Ring sollen dabei helfen, die Biologie dieser doch eher seltenen Tiere besser zu verstehen und zu sehen, wie sich der Bestand entwickelt, wie weit der Turmfalke fliegt und wie alt er wird», ergänzt der Präsident des Vereins, Hansueli Mathys. Im Gebiet des Vereins würden nicht nur Turmfalken beringt, sondern beispielsweise auch Schleiereulen, falls es eine Brut gebe in einem der rund 500 betreuten Nistkästen.

Landwirte begrüssen Arbeit der Vogelschützer

Unter Betreuung von Nistkästen verstehen die Vogelkundler das regelmässige Beobachten der Kasten-Bewohner sowie die Reinigung der Kästen im Herbst. 41 Aktivmitglieder und 25 Nachwuchs-Ornithologen zählt der Verein der drei Gemeinden. Eine schöne Anzahl, findet Hansueli Mathys. Aber natürlich sei man immer auf der Suche nach neuen Interessenten. Denn die Arbeit werde nicht weniger wichtig in Zukunft.

Hansueli Mathys freut sich, dass die Tätigkeit seines Vereins sowohl bei der Bevölkerung wie auch bei den Gemeinden auf eine hohe Akzeptanz stösst: «Die Leute haben gemerkt, dass wir nichts verändern, sondern lediglich das Bestehende erhalten wollen. Das ist wohl der Grund, warum auch die Landwirte unsere Arbeit begrüssen.»

Die fünf Jung-Turmfalken haben mittlerweile alle ihren Ring bekommen. Martin Leuenberger bringt sie zurück in den Nistkasten. Die Vogel-Eltern ziehen weite Kreise oberhalb des alten Pumpwerkes in Bleienbach, wo der Kasten angebracht ist.

«Bald werden die Vögel mit Beute zu ihren Jungen kommen und sie noch vor dem Einnachten ein letztes Mal an diesem Tag füttern. Die Beringung ist kein grosser Eingriff in einem Vogelleben», sagt Leuenberger.

Meistgesehen

Artboard 1